Steuerberatungsbranche wächst – aber der Nachwuchs fehlt
Die Mitgliederzahlen steigen, doch die Ausbildungszahlen fallen. Das zeigt die Berufsstatistik 2025 der Bundessteuerberaterkammer. Zum 1. Januar 2026 waren bundesweit 17.081 Ausbildungsverhältnisse zum Steuerfachangestellten registriert – 220 weniger als im Vorjahr, ein Rückgang von 1,3 Prozent. Die Zahl der weiblichen Auszubildenden sank um 132, die der männlichen um 85.
Die sinkenden Zahlen treffen einen Berufsstand, der altert. Fast die Hälfte der Berufsangehörigen – 45,8 Prozent – ist 56 Jahre oder älter. Die Gruppe der über 70-Jährigen macht mit 13,7 Prozent den zweitgrößten Altersblock aus, nur knapp hinter den 56- bis 60-Jährigen (14,2 Prozent). Gleichzeitig sind weniger als ein Fünftel der Berufsangehörigen jünger als 40.
BStBK-Präsident Prof. Dr. Hartmut Schwab sieht den Berufsstand grundsätzlich auf Kurs: "Die aktuelle Berufsstatistik zeigt, dass der steuerberatende Beruf attraktiv bleibt und weiterwächst." Zugleich räumt er in der Pressemitteilung der Bundessteuerberaterkammer ein: "Wir dürfen bei der Gewinnung von Nachwuchs nicht nachlassen. Mit unseren Maßnahmen zur Fachkräftesicherung setzen wir genau dort an und werben gezielt für ein modernes, sicheres und chancenreiches Berufsbild."
Die meisten Auszubildenden verzeichnete erneut die Steuerberaterkammer Niedersachsen mit 2.080. Die höchste Ausbildungsquote im Verhältnis zur Mitgliederzahl erzielte die Steuerberaterkammer Mecklenburg-Vorpommern mit 30,9 Prozent.
Neben den Auszubildenden waren zum Stichtag bundesweit 2.113 Umschülerinnen und Umschüler zum Steuerfachangestellten registriert – mehr als im Vorjahr. Die meisten entfielen auf Westfalen-Lippe (370), München (227) und Köln (205).
Was die Berufsstatistik 2025 sonst zeigt
Die Steuerberaterkammer München bleibt mit 13.812 Berufsangehörigen die mitgliederstärkste Kammer, gefolgt von Düsseldorf mit 10.024 und Westfalen-Lippe mit 9.339 Mitgliedern.
Der Anteil der Selbstständigen sinkt weiter: 65,9 Prozent der Berufsangehörigen arbeiten selbstständig, 34,1 Prozent sind angestellt. 59.519 Steuerberaterinnen und Steuerberater führen eine eigene Praxis, 30.817 sind angestellt tätig. Die Zahl der Syndikus-Steuerberaterinnen und -Steuerberater stieg auf 8.569 – ein Plus von 2,1 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Rund ein Fünftel der Berufsangehörigen (18,2 Prozent) verfügt über eine Zusatzqualifikation. Die größte Gruppe stellen mit 8.554 Personen die Steuerberater/Wirtschaftsprüfer. Weitere 370 sind zugleich Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwälte.
Im Jahr 2025 erwarben 72 Steuerberaterinnen und Steuerberater den Titel Fachberater für Internationales Steuerrecht neu. Insgesamt gibt es damit 1.823 Fachberater für Internationales Steuerrecht und 63 für Zölle und Verbrauchsteuern.
Berufsstatistik 2022 und 2025 im Vergleich: Was sich verändert hat
Berufsstatistik 2022 (Stand 1.1.2023) | Berufsstatistik 2025 (Stand 1.1.2026) | |
Mitglieder gesamt | 104.321 | 105.953 |
Wachstum gegenüber Vorjahr | 3,2 Prozent | 1,1 Prozent |
Frauenanteil | 37,8 Prozent | 39,3 Prozent |
Selbstständige | 67,3 Prozent | 65,9 Prozent |
Angestellte | 32,7 Prozent | 34,1 Prozent |
Auszubildende gesamt | 17.187 | 17.081 |
Umschülerinnen und Umschüler | 1.889 | 2.113 |
Durchschnittsalter | 53,4 Jahre | 53,7 Jahre |
Vergleicht man die Zahlen der Berufsstatistik 2025 mit denen der Berufsstatistik 2022, erhält man ein noch klareres Bild von langanhaltenden Trends in der Branche.
Der Berufsstand wächst, aber das Tempo nimmt ab. Zum 1. Januar 2023 lag das Plus noch bei 3,2 Prozent, zum 1. Januar 2026 nur noch bei 1,1 Prozent. Absolut stieg die Mitgliederzahl von 104.321 auf 105.953.
Der Frauenanteil stieg kontinuierlich von 37,8 auf 39,3 Prozent – ein Trend, der sich seit Jahren hält. Noch in der Berufsstatistik 2022 vermerkte die BStBK, dass der Anteil der männlichen Auszubildenden damals das zwölfte Jahr in Folge stieg. Damals waren 36,5 Prozent der Auszubildenden männlich, in der Berufsstatistik 2025 waren es 36,72 Prozent männliche Auszubildende.
Der Anteil der Selbstständigen schrumpft weiter. Zum 1. Januar 2023 arbeiteten noch 67,3 Prozent auf eigene Rechnung, zum 1. Januar 2026 nur noch 65,9 Prozent. Der Anteil der Angestellten stieg im selben Zeitraum von 32,7 auf 34,1 Prozent.
Bereits 2022 sanken die Ausbildungszahlen: von 17.352 im Vorjahr auf 17.187 – ein Minus von 165. Im Jahr 2025 setzt sich das fort: von 17.301 im Vorjahr auf 17.081 – ein Minus von 220. Die Zahlen liegen damit heute unter dem Wert von 2022, während der Altersdurchschnitt im selben Zeitraum von 53,4 auf 53,7 Jahre stieg. Dass die Zahl der Umschülerinnen und Umschüler im selben Zeitraum von 1.889 auf 2.113 gestiegen ist, ein Plus von rund zwölf Prozent. Das legt nahe, dass Kanzleien verstärkt auf Quereinsteiger setzen.
Die vollständige Berufsstatistik 2025 steht auf der Seite der Bundessteuerberaterkammer zum Download bereit.
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