Prof. Dr. Klaus Peter Berger
Rn 16
Die Bereichsausnahme beruht auf der Erwägung, dass Verträge auf dem Gebiet des Gesellschaftsrechts nicht auf dem Austausch von Leistungen, sondern auf die Begründung von mitgliedschaftsrechtlichen und/oder organisationsrechtlichen Strukturen zielen, für deren Kontrolle die §§ 305 ff nicht passen (BGH NJW 95, 192). Deshalb gilt die Bereichsausnahme für alle Gesellschaftsformen, also GbR (U/B/H/Ulmer/Schäfer § 310 Rz 121), stille Gesellschaft (BGH NJW 95, 192), OHG, KG, GmbH, AG, KGaA, Genossenschaft (BGH NJW 88, 1729 [BGH 08.02.1988 - II ZR 228/87]), Verein (BGH NJW 98, 454 [BGH 08.10.1997 - IV ZR 220/96]), Partnerschaftsgesellschaft und EWIV (MüKo/Fornasier § 310 Rz 121), nicht dagegen für die Bruchteilsgemeinschaft (W/L/P/Schmidt § 310 IV Rz 11 aE) und partiarische Rechtsverhältnisse (BGH NJW 95, 192 [BGH 10.10.1994 - II ZR 32/94]), für Anleihebedingungen (BGH NJW 20, 986 [BGH 16.01.2020 - IX ZR 351/18] Rz 23), auch nicht für Berechtigungsverträge mit der GEMA (BGH NJW 09, 778 [BGH 18.12.2008 - I ZR 23/06]).
Rn 17
Die Bereichsausnahme gilt nicht für Verträge, die zwar im Zusammenhang mit einem gesellschaftsrechtlichen Rechtsverhältnis stehen, aber nicht die gemeinsame Zweckförderung, sondern die Regelung einer vertraglichen Austauschbeziehung zum Gegenstand haben (BGH NJW 93, 57). Dies gilt etwa für Depotstimmrechtsverträge (BTDrs 7/3919, 41), Genussrechtsbedingungen (BGHZ 119, 312; München WM 16, 645, 646), Anstellungsverträge mit einem Gesellschafter-Geschäftsführer (HP/Becker § 310 Rz 32) und sonstige Austauschverträge zwischen Gesellschaft und Gesellschafter (BGH NJW-RR 92, 379 [BGH 11.11.1991 - II ZR 44/91]), auf das Versicherungsverhältnis bezogene Regelungen in AVB eines Versicherungsvereins auf Gegenseitigkeit (BGH NJW 98, 454 [BGH 08.10.1997 - IV ZR 220/9...