Kreditversicherung

Zusammenfassung

 
Begriff

Kreditversicherungen sichern den Lieferantenkredit ab und schützen somit Unternehmen vor dem Ausfall von Forderungen bzw. eingeräumten Krediten. Sie sind damit ein wichtiges Instrument des Risiko- bzw. Forderungsmanagements und stellen eine Alternative zum Factoring dar.

1 Wesen der Kreditversicherung

Wenn Kunden Waren oder Dienstleistungen bei einem Lieferanten bestellen, so müssen sie diese in der Regel nicht sofort begleichen. Vielmehr räumt der Lieferant seinen Abnehmern Zahlungsziele ein, die je nach Länge und Qualität der Geschäftsbeziehung und dem Verhandlungsgeschick des Abnehmers durchaus zwei Monate betragen können. Durch die Gewährung von Zahlungsaufschüben setzt sich der Lieferant jedoch einem Forderungsausfallrisiko oder einem Delkredererisiko aus, also der Gefahr, dass der Abnehmer seine offenen Rechnungen nicht zahlen kann. Vor allem bei kleineren mittelständischen Lieferanten wirkt sich ein Forderungsausfall mitunter dramatisch aus, denn er kann zu erheblichen Vermögenseinbußen führen und einen Lieferanten sogar in die Insolvenz stürzen, wenn dieser seine Vorlieferanten oder seine Mitarbeiter nicht mehr bezahlen kann.

Durch den Abschluss einer Kreditversicherung können sich Unternehmen gegen den Ausfall von Forderungen bei Lieferantenkrediten schützen. Der grundsätzliche Gedanke ist hierbei, dass Forderungen Vermögensgegenstände darstellen, deren Ausfallrisiko als versicherungswürdig eingeschätzt wird. Durch die Kreditversicherung wird ein Unternehmen vor existenzbedrohenden Vermögensschäden geschützt, die durch Zahlungsunfähigkeit des Kunden entstehen können. Kreditversicherungen sind jedoch keine alleinige Patent-Lösung, um sich vor einem Forderungsausfall zu schützen. Vielmehr stellen sie einen zusätzlichen Baustein des Forderungsmanagements dar, der gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten sehr hilfreich sein kann.  

Der Begriff Kreditversicherung umfasst neben der eigentlichen Versicherungsleistung weitere Tätigkeitsbereiche. So steht im Vorfeld der Auftragsabwicklung die Bonitätsprüfung des Kunden im Vordergrund. Dabei ermöglichen die umfangreichen Datenpools des Kreditversicherers eine solide Einschätzung des Kunden. Zudem können sich Kreditversicherer der Expertise von Wirtschaftsauskunfteien bedienen. Doch auch im Rahmen der Auftragsabwicklung wird die Bonität des Abnehmers ständig überwacht. Dadurch werden ausfallgefährdete Forderungen frühzeitig erkannt und es können geeignete Maßnahmen ergriffen werden, um größere Ausfälle zu vermeiden. Im Fall der Insolvenz eines Kunden wird durch die Kreditversicherung die Höhe des Zahlungsausfalls begrenzt und es kommt zu einer schnellen Entschädigung durch den Versicherer. Hierdurch haben große Forderungsausfälle einen geringeren Einfluss auf die Liquidität und den Ertrag des versicherten Unternehmens.

Es gibt verschiedene Arten der Kreditversicherung. Die in der Geschäftspraxis bekannteste ist die Delkredereversicherung, die wiederum die Warenkredit, die Ausfuhr-, die Investitionsgüter- und die Konsumentenkreditversicherung umfasst. Neben der Delkredereversicherung fallen unter die Tätigkeiten eines Kreditversicherers auch die Kautionsversicherung und die Vertrauensschadenversicherung (vgl. Abb. 1).

Abb. 1: Formen der Kreditversicherung

2 Formen der Delkredereversicherung

Im Rahmen der Delkredereversicherung wird ein Rahmenvertrag zwischen dem Versicherer und dem Versicherungsnehmer abgeschlossen, in dem die jeweiligen Rechte und Pflichten festgelegt sind. Der Versicherer prüft anhand der Kundendaten des Versicherungsnehmers die Bonität der Kunden und legt darauf aufbauend fest, in welcher Höhe die jeweiligen Kredite versichert werden können. In der Regel werden diese zu 70 % – 80 % versichert. Für den Schadensfall bedeutet das, dass der Versicherer 70 % – 80 % des Schadens übernimmt, der verbleibende Betrag (Selbstbehalt) wird dem Versicherungsnehmer nicht ersetzt.

2.1 Warenkreditversicherung

Der Warenkreditversicherung kommt innerhalb der Delkredereversicherung die größte Bedeutung zu. Bei der Lieferung von Waren und der Erstellung von Dienstleistungen ist die Einräumung von Zahlungszielen sowie die Wechselzahlung weit verbreitet. Der Lieferant geht dabei ein hohes Risiko ein, da die Gefahr besteht, dass der Kunde vor Bezahlung der erbrachten Leistung insolvent wird. Zum Schutz vor den damit verbundenen Vermögensschäden kann eine Warenkreditversicherung abgeschlossen werden. In Abhängigkeit von der durchgeführten Bonitätsüberprüfung wird entschieden, ob der Versicherungsschutz für den von dem Versicherungsnehmer bereitgestellten Lieferantenkredit (Versicherungssumme, Kreditlimit) gewährt wird. Während der Kreditlaufzeit wird die Bonität weiter überwacht, um mögliche Kreditausfälle frühzeitig zu erkennen. Die Überprüfung des Kunden durch das Versicherungsunternehmen erfolgt mit Hilfe von Informationen von Banken und Auskunfteien, durch das Heranziehen von Bilanzen, Geschäftsberichten und Selbstauskünften sowie durch die Berücksichtigung der Erfahrungen anderer Lieferanten. Durch die Übernahme der Kreditwürdigkeitsprüfung durch de...

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