| Gefährdungsbeurteilung

Vibrationen von Motorkettensägen werden unterschätzt

Wald- und Forstarbeiter sind schweren körperlichen Belastungen ausgesetzt
Bild: Michael Bamberger

Die Motorkettensäge ist bei der Holzernte das wichtigste Arbeitsmittel. Sie kommt in der Wald- und Forstwirtschaft oft über mehrere Stunden zum Einsatz. Dies kann dazu führen, dass Höhe und Dauer der Hand-Arm-Vibration zu hoch sind und auf Dauer zu Gesundheitsschäden führen. Gefährdungsbeurteilungen wie sie meist durchgeführt werden, decken die Problematik allerdings nicht immer auf.

Vibrationsmessungen an Motorkettensägen bzw. bei den Anwendern erfordern besondere Fachkunde und kosten Geld. Deshalb wird für die Gefährdungsbeurteilung meist auf die Angaben der Hersteller zurückgegriffen.

Bei der Gefährdungsbeurteilung wird auf die Angaben der Hersteller zurückgegriffen

Doch deren Messungen sind reproduzierbare Laborverfahren. Im Labor werden die Motorkettensägen an astreinem Holz mit einer festgelegten Schnittposition bewertet. Außerdem haben die Sägen bei den Messungen optimal geschärfte Ketten.

Vibrationsbelastungen bei Motorkettensägen kann unterschätzt werden

Werden nur die Herstellerangaben zur Gefährdungsbeurteilung herangezogen, kann die Vibrationsbelastung beim Einsatz von Motorkettensägen unterschätzt werden. Denn die Belastungswerte sind unter realen Bedingungen höher.

Andere Bäume - andere Dichten - andere Vibrations-Belastung

Messungen in der Praxis finden unter verschiedenen Arbeits- und Betriebsbedingungen statt. Außerdem werden unterschiedliche Bäume bearbeitet. Verschiedene Holzarten haben eine unterschiedliche Dichte, so dass die Schwingungsbelastung bei der Bearbeitung z. B. von Fichten größer ist als bei Buchen.

Arbeitgeber muss zusätzliche Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit seiner Mitarbeiter ergreifen

Auch wenn sich durch vibrationsmindernde Griffsysteme die Bedingungen in den vergangenen Jahren deutlich verbessert haben, muss der Arbeitgeber daher oft auch dann Maßnahmen zum Schutz der Gesundheit seiner Mitarbeiter ergreifen, wenn die Hersteller die Vibrationsbelastung ihre Motorsäge bei üblicher Nutzung als „im grünen Bereich“ bezeichnen.

Weiterentwicklung von vibrationsarmen Motorkettensägen notwendig

Das Institut für Arbeitsschutz der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (IFA) unter Federführung der Unfallkasse Nordrhein-Westfalen sowie mit Unterstützung des Forstlichen Bildungszentrums für Waldarbeit und Forsttechnik in Arnsberg hat die gängige Gefährdungsbeurteilung mit Messungen in der Praxis abgeglichen. Dabei kam heraus, dass es notwendig ist, die Entwicklung von vibrationsarmen Motorkettensägen weiter voranzubringen.

Übrigens: Technische Regeln zu Vibrationen neu gefasst

Vibrationen treten in unterschiedlichen Frenquenzbereichen auf und führen, je nachdem, zu Belastungen des Hand-Arm-Apparates oder des ganzen Körpers. Die Teile der Technischen Regeln zur Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung, die sich mit Vibrationen beschäftigen, sind neu gefasst worden.

Schlagworte zum Thema:  Lärm- und Vibrationsarbeitsschutzverordnung, Vibrationen, Wald, Forstwirtschaft, Forst

Aktuell

Meistgelesen