Über ein Viertel der von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) erfassten tödlichen Arbeitsunfälle sind Absturzunfälle. Die meisten davon ereignen sich auf Baustellen, 29 allein im Jahr 2016. Die Unfallopfer sind überwiegend berufserfahren. Welche Ursachen führen zu den tödlichen Abstürzen und wie lassen sie sich vermeiden?

Die BAuA hat die Absturzunfälle der Jahre 2009 bis 2016 ausgewertet.

Viele Opfer von Absturzunfällen sind männlich, schon älter und meist auf Baustellen im Einsatz

In den Jahren 2009 bis 2016 wurden der BAuA 1.499 tödliche Unfälle gemeldet. 432 Unfälle davon – rund 28,2 % – waren Absturzunfälle.

99,5 % der Unfallopfer waren männlich. Nicht verwunderlich, da die tödlichen Absturzunfälle vor allem bei Fertigungs- und Montage- bzw. Demontagetätigkeiten auf Baustellen passieren.

Die Unfallopfer hatten Berufserfahrung, überwiegend drei Jahre oder länger. In der Altersklasse 50 bis 60 Jahren liegt die Zahl der Opfer mit knapp über 30 % deutlich über dem Durchschnitt, ebenso im Vergleich zum Anteil der verunfallten Erwerbstätigen in anderen Tätigkeitsbereichen.

2016 registrierte die BG BAU 29 tödliche Absturzunfälle

Auf dem Absturzsicherheits-Kongress 2017 verkündete die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) eine traurige Bilanz: 2016 ereigneten sich auf Baustellen über 8.000 Absturzunfälle mit 29 Todesopfern. Zwischen 2007 und 2016 liegt die Zahl nun bei rund 92.500 Absturzunfällen, davon 341 mit Todesfolge.

Was erhöht das Risiko von Absturzunfällen?

Bei fehlenden oder veralteten Gefährdungsbeurteilungen und wenn Vorschriften nicht eingehalten werden, wird's besonders gefährlich, wie die Auswertung der BAuA zeigt.

  • Bei 79,4 % der Absturzunfälle fehlte eine vollständige oder an die aktuelle Situation angepasste Gefährdungsbeurteilung.
  • Bei 71 % wurde gegen sicherheitstechnische Vorschriften verstoßen.

Nach Einschätzungen der Unfallermittler können durch eine Sicherung Unfallfolgen weniger schlimm ausgefallen. Aber bei 32,2 % fehlten Absturzsicherungen. Außerdem:

  • 34,9 % der tödlichen Absturzunfälle ereigneten sich aus einer Höhe von 5 bis 10 Metern.
  • In 11,6 % der Fälle erfolgte der Absturz sogar aus weniger als 2 Metern.

So lassen sich Absturzunfälle verhindern

Die meisten Abstürze ereignen sich von Leitern, Dächern und Gerüsten, viele auch von Treppen und durch Bodenöffnungen. Betroffen sind Beschäftigte aller Gewerbezweige. Selbst wenn Abstürze nicht tödlich enden, verletzen sich die Leidtragenden fast immer schwer, werden erwerbsunfähig oder sind an den Rollstuhl gebunden. 

Das Faktenblatt Tödliche Arbeitsunfälle – Absturzunfälle werden Unfallfaktoren und -ursachen nennt Maßnahmen, mit denen sich das Unfallrisiko reduzieren und sich Absturzunfälle verhindern lassen. Dazu gehört u. a.:

  • Führen Sie eine situationsgerechte und aktuelle Gefährdungsbeurteilung durch.
  • Achten Sie auf geeignete Arbeitsschutzmaßnahmen wie z. B. Sicherungsmaßnahmen und sorgen Sie dafür, dass persönliche Schutzausrüstungen getragen werden.
  • Unterweisen Sie die Beschäftigten regelmäßig.
  • Sensibilisieren Sie alle für das Absturzrisiko aus bereits geringer Arbeitshöhe.
  • Weisen Sie auf Baustellen und Dächern auf spezifische Gefährdungen hin.
  • Lassen Sie nur auf standsicheren und geeigneten Leitern arbeiten.
  • Achten Sie darauf, dass nur sichere Gerüste zum Einsatz kommen.

Arbeitsschutz beginnt schon in der Planungsphase

Absturzsicherheit ist bei Bautätigkeiten und späteren Wartungs- und Inspektionsarbeiten lebensrettend. Bereits in der Planungsphase müssen deshalb Architekten, Planer und Bauherren überlegen, welche Schutzmaßnahmen für den Bau und für die spätere Nutzung des Gebäudes erforderlich sind. Denn Arbeitsschutz beginnt nicht erst auf der Baustelle und endet auch nicht mit den Baumaßnahmen.

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