Sterbevierteljahr (Rente)

Zusammenfassung

 
Begriff

Witwen, Witwer und überlebende Lebenspartner erhalten für eine Übergangszeit bis zum Ende des 3. Kalendermonats nach dem Tod des Versicherten (auch sog. Sterbeübergangszeit) Hinterbliebenenrente in Höhe einer Rente wegen voller Erwerbsminderung bzw. einer Altersrente des Versicherten. Die Dauer des Sterbevierteljahres richtet sich dabei auch danach, ob der verstorbene Versicherte Rentenbezieher war oder nicht.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Sozialversicherung: Die Zahlung einer (höheren) Hinterbliebenenrente an Witwen, Witwer und überlebende Lebenspartner (§ 46 SGB VI) für die Zeit des Sterbevierteljahres ergibt sich in der gesetzlichen Rentenversicherung aus einem Rentenartfaktor von 1,0 in der allgemeinen Rentenversicherung (§ 67 Nr. 5 und 6 SGB VI) und einem Rentenartfaktor von 1,3333 in der knappschaftlichen Rentenversicherung (§ 82 Satz 1 Nr. 6 und 7, Satz 2 Nr. 3 SGB VI).

In der gesetzlichen Unfallversicherung regelt § 65 Abs. 2 Nr. 1 SGB VII ebenfalls eine höhere Hinterbliebenenrente an Witwen, Witwer und überlebende Lebenspartner (§ 63 Abs. 1a SGB VII) durch die Anwendung eines höheren Anteils des Jahresarbeitsverdienstes.

1 Rentenversicherung

1.1 Anspruchsvoraussetzungen

Damit eine Hinterbliebenenrente für das Sterbevierteljahr in Höhe einer Rente des Versicherten gezahlt werden kann, muss auch Anspruch auf eine Witwen-/Witwerrente bestehen, wobei unerheblich ist, ob während dieses Zeitraums dem Grunde nach Anspruch auf kleine oder große Witwen-/Witwerrente besteht. Überlebende (eingetragene) Lebenspartner sind seit dem 1.1.2005 den Witwen/Witwern gleichgestellt.

Der höhere Rentenartfaktor kommt nicht in Betracht, wenn die Witwen-/Witwerrente wegen verspäteter Antragstellung erst nach dem Sterbevierteljahr beginnt.[1]

 
Praxis-Beispiel

Tod eines Versicherten (kein Rentenbezieher)

 
  A B
Tod des Versicherten 31.3.2021 1.3.2021
Rentenbeginn 31.3.2021 1.3.2021

Witwenrente (Rentenartfaktor 1,0) für das Sterbevierteljahr im Fall A vom 31.3.2021 bis 30.6.2021 und im Fall B vom 1.3.2021 bis 30.6.2021. Ab 1.7.2021 wird die Witwenrente in Abhängigkeit der erfüllten Voraussetzungen entweder als kleine Witwenrente (Rentenartfaktor 0,25) oder als große Witwenrente (Rentenartfaktor 0,55 x 0,6) geleistet. In der knappschaftlichen Rentenversicherung ergeben sich höhere Rentenartfaktoren.

 
Praxis-Beispiel

Tod des Beziehers einer Versichertenrente

Wie Beispiel oben, nur bezog der verstorbene Versicherte eine Versichertenrente, im Fall A eine Rente wegen voller Erwerbsminderung (Rentenartfaktor 1,0) und im Fall B eine Rente wegen teilweiser Erwerbsminderung (Rentenartfaktor 0,5).

Die eigene Rente des Versicherten endet im Fall A und B mit Ablauf des Monats des Todes des Versicherten, also am 31.3.2021. Witwenrente (Rentenartfaktor 1,0) wird für das Sterbevierteljahr in beiden Fällen vom 1.4.2021 bis 30.6.2021 geleistet. Für den Fall B spielt es keine Rolle, dass der Versicherte vor seinem Tod eine Rente mit einem geringeren Rentenartfaktor als 1,0 bezogen hatte.

Für die Zeit ab 1.7.2021 siehe obiges Beispiel.

1.1.1 Antragstellung auf Witwen-/Witwerrente

Haben verstorbene Versicherte bis zum Tod keine Rente bezogen, ist der Antrag auf Witwen-/Witwerrente beim Rentenversicherungsträger zu stellen. Besteht der Anspruch auf Witwen-/Witwerrente, zahlt der Rentenversicherungsträger auch die erhöhte Rente für das Sterbevierteljahr.

1.1.2 Vorschuss auf Witwen-/Witwerrente

Hat der verstorbene Versicherte bis zum Tod eine Rente bezogen, gilt ein beim Renten Service der Deutschen Post AG gestellter Antrag auf Zahlung eines Vorschusses für das Sterbevierteljahr als Antrag auf Leistung einer Witwen-/Witwerrente.[1] Der Vorschuss beträgt das 3-fache der von der verstorbenen Person zuletzt bezogenen Monatsrente und wird auf die Rentenansprüche der Witwe/des Witwers für die ersten 3 Monate angerechnet. Ungeachtet dessen ist es erforderlich, beim Rentenversicherungsträger den Formantrag auf Witwen-/Witwerrente nachzureichen, damit dieser die Rente insgesamt berechnen kann.

Ein Antrag auf Vorschusszahlung für das Sterbevierteljahr beim Renten Service der Deutschen Post AG kann nur innerhalb von 30 Tagen nach dem Tod des Versicherten gestellt werden. Wird der Antrag nicht oder nicht rechtzeitig gestellt, wäre die Witwen-/Witwerrente beim Rentenversicherungsträger zu beantragen, der dann auch die erhöhte Rente für das Sterbevierteljahr zahlt.

1.2 Rückerstattung von Beiträgen zur Kranken-/Pflegeversicherung

Waren verstorbene Versicherte Rentenbezieher und versicherungspflichtig in der Kranken- und Pflegeversicherung der Rentner, besteht diese Versicherungspflicht nur bis zum Todestag. Die Beiträge zur Kranken-/Pflegeversicherung für die Zeit nach dem Tod bis zum Monatsende werden zurückgerechnet und erstattet. Im Allgemeinen erfolgt dies mit der Einstellung der Rentenzahlung durch den Renten Service der Deutschen Post AG, ggf. zusammen in einer Summe mit der Vorschusszahlung für das Sterbevierteljahr an Witwen/Witwer oder überlebende Lebenspartner.

1.3 Rentenfaktor für geschiedene Ehegatten

Für Witwen-/Witwerrenten an vor dem 1.7.1977 geschiedene Ehegatten, gibt es keinen erhöhten Rentenartfaktor und somit keine höhere Rente in...

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