Sauer, SGB II § 16 Leistung... / 2.1.2.4.2 Potenzialanalyse
 

Rz. 37

Durch eine Potenzialanalyse (Profiling) sollen frühzeitig Beschäftigungschancen und Beschäftigungsrisiken festgestellt werden. Seit dem 1.8.2016 ist die Potenzialanalyse bei den Vorschriften zur Eingliederungsvereinbarung als § 15 Abs. 1 eingefügt worden. Damit wird die Einheit der Analyse und der Eingliederungsvereinbarung im Integrationsprozess deutlicher herausgehoben. Es sind die für die Vermittlung erforderlichen Merkmale des erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, um seine beruflichen Fähigkeiten und seine Eignung festzustellen (zielorientierte Stärken- und Schwächenanalyse). Ein Profiling legt berufliche Eingliederungshindernisse und die Ursachen dafür offen. Vorteil des Profilings ist die systematische und strukturierte Datenaufnahme und Analyse sowie die Dokumentation in den für den Arbeitsuchenden geführten Unterlagen. Gegenstand von Profilings sind regelmäßig die Qualifikation des Arbeitsuchenden (marktbezogene Ausbildung, fachliche Kenntnisse, Art und Dauer bisheriger Berufserfahrung, Sprachkenntnisse u. a.), seine Mobilität und Flexibilität (Verkehrsanbindung, Kfz/Führerschein), überregionale Mobilität, Berufswünsche und berufliche Alternativen, Arbeitsbedingungen (Gehaltsvorstellungen, Arbeitszeiten usw.), das physische und psychische Leistungsvermögen sowie die Motivation und das Verhalten des Leistungsberechtigten (Eigenbemühungen, Bildungsbereitschaft, Erscheinungsbild). Bei der Grundsicherung für Arbeitsuchende muss das Profiling stets auch die Bedarfsgemeinschaft insgesamt im Blick haben, für Beratungsgespräche mit allen Mitgliedern der Bedarfsgemeinschaft ist deren Einwilligung erforderlich.

 

Rz. 37a

Werden die Integrationsbemühungen voraussichtlich auf eine Ausbildung ausgerichtet, sind schulische Kenntnisse und erreichte Schulabschlüsse einzubeziehen. Profilings sind stets in Beziehung zum jeweiligen Arbeits- bzw. Ausbildungsmarkt zu setzen. Die einzelnen Kriterien werden schematisch günstig, ungünstig oder neutral (ohne besonderen Einfluss auf den Integrationserfolg) bewertet. Aus den Ergebnissen des Profilings werden individuelle Vermittlungs- oder Integrationsstrategien und die erforderlichen Maßnahmen entwickelt. Sie gehen in die Eingliederungsvereinbarung ein (vgl. Komm. zu § 15). Sie werden häufig auch mit einer Orientierungs- und Entscheidungsberatung zu verknüpfen sein.

 

Rz. 37b

Im Verantwortungsbereich der Bundesagentur für Arbeit und damit jedenfalls in den Jobcentern der gemeinsamen Einrichtungen nach § 44b setzt sich das Profiling aus der Stärkenanalyse mit dem beruflichen Werdegang, erworbenen Qualifikationen, Kenntnissen und Fertigkeiten sowie vorhandener persönlicher Stärken und der Potenzialanalyse mit dem persönlichen Profil und dem Umwelt-Profil des erwerbsfähigen Leistungsberechtigten zusammen. Persönliche Stärken werden nach Methodenkompetenz, Aktivitäts- und Umsetzungskompetenz, sozial-kommunikativer Kompetenz und personaler Kompetenz überwiegend aus der Selbstdarstellung des Leistungsberechtigten erhoben. Die Potenzialanalyse berücksichtigt die Qualifikation, die Leistungsfähigkeit und die Motivation des erwerbsfähigen Leistungsberechtigten und bezieht die Rahmenbedingungen und die Bedingungen des Ausbildungs- und Arbeitsmarktes ein. Die Beratung der Jugendlichen und der Geschäftsprozess der Integrationsarbeit sind systematisch aufeinander bezogen. Das 4-Phasen-Modell beschreibt das "Was?" der Integrationsarbeit, die Beratungskonzeption SGB II das "Wie?".

 

Rz. 37c

Zur Methodenkompetenz gehören die

  • Analyse- und Problemlösefähigkeit,
  • Auffassungsfähigkeit,
  • Entscheidungsfähigkeit,
  • Fähigkeit zum ganzheitliches Denken und die
  • Organisationsfähigkeit.

Als Informationsquellen werden insbesondere Schul- und Arbeitszeugnisse, Zertifikate, der Lebenslauf, Trägerberichte, Bewerbungsunterlagen, ggf. Arbeitgeberreaktionen und Erkenntnisse des Psychologischen Dienstes herangezogen.

 

Rz. 37d

Zur Aktivitäts- und Umsetzungskompetenz gehören die

  • Belastbarkeit,
  • Eigeninitiative,
  • Motivation/Leistungsbereitschaft,
  • Fähigkeit zum selbstständigen Arbeiten sowie die
  • Zielstrebigkeit.

Als Informationsquellen werden zusätzlich Beurteilungen, Selbsteinschätzungen, Eigenbemühungsnachweise und Verhaltensbeobachtungen herangezogen.

 

Rz. 37e

Zur sozial-kommunikativen Kompetenz gehören die

  • Führungsfähigkeit,
  • Kommunikationsfähigkeit,
  • Kundenorientierung,
  • Teamfähigkeit sowie
  • das Einfühlungsvermögen.

Spezielle zusätzliche Informationsquellen sind i. d. R. nicht vorhanden. Indikatoren für die Beurteilung können insbesondere das angemessene Gesprächs- und Argumentationsverhalten, persönliche Erfahrungen, Servicementalität, Teamarbeit, sportliches Engagement usw. sein.

 

Rz. 37f

Zur personalen Kompetenz gehören die

  • Flexibilität,
  • Kreativität,
  • Lernbereitschaft,
  • Sorgfalt, Genauigkeit und die
  • Zuverlässigkeit.

Indikatoren für die Beurteilung können z. B. berufliche (fachliche, ggf. auch räumliche) Wechsel, ungewöhnliche Bewerbungsunterlagen, Querdenken, Weiterbildungsbereitschaft und -wille, die Vollständigkeit von Unter...

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