Prof. Dr. Juliana Mörsdorf
Rn 29
Von vornherein verdrängt wird das IPR, soweit Einheitsprivatrecht anwendbar ist (s.o. Rn 7).
Rn 30
Ebenso unabhängig von den Regeln des IPR kommen Eingriffsnormen (lois d'application immédiate) zur Anwendung (dazu s Art 9 ROM I; Art 16 ROM II). Dabei handelt es sich um Sachnormen mit ›unbedingtem Anwendungswillen‹, die einen öffentlichrechtlichen Einschlag haben, als ›international zwingend‹ bezeichnet werden und damit durchsetzungskräftiger sind als einfach (intern) zwingende Normen idS, dass sie sich nicht nur ggü privatautonomen Regelungen der Parteien in Verträgen, sondern auch ggü Regelungen des Gesetzgebers in den Normen des IPR durchsetzen. Diese Eigenschaft kommt nur wenigen Normen von äußerster sozial- und wirtschaftspolitischer Bedeutung zu (vgl auch die Legaldef in Art 9 I ROM I), wobei unionsrechtlicher Ursprung ggf ein Argument zur Qualifizierung zwingender Vorschriften als Eingriffsnorm liefern kann, zumal bei starkem Gemeinschaftsbezug des Falles (Rn 17 aE; EuGH NJW 01, 2007 – Ingmar; obiter BGH NJW 06, 762 [BGH 13.12.2005 - XI ZR 82/05], dazu Mankowski RIW 06, 321; München IPRax 07, 322 [OLG München 17.05.2006 - 7 U 1781/06]; Hoffmann/Primaczenko IPRax 07, 173; abgrenzend Dathe NJOZ 10, 2196). Eingriffsnormen sind Regelungen des Wirtschaftsrechts, die nach ihrem Geltungswillen – vornehmlich als Veräußerungsverbote und Verfügungsbeschränkungen – in den Bereich des Vertragsstatuts hineinwirken (BGH NJW 98, 2452, 2453 [BGH 23.04.1998 - III ZR 194/96]). Erforderlich ist, dass die Vorschrift nicht nur auf den Schutz von Individualinteressen der Vertragspartei gerichtet ist, sondern mit ihr zumindest auch, nicht nur als mittelbarer Nebeneffekt öffentliche Gemeinwohlinteressen verfolgt werden (BAG NZA 08, 761 [BAG 19.03.2008 - 5 AZR 435/07], 767/768). Das i...