Detlef Burhoff
, Annika Hirsch
Rdn 3467
Literaturhinweise:
Lederer, Pflichtverteidigung bei Ausländern, StV 2023, 629
Staudinger, Dolmetscherzuziehung und/oder Verteidigerbeiordnung bei ausländischen Beschuldigten, StV 2002, 327
Strate, Pflichtverteidigung bei Ausländern, StV 1981, 46
s.a. die Hinw. bei → Pflichtverteidiger, Allgemeines, Teil P Rdn 3420.
Rdn 3468
1.a) Ist der Beschuldigte der deutschen Sprache nicht hinreichend mächtig, muss die Beiordnung eines Pflichtverteidigers geprüft werden, denn wer der HV aufgrund von Sprachschwierigkeiten nicht in dem für eine sachgerechte Verteidigung erforderlichen Umfang folgen kann, ist i.S.d. § 140 Abs. 2 "unfähig, sich selbst zu verteidigen" (u.a. BayObLG StV 1990, 103; OLG Karlsruhe StraFo 2002, 193; OLG Nürnberg NStZ-RR 2014, 83 m. Anm. Hillenbrand StRR 2014, 344; Meyer-Goßner/Schmitt, § 140 Rn 30b; SK-StPO/Wohlers, § 140 Rn 51 m.w.N. aus der Rspr.; LR-Jahn, § 140 Rn 106; Schmidt, Verteidigung von Ausländern, Rn 247 ff.).
Rdn 3469
b) Allerdings ergibt sich aus der Ausländereigenschaft des Beschuldigten alleine die Notwendigkeit der Verteidigung noch nicht, und auch nicht jede Sprachschwierigkeit führt automatisch zu einer Beiordnung (BGH, Beschl. v. 5.4.2022 – 3 StR 16/22, NJW 2022, 2126 m. Anm. Hillenbrand StRR 6/2022, 12; s.a. LG Detmold, Beschl. v. 28.6.2016 – 21 Qs 49/16; LG Kaiserslautern, Beschl. v. 27.11.2020 – 5 Qs 84/20). Die in der (zumeist älteren) Rspr. und Lit. teilweise vertretene Ansicht, dass bei Sprachschwierigkeiten immer oder zumindest i.d.R. ein Pflichtverteidiger zu bestellen sei (u.a. OLG Celle NStZ 1987, 521; OLG Karlsruhe NStZ 1987, 522; OLG Zweibrücken StV 1988, 379; LG Freiburg StV 1991, 296 [Ls.]; LG Köln StV 1990, 59; wohl auch Meyer-Goßner/Schmitt, § 140 Rn 30b [regelmäßig, aber nicht ausnahmslos]; KK/Willnow, § 140 Rn 30, jewe...