Gründerstory: Gründungsexpertin in eigener Sache

Trendbericht 17.08.2022 New Work & Leadership

Steuerberaterin Bärbel Metzger ist Gründungsexpertin gründet quasi im Dauermodus: zuerst eine Kanzlei, dann eine Coaching-GbR und erst vor wenigen Wochen eine neue Steuerberatungsgesellschaft. Dabei geht nichts verloren, alles wächst aus dem Vorangegangnen, und das Zentrum ist stets die Persönlichkeit der Beraterin selbst.

Gründungsporträt: Gründungsexpertin in eigener Sache

Die sechs bisherigen Leben einer Beraterin

Die Finanzbeamtin, fast

Nach dem Abi, große Freiheit, Aufbruch oder Welterkundung! Egal was, es erfolgt meist auf Papas und Mamas Kosten. Eine junge Frau will das nicht, sondern sofort finanziell unabhängig sein, aber dabei nicht auf eine akademische Ausbildung verzichten. Was heute mit einer Fülle an dualen Studiengängen kein Problem ist, sah vor zwei Jahrzehnten noch ganz anders aus. Denn damals bot beinahe ausschließlich die Verwaltung die Kombination von Praxis und Studium unterfüttert von einem Einkommen. Und so landet man ganz schnell bei der Steuerberatung.

So jedenfalls ging es Bärbel Metzger aus dem rheinland-pfälzischen Kirchheimbolanden: Die Berufswahl war zügig getroffen, das Finanzamt wurde es, mit Studium an der Finanzfachhochschule des Landes. Nach drei Jahren Ausbildung ist das aber schon wieder Geschichte, denn nun bietet ihr die Finanzverwaltung keine zweite Chance, als sie durch die Laufbahnprüfung rasselt.

Sie muss ihre Berufswahl überdenken. Sie grübelt, waren Steuern vielleicht doch nicht das Richtige? Doch, so ihr Schluss, das Fach und der Inhalt passten, deshalb suchte und fand sie den Weg in eine Kanzlei, die ihr als Trainee einen einjährigen Einstieg als Vorbereitung auf die Steuerberaterprüfung ermöglichte.


Die Steuerberaterin, mit 26 Jahren

Jetzt läuft es wie am Schnürchen: Bärbel Metzger besteht die Beraterprüfung auf Anhieb, mit nur 26 Jahren, und außerdem bloß wenige Monate nach der Geburt ihrer Tochter. Das verschafft ihr erst einmal Luft und das gute Gefühl, das Richtige getan zu haben. Die frisch examinierte Steuerberaterin und junge Mutter arbeitet zunächst noch eine Zeit lang als angestellte Beraterin in einer mittelgroßen Kanzlei in Mannheim, pendelt an drei Tagen in der Woche die rund 45 Kilometer von ihrem beschaulichen Wohnort, während sie die Donners- und Freitage nutzt, um nebenberuflich in die Selbstständigkeit zu starten.

„Damals tat ich das schon mit dem Gedanken, dass mein Job wohl mittelfristig mit der Familie im Angestelltenverhältnis in Vollzeit nicht sonderlich gut zu vereinbaren ist", sagt Metzger heute. Die notwendige Flexibilität, 40 Stunden so auf die Woche zu verteilen, dass auch die Kinderbetreuung gut hinein passt, sieht sie eher in der Selbstständigkeit.

Doch zunächst wächst die Menge der Aufgaben in der Kanzlei, auch ist das Gründen nebenbei nicht bloß ein Hobby. Das Zeitbudget hält damit nicht Schritt, auch dann nicht, als Metzger in der Kanzlei kündigt und nur noch zwei Tage im Angestelltenverhältnis als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Fachhochschule in Worms arbeitet. Nun wagt sie es, verlängert ihren Vertrag am Ende der zwei Jahre nicht und setzt 2015 voll auf die Selbstständigkeit.


Die Kanzleichefin, in Vollzeit

„Retrospektiv würde ich mich vermutlich sofort komplett selbstständig machen“, sagt sie heute, obwohl es gut gewesen sei, wie es war, denn sie habe die finanzielle Sicherheit der Anstellung damals gebraucht. Allerdings würde sie sich beim unterstellten Kaltstart einen Coach dazu holen. Warum? „Man muss zwar den einen oder anderen Fehler machen, aber es gibt auch welche, die braucht man nicht", sagt sie lakonisch.

So habe sie aus heutiger Sicht zu früh Fachpersonal eingestellt, anstatt ganz unmittelbar eine persönliche Assistenz zu beschäftigen, die ihr den Verwaltungskram abnimmt. Außerdem sei manche Investition im Nachhinein vielleicht unnötig gewesen, - „man denkt erst, man braucht alles" - mit der Zeit entscheide man kostenbewusster. Und immer mehr danach, wie es einem selbst entspräche. „Es ist meine Überzeugung, dass es in Zukunft immer wichtiger werden wird, sich ein Unternehmen aufzubauen, das zu einem passt", sagt sie.


Die Coachin, intrinsisch motiviert

Diesen Standpunkt möchte sie weitergeben. So bildet sich die spirituell interessierte Beraterin nicht nur im Steuerfach fort, sondern beschäftigt sich intensiv mit Human Design-Ansätzen und macht eine dazu passende Coaching-Ausbildung. Im Wesentlichen geht es beim Human Design darum, für die individuelle Persönlichkeit des Menschen ein passendes Setting zu suchen.

„Ziel ist es, eine Lebens- und Arbeitsform zu finden, die dem eigenen Energietyp entspricht", erklärt Metzger. Mittels einer separaten Firma bietet sie seit 2020 Financial Business Coaching an, die Human Design-Theorie fließt in die Beratung ein. Als zertifizierte Holistic Human Design-Coachin sehe sie bestimmte Konzepte aber nicht als Dogmen, sondern als Tabula der Möglichkeiten, betont sie.

Bärbel Metzger mit Hund Josef


Ihre Mandantschaft, die überwiegend online mit der Beraterin zusammentrifft, weiß es zu schätzen, nicht ausschließlich auf Heller und Zahl reduziert zu werden. „Viele meiner Mandantinnen und Mandanten sind Online-Coaches oder stammen allgemein aus dem Bereich Online-Business. Vor Ort habe ich fast niemanden mehr", sagt Metzger. So unterhalte sie zwar noch ein Büro mit drei Mitarbeiterinnen und einem Bürohund, doch ihre Arbeitsweise sei eine sehr flexible: am Schreibtisch, zu Hause, im Garten, das halte sich die Waage.


Die Partnerin, aus Überzeugung

Die Gründung ihrer Coaching- und Beratungsgesellschaft „Dein gesundes Unternehmen GbR" erfolgte 2020 zusammen mit einer Steuerberaterkollegin, Susanne Just aus Schleswig-Holstein. „Susanne war an einem Punkt, an dem sie ihr komplettes Leben umgedreht hat, bei mir hat sich auch vieles entwickelt. Das hat dann gepasst", sagt Metzger rückblickend.

Gemeinsam helfen die beiden Frauen heute anderen Unternehmerinnen und Unternehmern dabei, ihre Berufstätigkeit mehr auf die Persönlichkeit abzustimmen. Dabei leben die beiden ihre Kooperation „um sich gegenseitig zu empowern", wie Metzger sagt. Das empfehle sie übrigens ganz uneingeschränkt auch jedem anderen: „Mit dem richtigen Partner gehen die Dinge viel einfacher, besser und schneller".


Steuerberatung, die zweite

Es wäre unlogisch und ein Bruch in der Entwicklungslinie würde es aus dieser Überzeugung nicht wieder eine Rückkopplung auf die Ursprungstätigkeit, die Steuerberatung, geben. Tatsächlich haben die beiden Steuerberaterinnen vor wenigen Wochen die „Dein gesundes Unternehmen Steuerberatungs-UG" gegründet, welche schnell zur GmbH werden soll.

Denn die Gecoachten hätten selbstverständlich steuerliche Herausforderungen, und die wollten gelöst werden. Die Aufteilung der persönlichen Ressourcen, der Arbeitszeit, müsse dabei für sie selbst stimmig sein, sagt Metzger, das sei oberste Maxime. „Es ist essentiell, dass ich Freiräume habe, die nicht verplant sind, damit ich mir spontan die für diesen Moment passende Aufgabe picken kann", erklärt sie. Größtmögliche Flexibilität nennt sie das und weiß, dass es wichtig ist, „den Staub von unserem Berufsstand zu kriegen, damit die Öffentlichkeit endlich nicht mehr denkt, wir seien die mit den Ärmelschonern."

Schlagworte zum Thema:  Steuerberater, Kanzleigründung
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