Gutscheine

Zusammenfassung

 

Begriff

Ein Gutschein ist ein Dokument, das einen Anspruch auf eine Leistung repräsentiert bzw. dokumentiert. In der Praxis sind Warengutscheine ein beliebtes Mittel, um die Freigrenze von 44 EUR für die steuerfreie Zuwendung von Sachgeschenken auszuschöpfen.

Von entscheidender Bedeutung ist, ob es sich bei dem Gutschein um eine echte Sachzuwendung oder um Barlohn handelt. Während Barlohn immer lohnsteuer- und sozialversicherungspflichtig ist, können Sachzuwendungen unter bestimmten Voraussetzungen steuer- und beitragsfrei bleiben. Außerdem besteht die Möglichkeit, Sachzuwendungen pauschal mit 30 % zu versteuern.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Lohnsteuer: Für Gutscheine, die eine Sachzuwendung darstellen, ist § 8 Abs. 2 EStG anzuwenden, wo auch die Sachbezugsfreigrenze von 44 EUR geregelt ist. Gutscheine können auch nach den für Aufmerksamkeiten geltenden Kriterien in R 19.6 Abs. 1 LStR steuerfrei sein. Handelt es sich um einen Sachbezug, kann die Steuer für steuerpflichtige Geschenkgutscheine nach § 37b EStG pauschaliert werden.

Sozialversicherung: Die steuerrechtliche Bewertung gilt gleichfalls zur Sozialversicherung, da Einnahmen nicht als Arbeitsentgelt gelten, die lohnsteuerfrei zusätzlich zu Löhnen oder Gehältern gewährt werden (§ 14 SGB IV, § 1 Abs. 1 SvEV).

 

Kurzübersicht

 
Entgelt LSt SV
Aufmerksamkeiten bis 60 EUR frei frei
Gutscheine als Sachbezug bis 44 EUR monatlich frei frei
Gutscheine zur Einlösung beim Arbeitgeber bis 1.080 EUR jährlich frei frei
 

Lohnsteuer

1 Warengutschein aus persönlichem Anlass

In der betrieblichen Praxis wird für Geschenke, die der Arbeitnehmer aus besonderem persönlichem Anlass (Geburtstage, Ehrungen) von seinem Arbeitgeber erhält, häufig die Form von Waren- bzw. Einkaufsgutscheinen gewählt. Solche Warengutscheine bleiben als bloße Aufmerksamkeit steuerfrei, wenn der Wert den Betrag von 60 EUR nicht übersteigt. Entscheidend ist, dass der Gutschein als Sachlohn und nicht als Barzuwendung zu behandeln ist.

Wird der Betrag von 60 EUR überschritten, ist der gesamte Betrag steuer- und damit beitragspflichtig.

Geldzuwendungen gehören – unabhängig von der Höhe – stets zum steuerpflichtigen Arbeitslohn.

2 Warengutschein zur Einlösung beim Arbeitgeber

Warengutscheine, die beim Arbeitgeber einzulösen sind, stellen ohne weitere formale Anforderungen immer Sachbezug dar. Diese arbeitgeberbezogenen Gutscheine sind deshalb als Belegschaftsrabatt bis zu einem Jahresbetrag von 1.080 EUR steuerfrei.

3 Warengutschein zur Einlösung bei einem Dritten

Für Warengutscheine, die der Arbeitnehmer bei einem Dritten einzulösen hat, kann die 44-EUR-Sachbezugsfreigrenze angewendet werden. Übersteigt der Wert der Sachzuwendung den Betrag von 44 EUR um nur 1 Cent, ist der komplette Betrag steuerpflichtig. Die Grenze gilt als kumulative Grenze. Das bedeutet, dass alle Sachzuwendungen innerhalb eines Kalendermonats zusammenzurechnen sind.

 

Praxis-Beispiel

Mehrere Sachbezüge sind zusammenzurechnen

Ein Arbeitgeber überreicht seinem Arbeitnehmer im Mai 2 Gutscheine im Wert von jeweils 30 EUR.

Ergebnis: Die Werte sind zu addieren. Danach ergibt sich eine Summe von 60 EUR. Die 44-EUR-Grenze ist überschritten und beide Gutscheine werden steuer- und sozialversicherungspflichtig.

4 Voraussetzungen der Steuerfreiheit

4.1 Arbeitsrechtlicher Anspruch entscheidend

Die Frage, ob der Arbeitnehmer Arbeitslohn in Form einer Sachleistung erhält, bestimmt sich ausschließlich danach, was der Arbeitnehmer arbeitsrechtlich beanspruchen kann. Erfolgt der Zufluss aufgrund der arbeitsvertraglichen Vereinbarung ausschließlich in Form einer Sache, liegt ein Sachbezug vor.

Unerheblich ist es, ob der Arbeitnehmer die Sache unmittelbar vom Arbeitgeber erhält oder ob er diese von einem Dritten auf Kosten des Arbeitgebers bezieht.

Warengutschein aus persönlichem Anlass bis 60 EUR

Für die Behandlung von Gutscheinen als Sachlohn, der im Rahmen der 60-EUR-Grenze als Aufmerksamkeit steuerfrei bleibt, kommt es nicht darauf an, ob er über einen Höchstbetrag in EUR lautet bzw. die Ware darauf genau bezeichnet ist, wenn der arbeitsrechtliche Anspruch nicht auf eine Geldleistung gerichtet ist.

Warengutschein zur Einlösung bei Dritten bis 44 EUR

Vom Arbeitgeber ausgegebene Gutscheine, die den Arbeitnehmer gegenüber einem Dritten zum Bezug einer nach Art und Menge bezeichneten Ware oder Dienstleistung berechtigen, bleiben als Sachbezug im Rahmen der 44-EUR-Grenze steuerfrei, wenn der Gutschein

  • zum Bezug einer vom Arbeitnehmer auszuwählenden Sache berechtigt,
  • betragsmäßige EUR-Angaben (als Höchstbetrag) enthält oder
  • bei einem beliebigen Geschäft eingelöst werden kann und anschließend der Arbeitgeber die verauslagten Kosten dem Arbeitnehmer als Vertragspartner des Dritten (Warenhaus etc.) ersetzt.

Aufgrund der weitergehenden Auslegung des Sachlohnbegriffs kann der kleine Rabattfreibetrag auch angewendet werden auf

  • zweckgebundene Geldleistungen,
  • nachträgliche Kostenerstattungen und
  • Warengutscheine mit Betragsangaben des Arbeitgebers.

Gutschein mit Betragsangabe

Der kleine Rabattfreibetrag kann z. B. auf einen bei einer beliebigen T...

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