Betriebskriminalität — Wege der Prävention und Reaktion

Einführung

Begehen Arbeitnehmer Straftaten in Betrieben, so verursachen diese oftmals erhebliche Schäden für den Arbeitgeber. Die Unternehmen haben daher ein hohes Interesse an der Vorbeugung und Ahndung von Betriebskriminalität. Dazu stehen den Unternehmen verschiedene Wege offen, sie haben aber sowohl bei der Prävention von Straftaten einschließlich der präventiven Überwachung der Mitarbeiter als auch bei der Ermittlung von Straftaten nach Anfangsverdacht deren Persönlichkeitsrechte und konkret zahlreiche datenschutzrechtliche sowie mitbestimmungsrechtliche Anforderungen zu wahren. Umso wichtiger ist für die Unternehmen, diese Schranken zu kennen und sich ihrerseits mit rechtstreuem Vorgehen vor Kriminalität zu schützen.

1 Statistische Daten zur Kriminalität in deutschen Unternehmen

Wirtschaftsprüfungsunternehmen führen regelmäßige Studien zum Aufkommen von Wirtschaftkriminalität in deutschen Unternehmen durch. Eine Studie der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft aus dem Jahr 2012 zeigt, dass die Wirtschaftskriminalität sowohl in Mittelstandsunternehmen als auch in den 100 größten deutschen Unternehmen in hohem Maße verbreitet ist. Dabei sind sowohl in den befragten mittelständischen Unternehmen als auch in den Großunternehmen 48 % der Täter von allen aufgedeckten Straftaten Mitarbeiter des jeweiligen Unternehmens. Dabei erhöht sich laut einer Studie der KPMG AG aus dem Jahr 2014 mit steigender Anzahl der Mitarbeiter und Unternehmensgröße neben der tatsächlichen Betroffenheit von wirtschaftskriminellen Handlungen auch das Risikobewusstsein dafür.

1.1 Art, Umfang und Schadensausmaß der Unrechtstatbestände

Die mit Abstand häufigsten Delikte, die in Unternehmen begangen werden, sind Diebstahl und Unterschlagung. Bei den aufgedeckten Fällen in mittelständischen Unternehmen beträgt der Anteil an Diebstahl- und Unterschlagungsdelikten nach der KPMG-Studie 2012 44 %. Bei den Großunternehmen beträgt der Anteil 32 %. Daneben sind vor allem Betrug und Untreue, Geldwäsche, Verletzung der Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse, Produkt- und Markenpiraterie, Korruption, Datendiebstahl und Datenmissbrauch sowie schließlich Kartellrechtsverstöße und Manipulation von jahresabschlussrelevanten Informationen die weiteren relevanten Delikte.

Wie viele Straftaten Mitarbeiter zulasten der Arbeitgeber insgesamt begehen, kann aufgrund der Dunkelziffer an nicht aufgedeckten Fällen nicht verlässlich gesagt werden. Nach der KPMG-Studie 2012 könnte es sich bei den aufgedeckten Fällen nur um 20 % der tatsächlichen Fälle von Wirtschaftskriminalität handeln. Der durchschnittliche Schaden, der deutschen Unternehmen aufgrund der internen Kriminalität entsteht, beträgt 317.400 EUR im Jahr; zu dem Schadensausmaß tragen vor allem die Delikte Betrug und Untreue bei.

1.2 Aufklärung und Sanktionen von Unrechtstatbeständen

Nach den KPMG-Studien werden in allen Unternehmen die Taten überwiegend durch Hinweise von Unternehmensinternen oder sogar durch Zufall aufgedeckt. Ebenso setzen sowohl die mittelständischen Unternehmen als auch die Großunternehmen anschließend auf Mitarbeiterinterviews als primäre Aufklärungsmaßnahme, gefolgt von der Auswertung der physischen Unternehmensakten. Aber auch technische Hilfsmittel wie die Videoüberwachung, der Zugriff auf E-Mail-Konten bzw. die Auswertung der E-Mails der Mitarbeiter oder elektronische Datenanalysen werden zunehmend als Aufklärungsmethode genutzt. Gerade bei großen Unternehmen zeigt sich gegenüber 2012 ein deutlicher Anstieg der Nutzung elektronischer Daten- und E-Mail-Analysen.

Die Konsequenzen, die die Unternehmen gegenüber den Tätern ziehen, bestehen überwiegend in arbeitsrechtlichen Maßnahmen. So haben alle Unternehmen in 73% der aufgedeckten Fälle arbeitsrechtliche Maßnahmen ergriffen. Aber auch straf- oder zivilrechtliche Konsequenzen nehmen stetig zu.

1.3 Fazit

Die Ergebnisse der KPMG-Studien zeigen deutlich, dass sich jeder Arbeitgeber auf Straftaten durch eigene Mitarbeiter einrichten muss und es sinnvoll ist, auch präventive Kontrollen einzusetzen. Die KPMG-Studie zeigt, dass 85 % der Unternehmen ihren Schutz vor wirtschaftskriminellen Handlungen bereits als gut bzw. sehr gut einschätzen, obwohl jedes dritte Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren von Wirtschaftskriminalität betroffen war und keine angemessenes Schutzniveau besteht. Zwar können sich nicht alle Straftaten verhindern lassen, aber die Hürden und auch die Abschreckung für die tatgeneigten Mitarbeiter können durch präventive und reaktive Kontrollen erhöht werden.

2 Wege der Prävention und Überwachung des betrieblichen Geschehens

2.1 Prävention

Den Unternehmen stehen verschiedene Wege offen, Betriebskriminalität vorzubeugen. Soll dies nicht durch Schulung der Mitarbeiter, sondern auch durch eine aktive Überwachung des Betriebes geschehen, ist damit nicht nur die Kontrolle des Betriebsgeländes oder der Räume verbunden, sondern auch die der sich dort jeweils aufhaltenden Personen, und zwar der Arbeitnehmer und auch ggf. dritter Personen (Besucher). Die Überwachung bedeutet daher regelmäßig einen Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht der Arbeitnehmer oder Dritter, die Kontroll- und/oder Überwachungsmaßnahmen ausgesetzt sind. Daher bedarf es bei jeder Kontroll- bzw. Überwachungsmaßnahme einer recht...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Personal Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Personal Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Artikel.


Meistgelesene beiträge