Umlageverfahren: Besondere Regelungen und Unterschiede beim U1- und U2-Verfahren

Zusammenfassung

 
Überblick

Am Umlageverfahren bei Krankheit (U1) nehmen nur Arbeitgeber teil, die regelmäßig nicht mehr als 30 Arbeitnehmer beschäftigen. Nachfolgend wird beschrieben, wie die korrekte Ermittlung der Arbeitnehmeranzahl erfolgt, wenn der Arbeitgeber mehrere Betriebe besitzt und diese ggf. in den Rechtskreisen West und Ost oder im Ausland liegen.

Ebenfalls wissenswert: Wann wird die Teilnahme am Umlageverfahren festgestellt? Wann beginnt die Teilnahme und wann scheidet der Arbeitgeber aus dem Ausgleichsverfahren aus? In welcher Weise unterscheiden sich U1- und U2-Verfahren?

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Sozialversicherung: Das Feststellungsverfahren, ob ein Betrieb am Umlageverfahren zur Erstattung der Arbeitgeberaufwendungen im Krankheitsfall (U1-Verfahren) teilnimmt, ist in § 3 Abs. 1 AAG geregelt. Die Teilnahme am U2-Verfahren (Erstattung der Arbeitgeberaufwendungen bei Mutterschaft) bestimmt § 1 Abs. 2 AAG.

Der Erstattungsanspruch des Arbeitgebers auf Ersatz der Aufwendungen im Krankheitsfall ist in § 1 Abs. 1 AAG und der Aufwendungen bei Mutterschaft in § 1 Abs. 2 AAG vorgeschrieben.

Die Umlagekassen sind bei den Krankenkassen eingerichtet (§ 8 Abs. 1 AAG). Diese können aber nach § 8 Abs. 2 AAG die Funktion an eine andere Stelle übertragen.

Sozialversicherung

1 Unterschied des U1-Verfahrens zum U2-Verfahren

Das U1-Verfahren[1] unterscheidet sich vom U2-Verfahren[2] im Wesentlichen dadurch, dass am U1-Verfahren nur Arbeitgeber teilnehmen, die regelmäßig nicht mehr als 30 Arbeitnehmer beschäftigen. Dieser Grenzwert wird jedoch nicht nach Köpfen gezählt. Eine Reihe von Beschäftigten wird bei der Ermittlung des Grenzwertes nicht berücksichtigt. Teilzeitbeschäftigte werden nur mit einem bestimmten Faktor gezählt.

 
Achtung

Folgen der abgestuften Berücksichtigung

Die Nichtberücksichtigung bestimmter Arbeitnehmergruppen bzw. die nur abgestufte Berücksichtigung von Teilzeitbeschäftigten kann dazu führen, dass auch Betriebe mit einer nominell hohen Belegschaft am U1-Verfahren beteiligt sind.[3]

2 Mehrere Betriebe

Haupt-, Neben- bzw. Zweigbetriebe zählen zusammen als ein Betrieb. Hat ein Arbeitgeber mehrere Betriebe, so werden die Arbeitnehmer in den einzelnen Betrieben zusammengerechnet. Dabei ist es unerheblich, ob die Beschäftigten der einzelnen Betriebe bei einer oder bei verschiedenen Krankenkassen versichert sind.

Addiert werden mehrere Betriebe des gleichen Arbeitgebers und die Angestellten im Haushalt, wenn die Betriebe als Einzelunternehmen geführt werden.

Bei juristischen Personen ist – unabhängig davon, ob sie ggf. einem Konzern angehören – eine eigenständige Beurteilung erforderlich.

3 Keine Rechtskreistrennung bei Teilnahme-Ermittlung

Die Bestimmungen des Aufwendungsausgleichsgesetzes (AAG) über die Entgeltfortzahlungsversicherung sind in ganz Deutschland einheitlich anzuwenden. Eine Trennung in Rechtskreise findet nicht statt. Deshalb ist bei Arbeitgebern, die mehrere Betriebe sowohl im übrigen Bundesgebiet als auch im Beitrittsgebiet haben, die Frage, ob dieser Arbeitgeber am Ausgleich teilnimmt, einheitlich zu beurteilen. Folglich ist die Zahl der in den verschiedenen Betrieben beschäftigten Arbeitnehmer zusammenzurechnen, unabhängig davon, in welchem Rechtskreis die Betriebe liegen.

4 Unkenntnis der Umlagepflicht

Auch die Unkenntnis von den Regelungen zur Umlagepflicht befreit nicht von eventuellen Nachzahlungen der Umlage, wenn die Umlagepflicht erst im Rahmen einer Betriebsprüfung festgestellt wird.

5 Dauer der Teilnahme am U1-Verfahren

Die Teilnahme am U1-Verfahren gilt jeweils für ein Kalenderjahr. Sie verlängert sich automatisch um ein weiteres Kalenderjahr, solange die Anzahl der Mitarbeiter des Betriebs im Feststellungskalenderjahr in der Regel 30 nicht überschreitet.

5.1 Ermittlung der Anzahl von Arbeitnehmern

Ein Arbeitgeber beschäftigt in der Regel nicht mehr als 30 Arbeitnehmer, wenn er in dem letzten Kalenderjahr, das demjenigen vorausgegangen ist, für das die Teilnahme am U1-Verfahren festgestellt werden muss, für einen Zeitraum von mindestens 8 Kalendermonaten nicht mehr als 30 Arbeitnehmer beschäftigt hat.

5.2 Betriebserrichtung im vorangegangenen Kalenderjahr

Hat ein Betrieb nicht während des gesamten vorausgegangenen Kalenderjahres bestanden, so nimmt der Arbeitgeber am Ausgleich der Arbeitgeberaufwendungen teil, wenn er während des Zeitraums des Bestehens des Betriebs in der überwiegenden Zahl der Kalendermonate nicht mehr als 30 Arbeitnehmer beschäftigt hat.

5.3 Betriebserrichtung im Laufe eines Kalenderjahres

Wird ein Betrieb im Laufe des Kalenderjahres errichtet, so nimmt der Arbeitgeber am Ausgleich der Arbeitgeberaufwendungen teil, wenn nach der Art des Betriebs anzunehmen ist, dass die Zahl der beschäftigten Arbeitnehmer während der überwiegenden Kalendermonate dieses Kalenderjahres 30 nicht überschreiten wird. Das gilt auch dann, wenn ein Betrieb im Anschluss an eine Insolvenz vom Insolvenzverwalter fortgeführt wird und die Beschäftigtenzahl des fortgeführten Betriebs nun den Grenzwert 30 nicht mehr übersteigt.

6 Erstattungsanspruch bei Beginn und Ausscheiden aus dem U1-Verfahren

Wird ein Arbeitgeber mit Beginn eines neuen Kalenderjahres in das Ausgleichsverfahren einbezogen und zählte er im vorausgegangenen Kalenderjahr nicht zum Kreis der erstattungsberechtigten Arbeitgeber, dann be...

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