Psychische Belastung am Arb... / 4.4.3 Pausengestaltung

Auch die Pausengestaltung innerhalb eines Arbeitstags kann deutlich zum Wohlbefinden beitragen: regelmäßige kurze Pausen können Ermüdung verhindern und die Produktivität steigern. Wenn umgekehrt keine oder unzureichende Pausen eingelegt werden, wirkt sich das negativ auf das körperliche, emotionale und mentale Wohlbefinden aus. Auf Dauer kann es zu ausgeprägten Erschöpfungszuständen und verminderter Leistungsfähigkeit kommen.

Abb. 11: Häufigkeit von Beschwerden mit und ohne Ausfall von Pausen (in %)[1]

 
Wichtig

Erholungsfähigkeit

Wenn regelmäßig mehr als 8 Stunden gearbeitet wird, leidet die Erholungsfähigkeit im Schlaf. Negative Effekte der Arbeitsbelastung können nicht mehr ausgeglichen werden, sondern sammeln sich an. Auf Dauer führt das zu einer starken Belastung der Gesundheit und auch das Unfallrisiko steigt deutlich.

Auch im Betrieb können sich negative Auswirkungen dauernder Erschöpfung zeigen:

  • Steigerung der krankheitsbedingten Fehlzeiten,
  • Steigerung des Risikos der Erwerbsunfähigkeit,
  • Erhöhung der Fluktuationsrate in der Belegschaft,
  • Minderung der Leistungsfähigkeit, besonders bei geistig anspruchsvollen Tätigkeiten, die Kreativität und Innovationsfähigkeit erfordern.

Im Stressreport 2012 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin wurden über 17.000 Personen u. a. dazu befragt, wie sie mit ihren Pausen umgehen. Mehr als ein Viertel der Befragten gab an, an Arbeitstagen mit mehr als 6 Stunden Arbeitszeit die Pausen häufig ausfallen zu lassen. Dabei werden als Begründungen genannt, dass man zu viel Arbeit habe, dass die Pausen nicht in den Arbeitsablauf passen oder dass man gar keine Pausen machen möchte.

Abb. 12: Wirkung von Überbeanspruchung und zu wenig Erholung in der Freizeit

Der Druck, auf Pausen bei der Arbeit zu verzichten ist groß. In einigen Berufsgruppen, die mit hohem Engagement arbeiten, z. B. Gesundheits- und Sozialberufe, ist der innere Leistungsdruck meist sehr hoch. Die Betroffenen leiden unter einem schlechten Gewissen, wenn sie ihren Schutzbefohlenen nicht gerecht werden. Aber auch der äußere Druck führt zum Vernachlässigen von Pausen. In einigen Betrieben herrscht ein derart starkes Leistungsstreben, dass Mitarbeitende, die Pausen einhalten, schnell als wenig leistungsfähig oder nicht ausreichend engagiert gelten. Gerade die Führungskräfte haben hier eine wichtige Vorbildwirkung: wenn sie ihre Pausen einhalten und sinnvoll gestalten, werden sich auch die Beschäftigten ihre Erholungspausen leichter erlauben.

In § 4 Arbeitszeitgesetz sind die Grundanforderungen für Pausenregelungen festgelegt:

  • Bei bis zu 6 Std. Arbeitszeit gibt es kein Recht auf eine Pause!
  • Bei 6 bis 9 Std. Arbeitszeit besteht ein Recht auf 30 Min. Pause.
  • Bei einer Arbeitszeit von mehr als 9 Std., stehen dem Mitarbeiter 45 Min. Pausenzeit zu.
  • Die Pausenzeit kann auch in mehrere Pausen von 15 Min. aufgeteilt werden. Kurzpausen von geringerer Dauer sollen vermieden werden! Der Arbeitgeber darf entscheiden, ob die Pausen "am Stück" oder in 15-Minuten-Einheiten genommen werden sollen, der Betriebsrat ist hier mitbestimmungsberechtigt.

Wirklich erholsame Pausen sollten nach 3 Grundprinzipien gestaltet werden:

  1. Sie sollten einen Kontrast zur Arbeitstätigkeit darstellen: Wer viel im Sitzen arbeitet, sollte sich in der Pause bewegen; wer viel mit Menschen arbeitet, sollte in der Pause die Stille suchen; wer viel am Bildschirm arbeitet, sollte in der Pause möglichst in die Natur gehen.
  2. Am meisten Erholungswirkung zeigen Pausen, die aktiv verbracht werden, z. B. mit Bewegung oder sozialen Aktivitäten.
  3. Pausenzeiten sollten nicht durch Unterbrechungen gestört werden, daher ist eine Pause am Arbeitsplatz meist nicht sinnvoll.
 
Praxis-Tipp

Besser viele kurze Pausen

Mehrere kurze Pausen sind für die Erholung günstiger als wenige, aber längere Pausen – selbst wenn die Gesamtzeit der Pausen gleich lang ist. Sie brauchen also eine längere Pause (30 Minuten) und mehrere regelmäßige Kurzpausen von ca. 5 Minuten, die sich über den Tag verteilen.

 
Wichtig

Kurzpausen lohnen sich

Wie wissenschaftliche Studien zeigen, sind zusätzliche Kurzpausen von 5–10 Minuten pro Arbeitsstunde i. d. R. auch für den Betrieb lohnend. Die verlorene Arbeitszeit wird völlig durch den zusätzlichen Leistungsgewinn ausgeglichen. Häufig kommt es durch die Verringerung der Ermüdung sogar zu Mehrleistung.

So sind folgende Pausenrhythmen am günstigsten für das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit:

  • 2–3 Kurzpausen von ca. 5 Minuten am Vormittag,
  • Eine längere Mittagspause von 30 Minuten,
  • 2–3 Kurzpausen von ca. 5 Minuten am Nachmittag.

Weil die besonderen Belastungen durch Bildschirmarbeit schon lange bekannt sind, ist in Anhang Nr. 6 Arbeitsstättenverordnung die sog. Bildschirmpause festgelegt. Hierbei muss es sich nicht um eine Pause im Sinne einer Arbeitsunterbrechung handeln. Eine Bildschirmpause kann auch in einer anderen Art von Arbeitsaufgabe bestehen; auch ein Tätigkeitswechsel gilt im rechtlichen Sinne also als Bildschirmpause.

 
  Kurzfristige Effekte Mittel- b...

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