Praxis-Beispiele: Praktikant

1 Vorgeschriebenes Zwischenpraktikum (ohne Arbeitsentgelt)

 

Sachverhalt

Ein Student (26 Jahre alt) übt ein in der Studien- und Prüfungsordnung vorgeschriebenes Praktikum aus. Er erhält hierfür kein Arbeitsentgelt. Er ist 40 Stunden pro Woche, befristet auf 4 Monate tätig. Der Student ist selbst Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse (Krankenversicherung der Studenten – KVdS).

Der Arbeitgeber nimmt am Ausgleichsverfahren nach dem Aufwendungsausgleichsgesetz (AAG) teil.

Wie ist das vorgeschriebene Zwischenpraktikum sozialversicherungs- und lohnsteuerrechtlich zu beurteilen?

Lösung

Der Student ist während des vorgeschriebenen Praktikums versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. In der Rentenversicherung besteht aufgrund gesetzlicher Vorschrift ebenfalls Versicherungsfreiheit.

  • Es sind keine Meldungen zur Sozialversicherung zu übermitteln.
  • Der Arbeitgeber hat für den Praktikanten ein Entgeltkonto einzurichten und Entgeltunterlagen zu führen. Dabei sind Studienbescheinigungen und Bescheinigungen darüber, dass das Praktikum in der Studien- und Prüfungsordnung vorgeschrieben ist, zu den Entgeltunterlagen zu nehmen.
  • Wegen fehlender Entgelt- oder Entgeltfortzahlungsansprüche sind zur U1 bzw. U2 keine Umlagen zu entrichten. Grundsätzlich ist die Insolvenzgeldumlage zu entrichten, da kein Arbeitsentgelt vorliegt, beträgt diese jedoch 0,00 EUR.
  • (Lohn-)Steuerrechtlich sind aufgrund der fehlenden Arbeitslohnzahlung grundsätzlich keine weiteren Besonderheiten zu beachten.

Hinweis

Durch das Mindestlohngesetzes (MiLoG) gilt, dass ein Praktikant im Rahmen eines freiwilligen Zwischenpraktikums nur noch maximal 3 Monate ohne Entgelt tätig sein kann. Ausbildungs- oder studienbegleitende Praktika, die durch eine Studien- bzw. Prüfungsordnung vorgeschrieben sind, sind aber generell vom Mindestlohn ausgenommen.

2 Vorgeschriebenes Zwischenpraktikum (bis 450 EUR monatlich)

 

Sachverhalt

Ein Student (30 Jahre alt) übt – befristet auf 5 Monate – ein in der Studien- und Prüfungsordnung vorgeschriebenes Praktikum aus. Das monatliche Arbeitsentgelt beträgt 300 EUR. Er ist freiwilliges Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse.

Der Arbeitgeber nimmt am Ausgleichsverfahren nach dem Aufwendungsausgleichsgesetz (AAG) teil.

Wie ist das vorgeschriebene Zwischenpraktikum sozialversicherungs- und lohnsteuerrrechtlich zu beurteilen?

Lösung

Der Student ist während des vorgeschriebenen Praktikums versicherungsfrei in der Kranken-, Pflege- und Arbeitslosenversicherung. In der Rentenversicherung besteht ebenfalls Versicherungsfreiheit.

Darüber hinaus ist Folgendes zu berücksichtigen:

  • Der Student sollte die Höhe seines monatlichen Arbeitsentgelts seiner Krankenkasse mitteilen, ggf. wirkt es sich auf die Höhe des monatlichen freiwilligen Beitrags aus.
  • Ansprüche auf Beitragszuschüsse des Arbeitgebers zur Kranken- und Pflegeversicherung hat der Praktikant nicht.
  • Der Arbeitgeber hat mit Personengruppenschlüssel 190 und Beitragsgruppenschlüssel 0000 Meldungen zur Sozialversicherung an die Krankenkasse zu erstatten. Nur wenn kein in der Unfallversicherung beitragspflichtiges Arbeitsentgelt gezahlt wird, muss der Arbeitgeber keine Meldungen übermitteln.
  • Der Arbeitgeber hat für den Praktikanten ein Entgeltkonto einzurichten und Entgeltunterlagen zu führen. Dabei sind Studienbescheinigungen und Bescheinigungen darüber, dass das Praktikum in der Studien- und Prüfungsordnung vorgeschrieben ist, zu den Entgeltunterlagen zu nehmen.
  • Zur U1 bzw. U2 sind Umlagen an die Krankenkasse des Praktikanten zu entrichten.
  • Die abzuführende Insolvenzgeldumlage ist auf Basis des monatlich erzielten Arbeitsentgelts an die Krankenkasse des Studenten abzuführen.
  • Für den Studenten ist trotz seines Entgelts unterhalb der Grenze für geringfügig entlohnte Beschäftigungen kein Pauschalbeitrag zur Kranken- oder Rentenversicherung an die Minijob-Zentrale abzuführen.
  • Anstatt des regulären Lohnsteuerabzugs unter Abruf der elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmale (ELStAM), kann die Lohnsteuer mit einem Pauschsteuersatz i. H. v. 20 % des Arbeitsentgelts vom Arbeitgeber erhoben und an das Betriebsstättenfinanzamt abgeführt werden.

Hinweis

Ein vorgeschriebenes Zwischenpraktikum im sozialversicherungsrechtlichen Sinn ist eine Beschäftigung, die der betrieblichen Berufsbildung dient. Deshalb dürfen hier die Vorschriften für geringfügig Beschäftigte generell nicht angewandt werden.

Neben dem Praktikum ausgeübte geringfügige Beschäftigungen sind gesondert – ohne Berücksichtigung der während des Studiums ausgeübten vorgeschriebenen Praktika – zu beurteilen.

3 Vorgeschriebenes Zwischenpraktikum (über 450 EUR monatlich)

 

Sachverhalt

Ein 24 Jahre alter Student übt ein in der Studien- und Prüfungsordnung vorgeschriebenes Praktikum aus. Das monatliche Arbeitsentgelt beträgt 700 EUR, die wöchentliche Arbeitszeit 30 Stunden. Das Praktikum ist auf 6 Monate befristet.

Der Student ist über seinen Vater in dessen gesetzlicher Krankenkasse familienversichert.

Der Arbeitgeber nimmt am Ausgleichsverfahren nach dem Aufwendungsausgleichsgesetz (AAG) teil.

Wie ist das vorgeschriebene Zwischenpraktikum sozialversicherungs- und lohnsteuerrechtlich zu beurteilen?

Lösung

Der Student ist währ...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge