Märzklausel

Zusammenfassung

 

Begriff

Einmalige Zuwendungen, die in der Zeit vom 1.1. bis 31.3. eines Jahres gezahlt werden, sind unter bestimmten Umständen dem letzten Entgeltabrechnungszeitraum des vorangegangenen Kalenderjahres zuzurechnen. Ausschlaggebend hierfür ist die sog. Märzklausel.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Sozialversicherung: Die Märzklausel ist in § 23a Abs. 4 SGB IV geregelt.

 

Sozialversicherung

1 Zeitliche Zuordnung von Einmalzahlungen

Die vom Arbeitgeber neben dem laufenden Arbeitslohn gewährten Einmalzahlungen werden bei der Beitragsberechnung grundsätzlich in dem Monat berücksichtigt, in dem sie ausgezahlt werden. Abweichend von diesem Grundsatz sind Einmalzahlungen jedoch dem letzten Entgeltabrechnungszeitraum des Vorjahres zuzuordnen, wenn

  • die Einmalzahlung vom 1.1. bis 31.3. eines Jahres gezahlt wird und
  • die versicherungspflichtige Beschäftigung bereits im Vorjahr bestanden hat und
  • die Einmalzahlung zusammen mit dem bisher beitragspflichtigen Arbeitsentgelt die anteilige Jahres-Beitragsbemessungsgrenze übersteigt.

Für bestehende Beschäftigungsverhältnisse kommt als Entgeltabrechnungszeitraum in diesen Fällen in der Regel der Dezember in Betracht. Dabei ist es unerheblich, ob für diesen Monat laufendes Arbeitsentgelt erzielt worden ist oder nicht. Hat die Beschäftigung bereits im Verlauf des Vorjahres geendet, wird das einmalig gezahlte Arbeitsentgelt dem letzten Entgeltabrechnungszeitraum des Beschäftigungsverhältnisses zugeordnet.

 

Achtung

Besonderheit in der Unfallversicherung

Eine Einmalzahlung ist für die Unfallversicherung stets dem Kalenderjahr zuzuordnen, in dem sie gezahlt wurde. Hier gilt ausschließlich das Zuflussprinzip.

Video: Einmalzahlung Besonderheiten der Märzklausel

2 Anteilige Jahres-Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung

Für die Beurteilung der Anwendung der Märzklausel ist bei krankenversicherungspflichtigen Arbeitnehmern stets von der anteiligen Jahres-Beitragsbemessungsgrenze der Krankenversicherung auszugehen. Wird diese überschritten, ist für das einmalig gezahlte Arbeitsentgelt auch für die Berechnung der Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge die Märzklausel anzuwenden. Das gilt selbst dann, wenn das einmalig gezahlte Arbeitsentgelt im laufenden Jahr in voller Höhe der Beitragspflicht zur Renten- und Arbeitslosenversicherung unterliegen würde. Dadurch soll eine Trennung bei der Berechnung der Beiträge vermieden werden. Bei krankenversicherungsfreien Arbeitnehmern ist für die Beurteilung, ob die Märzklausel anzuwenden ist, von der anteiligen Jahres-Beitragsbemessungsgrenze der Rentenversicherung auszugehen.

Zur Verdeutlichung, wie bei der Anwendung der Märzklausel vorzugehen ist, folgendes Beispiel:

 

Praxis-Beispiel

Auszahlung einer Gewinnbeteiligung im Monat März

Der Versicherte ist seit Jahren bei der Firma beschäftigt und versicherungspflichtig in allen Zweigen der Sozialversicherung. Er erhält seit dem 1.1.2018 einen Festlohn von 3.600 EUR und ab 1.1.2020 i. H. v. 3.950 EUR. Im März 2020 zahlt die Firma eine Gewinnbeteiligung i. H. v. 2.500 EUR. Im Jahr 2019 hat der Versicherte keine beitragsfreien Zeiten und auch keine Einmalzahlungen erhalten.

Ergebnis:

  1. Das einmalig gezahlte Arbeitsentgelt ist dem Monat März 2020 zuzuordnen. Es überschreitet zusammen mit dem laufenden Arbeitsentgelt die monatliche Beitragsbemessungsgrenze von 4.687,50 EUR in der Kranken- und Pflegeversicherung.

    • Für die Zeit vom 1.1. bis 31.3. ist eine Vergleichsberechnung vorzunehmen: (56.250 EUR × 90) / 360 = 14.062,50 EUR

    Die anteilige Jahres-Beitragsbemessungsgrenze in der Kranken- und Pflegeversicherung beträgt 14.062,50 EUR.

  2. Ermittlung des bisher gezahlten Arbeitsentgelts:

    • 1.1. bis 31.3.2020
    • 3 × 3.950 EUR = 11.850 EUR
    • Vergleichsberechnung
    • 14.062,50 EUR – 11.850 EUR = 2.212,50 EUR

    Die Gewinnbeteiligung von 2.500 EUR ist höher als die Differenz (2.212,50 EUR), daher ist die Märzklausel anzuwenden.

  3. Fiktiver Zuordnungszeitraum ist nun der Dezember 2019 (auch für die Renten- und Arbeitslosenversicherungsbeiträge). Das einmalig gezahlte Arbeitsentgelt überschreitet zusammen mit dem laufenden Arbeitsentgelt (3.600 EUR + 2.500 EUR = 6.100 EUR) die monatliche Beitragsbemessungsgrenze von 4.537,50 EUR in der Kranken- und Pflegeversicherung, nicht jedoch die von 6.700 EUR in der Renten- und Arbeitslosenversicherung. Für die Zeit vom 1.1. bis 31.12.2019 ist in der Kranken- und Pflegeversicherung eine Vergleichsberechnung vorzunehmen, in der Renten- und Arbeitslosenversicherung ist die Gewinnbeteiligung in voller Höhe beitragspflichtig.
  4. Ermittlung der anteiligen Beitragsbemessungsgrenze 2019:

    (54.450 EUR × 360) / 360 = 54.450 EUR

    (Da es sich um ein volles Jahr handelt, kann auch sofort von der Beitragsbemessungsgrenze ausgegangen werden).

  5. Ermittlung des im Jahr 2019 gezahlten Entgelts

    12 × 3.600 EUR = 43.200 EUR

  6. Vergleichsberechnung

    54.450 EUR – 43.200 EUR = 11....

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