Fahrtkostenzuschüsse

Zusammenfassung

 

Begriff

Fahrtkostenzuschüsse des Arbeitgebers zu den Aufwendungen des Arbeitnehmers für die Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sind steuerpflichtiger Arbeitslohn. Anstelle der individuellen Besteuerung nach dem ELStAM-Datensatz kann der Arbeitgeber bestimmte Fahrtkostenzuschüsse bis zur Höhe der Entfernungspauschale pauschal mit 15 % versteuern. Pauschal besteuerte Fahrtkostenzuschüsse mindern den Werbungskostenabzug des Arbeitnehmers; dasselbe gilt für andere Arbeitgeberleistungen im Zusammenhang mit den Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte, etwa die Gewährung von Jobtickets oder eines Firmenwagens. Überlässt der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer verbilligt oder kostenlos Fahrkarten für die Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel, kann die monatliche Sachbezugsfreigrenze von 44 EUR genutzt werden. Fahrtkostenzuschüsse anlässlich einer Auswärtstätigkeit oder für Familienheimfahrten sind regelmäßig steuerfrei.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Lohnsteuer: Für die Lohnsteuerpauschalierung ist § 40 Abs. 2 Satz 2 EStG maßgebend. Durch den Verweis auf § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 und Abs. 2 EStG wird klargestellt, dass nur die als Entfernungspauschale ansatzfähigen Beträge oder die tatsächlich höheren Aufwendungen für öffentliche Verkehrsmittel unter die Pauschalierungsregelung fallen. Nähere Erläuterungen enthält das BMF-Schreiben v. 31.10.2013, IV C 5 - S 2351/09/10002:002, BStBl 2013 I S.1376. Die monatliche Freigrenze für Sachbezüge, z. B. Fahrkarten, von 44 EUR regelt § 8 Abs. 2 Satz 9 EStG. Für verbilligte oder kostenlose Fahrkarten bei Beschäftigten von öffentlichen Verkehrsbetrieben kommt der Rabattfreibetrag von 1.080 EUR nach § 8 Abs. 3 EStG infrage.

Sozialversicherung: Die Zurechnung der vom Arbeitgeber im Rahmen des Arbeitsverhältnisses geleisteten Fahrtkostenzuschüsse zum beitragspflichtigen Arbeitsentgelt in der Sozialversicherung ergibt sich aus § 14 Abs. 1 Satz 1 SGB IV. Die Ausnahmeregelung für pauschal versteuerten Fahrtkostenersatz ist in § 1 Satz 1 Nr. 3 SvEV geregelt.

 

Kurzübersicht

 
Entgelt LSt SV

Fahrtkostenzuschüsse des Arbeitgebers für Fahrten Wohnung - erste Tätigkeitsstätte (aber: Lohnsteuerpauschalierung mit 15 % möglich)

*Soweit nicht pauschalversteuert.
pflichtig pflichtig*
Fahrtkostenzuschüsse bei beruflichen Auswärtstätigkeiten frei frei

Jobticket (aber: Lohnsteuerpauschalierung mit 15 % möglich; 44-EUR-Sachbezugsfreigrenze beachten)

*Soweit zu dem mit dem Verkehrsträger vereinbarten Preis überlassen.
pflichtig pflichtig*
Fahrten von Auszubildenden zur Berufsschule frei frei

Lohnsteuer

1 Fahrtkostenzuschuss ist steuerpflichtig

Fahrtkostenzuschüsse des Arbeitgebers für Fahrten des Arbeitnehmers zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sind grundsätzlich steuerpflichtiger Arbeitslohn. Der Arbeitgeber muss die Zuschüsse versteuern, entweder

  • individuell nach den ELStAM des Arbeitnehmers oder
  • pauschal mit 15 %.

Wählt er die individuelle Besteuerung, sind Zuschusshöhe, Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte sowie die Begrenzung auf den als Werbungskosten absetzbaren Betrag unbeachtlich.

2 Lohnsteuerpauschalierung des Fahrtkostenzuschusses

2.1 Pauschalierung nur bei Zusätzlichkeit

Voraussetzung für die Lohnsteuerpauschalierung mit 15 % zuzüglich Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5 % der pauschalen Lohnsteuer und ggf. der (pauschalen) Kirchensteuer ist, dass die Fahrtkostenzuschüsse zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet werden.[1]

Nach der BFH-Rechtsprechung ist unter dem "ohnehin geschuldete Arbeitslohn" der arbeitsrechtlich geschuldete Lohnanspruch zu verstehen.[2] Zuschüsse zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn können deshalb nur freiwillige Zusatzleistungen des Arbeitgebers sein, da nur solche vom Arbeitgeber nicht ohnehin geschuldet werden.[3]

Schädlich sind nur Gehaltsumwandlungen

Die Finanzverwaltung legt großzügigere Maßstäbe an als der BFH. Demzufolge ist die Zusätzlichkeitsvoraussetzung erfüllt, wenn die zweckbestimmte Leistung zu dem Arbeitslohn hinzukommt, den der Arbeitgeber arbeitsrechtlich schuldet. Insoweit ist es unerheblich, ob der Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch auf die zweckbestimmte Leistung hat. Schädlich sind danach nur Gehaltsumwandlungen.[4]

2.2 Pauschalierung begrenzt auf Werbungskostenabzug

Pauschalierungsfähig ist höchstens der Betrag, den der Arbeitnehmer als Werbungskosten geltend machen kann. Nach welchen Grundsätzen der Arbeitgeber die Fahrtkostenzuschüsse zahlt, ist unbeachtlich, solange die Zuschüsse das pauschalierungsfähige Volumen nicht übersteigen.

Trägt der Arbeitnehmer die Pauschalsteuer, mindert diese nicht die steuerliche Bemessungsgrundlage, es erfolgt kein Abzug vom Arbeitgeberzuschuss.

Die Bemessungsgrundlage für pauschale Lohnsteuer von 15 % kann für die gesamte Entfernung zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte mit 0,30 EUR pro Entfernungskilometer berechnet werden.[2]

Übersteigende Beträge werden individuell versteuert

Übersteigen die Fahrtkostenzuschüsse den als Werbungskosten absetzbaren Betrag, unterliegt der überst...

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