Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Bilderserie 02.06.2014 Statements zum 2. Deutscher Diversity-Tag
Christine Lüders, Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes
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Ich vergebe die Schulnote 4+. Ausreichend mag es durchaus sein, was viele deutsche Unternehmen im Bereich Diversity unternehmen, aber befriedigend oder gar gut ist es noch lange nicht. Zwar erkennen mehr und mehr Arbeitgeber den Vorteil von Vielfalt – insbesondere die mittelgroßen und großen Unternehmen. Einige setzen dabei etwa auf altersgemischte Teams, einige überzeugen mit Diversity-Strategien oder einer gezielten Förderung von Frauen. Doch in der Breite sehe ich Nachholbedarf. Erst kürzlich hat eine große Studie des Sachverständigenrates für Integration und Migration gezeigt, dass Menschen mit türkischen Namen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz massiv benachteiligt werden – nur wegen ihres Namens und ihres Aussehens. Da frage ich mich schon: Warum setzen so viele Unternehmen nach wie vor auf den international nicht üblichen Sonderweg eines Bewerbungsverfahrens, das auf Foto, Namen und Herkunft des Bewerbenden setzt – und nicht auf Qualifikation? Ich wünsche mir, dass viel mehr Unternehmen in Zukunft auf eine diskriminierungsfreie Bewerberauswahl setzen. Schon im eigenen Interesse: Niemand kann es sich mehr leisten, in Zeiten des Fachkräftemangels Bewerbende auszuschließen. Anonymisierte Bewerbungsverfahren haben sich hier bewährt - als praktikable und leicht umzusetzende Diversity-Maßnahme, die mehr und mehr Arbeitgeber umsetzen. Und noch ein Tipp: Diversity fängt schon bei den Menschen an, die Personal rekrutieren. Wer hier auf Vielfalt im Team setzt, der wird auch mehr Vielfalt in der gesamten Belegschaft bekommen.


Schlagworte zum Thema:  Diversity, Recruiting, Fachkräftemangel