Leitsatz (amtlich)
Ist das Strafverfahren beendet, kommt die Bestellung eines Verteidigers (für das Hauptverfahren) auch dann nicht mehr in Betracht, wenn der Antrag auf Beiordnung zuvor gestellt worden ist.
Verfahrensgang
StA Mönchengladbach (Entscheidung vom 25.06.2002; Aktenzeichen 304 Js 355/02) |
Tenor
Die Beschwerde ist gegenstandslos.
Gründe
I.
Das Landgericht hat durch Beschluss vom 25. Juni 2002 den Antrag des Verurteilten, ihm einen Pflichtverteidiger beizuordnen, zurückgewiesen. Dagegen hat der Verurteilte mit Schriftsatz seines Verteidigers vom 1. Juli 2002 Beschwerde eingelegt. In der Berufungshauptverhandlung vom 8. Juli 2002 hat das Landgericht unter teilweiser Abänderung des amtsgerichtlichen Urteils vom 11. März 2002 eine Freiheitsstrafe von vier Monaten mit Strafaussetzung zur Bewährung verhängt. Die dagegen eingelegte Revision hat die Staatsanwalt unter dem 5. September 2002 zurückgenommen. Die Akten sind dem Senat am 3. Dezember 2002 zur Entscheidung über die Beschwerde vorgelegt worden.
II.
Das zum Zeitpunkt der Einlegung zulässige Rechtsmittel ist prozessual überholt und daher für gegenstandslos zu erklären.
1.
Eine nachträgliche - Rückwirkung enthaltende - Bestellung eines Pflichtverteidigers kommt nicht in Betracht. Die Beiordnung nach § 140 StPO erfolgt nicht im Kosteninteresse des Angeklagten, sondern dient allein dem im öffentlichen Interesse liegenden Zweck, in schwerwiegenden Fällen eine ordnungsgemäße Verteidigung des nicht genügend rechtskundigen Angeklagten in einem noch ausstehenden oder noch anhängigen Verfahren zu sichern und einen ordnungsgemäßen Verfahrensablauf zu gewährleisten.
Nur wenn das Strafverfahren, für das der Rechtsanwalt beigeordnet werden soll, noch nicht beendet ist, ist eine für den Angeklagten wirkende Tätigkeit eines Verteidi...