Dr. Hendrik Vater
, Elena Bail
1.1 Zielsetzung
Der Begriff des Working Capital Managements beinhaltet die Planung, Steuerung und Optimierung des Working Capital als Saldogröße kurzfristigen Vermögens abzüglich kurzfristiger Verbindlichkeiten. Die damit verbundenen Ziele, Prozesse und Aktivitäten können dabei von 2 sehr unterschiedlichen Standpunkten aus definiert werden:
- Working Capital Management als Liquiditätssicherung
- Working Capital Management als Liquiditätsfreisetzung
Aus dem Blickwinkel der Liquiditätssicherung ist das Working Capital ein Gradmesser für die kurzfristige Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens und dessen fristenkongruente Finanzierung. Ein positives Working Capital bedeutet, dass die kurzfristig fälligen Verbindlichkeiten durch Vermögensteile gedeckt sind, die im gleichen Zeitraum in Liquidität umgewandelt werden können. Je höher das Working Capital ist, desto wahrscheinlicher kann ein Unternehmen seinen kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen nachkommen. Daraus leitet sich die fristenkongruente Finanzierung als Kernaufgabe des Working Capital Managements ab.
Aus Sicht des 2. Standpunktes wird das Working Capital als das durch die operative Geschäftstätigkeit gebundene Umlaufvermögen betrachtet, das durch verzinsliches Kapital zu finanzieren ist. Dabei wird es als gebundenes, nicht zinsbringendes oder "totes" Kapital gewertet, das sowohl die verfügbare Liquidität als auch die Kapitalrendite eines Unternehmens reduziert. Das Working Capital sollte daher so gering wie möglich, wenn nicht idealerweise sogar negativ sein. Ein negatives Working Capital ergibt sich, sofern das in Vorräten und Forderungen gebundene Kapital durch die Lieferanten finanziert wird, d. h., dass die Lieferverbindlichkeiten höher sind als die Summe der Vorräte und der Forderungen gegenüber Kunden. In diesem Verständnis beinhalte...