Prof. Dr. Werner Gleißner
Eine der wesentlichsten Aufgaben des Risikomanagements ist die Feststellung, ob der Gesamtumfang der Risiken durch die vorhandenen Risikodeckungspotenziale (Eigenkapital bzw. Liquiditätsreserven) gedeckt ist. Notwendig ist es dabei, die Einzelrisiken zu "aggregieren". Eine derartige Risikoaggregation ist deswegen notwendig, weil alle Risiken sich letztlich gemeinsam auf das Ergebnis, das Eigenkapital oder den Wert des Unternehmens auswirken. Im Gegensatz zur Aggregation von Erlösen und Kosten, die einfach addierbar sind, ist die Aggregation von Risiken methodisch deutlich aufwändiger. Risiken lassen sich nicht einfach addieren, weil die Wechselwirkungen zwischen den jeweiligen Risiken (die Korrelationen) mit zu berücksichtigen sind. Eine einfache Addition der (z. B. maximalen) Schadenshöhen, die durch ein Risiko verursacht werden, führt zu einer massiven Überschätzung der Gesamtrisikoposition, weil dabei ein gemeinsames Eintreten sämtlicher Risiken unterstellt wird (Korrelation = 1).
Risikodeckungspotenzial
Das Eigenkapital (und die Liquiditätsreserven) sind das Risikodeckungspotenzial eines Unternehmens, weil sie sämtliche risikobedingten Verluste zu tragen haben. Um die Angemessenheit der Eigenkapitalausstattung bestimmen zu können, sind mithin Risikoaggregationsverfahren erforderlich, die mehr leisten können, als identifizierte und bewertete Risiken einfach zu addieren. Mit Hilfe solcher Risikoaggregationsverfahren ist es möglich, auch die Angemessenheit der Rating-Einstufung durch die Hausbank gemäß Basel II, die letztlich auch auf einem Vergleich des Risikoumfangs und der Risikotragfähigkeit eines Unternehmens basiert, kritisch zu hinterfragen.
Risikoaggregationsverfahren für Unternehmen basieren im Grundsatz auf einer Integration der identifizierten und quantitativ b...