1.1 Systembedingte Nachteile der Vollkostenrechnung
Die Vollkostenrechnung hat in der Praxis verschiedene systembedingte Nachteile. Einer davon ist die Tatsache, dass es nicht ohne weiteres möglich ist, den Erfolg einzelner Produkte, Dienstleistungen oder Aufträge auszuweisen. Für ein Unternehmen ist ein Produkt erfolgreich und sollte aus betriebswirtschaftlicher Sicht weiter im Programm gehalten werden, wenn der Umsatz höher liegt als die variablen Kosten, es also einen positiven Deckungsbeitrag erwirtschaftet. Grundsätzlich gilt: Je höher der Deckungsbeitrag, desto mehr sollten die Verkaufsanstrengungen für das jeweilige Produkt gefördert werden. Eine Programmoptimierung bzw. Auslastungsplanung sollte stets so erfolgen, dass die deckungsbeitragsstarken Artikel besonders gefördert und die weniger starken Produkte in den Verkaufsbemühungen in den Hintergrund rücken. Produkte, die keinen positiven Deckungsbeitrag erwirtschaften, sollten aus rein betriebswirtschaftlichen Aspekten nicht weiter im Sortiment verweilen. Für jeden Unternehmer und seine Führungskräfte aus Produktion und Vertrieb ist daher die Kenntnis zumindest der ungefähren Höhe der Erfolgsbeiträge von zentraler Bedeutung, um derartige Entscheidungen richtig treffen zu können.
Deckungsbeitrag = Umsatz – variable Kosten
Im weiteren Verlauf werden die Begriffe "Produkterfolg", "Erfolgsbeitrag" und "Deckungsbeitrag" sowie "variable Kosten" und "Einzelkosten" aus Vereinfachungsgründen synonym verwendet.
Die Aussagen im Beitrag und das Beispiel beziehen sich auf produzierende Betriebe, die ihre Produkte mit Hilfe einer Zuschlagskalkulation kalkulieren. Das Gesagte gilt in den Grundsätzen auch für Dienstleister und Handwerksbetriebe. Die Modifikationen lassen sich auch dort mit ähnlichem Aufwand vornehmen.
Keine produktspezifischen Aussagen mit der Vollkostenrechnung mö...