17.04.2026
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AI Literacy: Was HR jetzt über die KI-Schulungspflicht wissen muss

Clemens Dorner
Clemens Dorner
Senior Data Privacy Expert
AI Literacy: Was HR jetzt über die KI-Schulungspflicht wissen mussAI Literacy: Was HR jetzt über die KI-Schulungspflicht wissen muss

Experiment beendet! Die Zeit in der Mitarbeitende wahllos KI-Tools testen und ohne Vorgaben Informationen eingeben und KI-Ergebnisse nutzen, findet ein Ende. Mit dem EU AI Act hat die die Europäische Union bereits einen verbindlichen Rechtsrahmen geschaffen, der Unternehmen konkret in die Pflicht nimmt: Wer KI einsetzt, muss sicherstellen, dass seine Mitarbeitenden damit auch wirklich umgehen können. Diese Anforderung, bekannt als AI Literacy oder KI-Kompetenz, betrifft nahezu jedes Unternehmen. Dieser Artikel erklärt, was dahintersteckt, wen die Pflicht konkret trifft und wie HR den Aufbau von KI-Kompetenz strukturiert und wirksam gestalten kann.

AI Literacy – Was steckt dahinter?

Inzwischen gehören KI-Tools sind in vielen Unternehmen zum Alltag. Ob Textgenerierung, Datenanalyse oder Prozessautomatisierung, doch wie sie eingesetzt werden, steht auf einem anderen Blatt. Damit wird es interessant,denn wer KI nutzt, ohne sie zu verstehen, riskiert Fehler: falschinterpretierte Ergebnisse, Datenschutzverstöße oder unkritisches Vertrauen in Antworten, die schlicht falsch sein können.

Der Art. 4 der EU-KI-Verordnung setzt genau dort an. Unternehmen sind dazu verpflichtet, dafür zu sorgen, dass alle Personen, diemit KI-Systemen arbeiten oder diese entwickeln, über ein ausreichendes Maß an KI-Kompetenz verfügen. Mitarbeitende müssen nicht zu Profis werden, aber sie brauchen ein Grundverständnis:

  • Wie funktioniert KI? (und was kann sie nicht?)
  • Wie bewertet man KI-Ergebnisse kritisch?
  • Welche Risiken gibt es – z. B. Fehlinformationen, Datenschutz, Vorurteile in Daten?
  • Welche internen Regeln gelten beim Einsatz von KI-Tools?

Wer ist in der Pflicht – Anbieter, Betreiber, alle?

Die KI-Verordnung unterscheidet zwei zentrale Rollen:

Rolle Wer ist gemeint? Beispiel
Anbieter Organisationen, die KI entwickeln oder unter eigenem Namen auf den Markt bringen oder zugekaufte KI-Systeme wesentlich verändern Softwareunternehmen, die eigene KI-Produkte vertreiben
Betreiber Organisationen, die KI-Systeme im eigenen Unternehmen einsetzen Die meisten Unternehmen, die z. B. KI-Tools einkaufen und nutzen

Die gute Nachricht: Die meisten Unternehmen sind Betreiber und als solche ist die Pflicht zum Kompetenzaufbau klar geregelt. Dabei ist es entscheidend zu wissen, dass die Schulungspflicht unabhängig davon ist, wie risikoreich ein KI-System eingestuft ist. Selbst wer „nur" einfache KI-Anwendungen nutzt, ist in der Pflicht, die KI-Kompetenz bei den Mitarbeitenden sicherzustellen.

Das bedeutet, dass alle Personen, die im Unternehmen mit KI-Systemen arbeiten, Schulungen bekommen sollten. Das schließt nicht nur Festangestellte, sondern auch Leiharbeitende, externe Dienstleister oder Freelancer mit ein. Für externe Personen kann der Nachweis einer bereits absolvierten Schulung bzw. der bestehenden KI-Kompetenz ausreichen.

Mitarbeitende oder Externe, die bereits diese Kompetenz besitzen, müssen natürlich nicht zwingend erneut geschult werden. Es ist jedoch wichtig, dass es einen Nachweis über diese Kompetenz gibt. Sei es aufgrund beruflicher Erfahrung, entsprechender Ausbildung oder bereits absolvierte Schulungen.

Welche Themen gehören in jedes KI-Schulungsprogramm?

Die Verordnung lässt hinsichtlich des Inhalts der Schulungen bewusst Spielraum bei der Gestaltung. Unternehmen können und sollten ihre Schulungen an den eigenen Bedarf anpassen bzw., danach auswählen. Folgende Themenblöcke haben sich als sinnvoll erwiesen:

Wie funktioniert KI – und wo liegen ihre Grenzen?

Was ist KI eigentlich? Wie „lernt" ein System? Was sind Trainingsdaten, und warum können Ergebnisse falsch sein? Das Ziel: KI als dasverstehen, was sie ist – ein leistungsfähiges, aber nicht unfehlbares Werkzeug, das nach Wahrscheinlichkeiten arbeitet und keine Allwissenheit besitzt.

KI-Ergebnisse richtig lesen und einordnen

KI-Systeme liefern häufig wahrscheinlichkeitsbasierte Antworten, keine Gewissheiten. Mitarbeitende sollten in der Lage sein, Ergebnisse zu hinterfragen und im richtigen Kontext zu bewerten.

Risikobewusstsein

Dazu gehören Themen wie:

  • Halluzinationen: KI erfindet manchmal plausibel klingende, aber falsche Inhalte
  • Bias: Vorurteile inTrainingsdaten führen zu verzerrten Ergebnissen
  • Datenschutz: Welche Informationen dürfen in externe KI-Tools eingegeben werden?
  • Urheberrecht: Was gilt bei KI-generierten Inhalten?

Interne Regeln und Prozesse

Welche KI-Tools sind im Unternehmen freigegeben? Was muss dokumentiert werden? An wen wendet man sich bei Problemen? Diese organisatorischen Leitplanken sind essenziell.

Verantwortungsvoller Umgang

Mitarbeitenden brauchen ein Grundverständnis für rechtliche und ethische Fragen, um zu verstehen, wann der Einsatz von KI heikel werden kann.

KI-Schulungen in der Praxis: Wie geht HR dabei strukturiert vor?

Da die Anforderungen flexibel sind, haben Unternehmen großen Gestaltungsspielraum. Ein rollenbasiertes, mehrstufiges Schulungskonzept hat sich bewährt:

Mögliche Formate:

  • Kurze E-Learning-Module (ideal für Grundlagen-Rollout)
  • Interne Leitfäden und Use-Case-Sammlungen
  • Awareness-Kampagnen zu konkreten Risiken
  • Interne Communities zum Erfahrungsaustausch
  • Regelmäßige Auffrischungen beineuen Tools oder Updates

Praxis-Tipps für HR

Startet mit einer Bestandsaufnahme: Welche KI-Tools werden im Unternehmen genutzt? Welche Rollen kommen damit in Kontakt? Daraus lässt sich ein gezielter Schulungsplan ableiten, ohne alle mit dem gleichen Programm zu überhäufen.

Dokumentiert eure Maßnahmen: Welche Schulungen wurden durchgeführt? Welche Inhalte wurden vermittelt? Welche Gruppen haben teilgenommen? Diese Dokumentation ist kein bürokratischer Selbstzweck, sie kann bei Nachfragen durch Aufsichtsbehörden entscheidend sein.

Überblick: Was sind die Chancen und Risiken von AI Literacy?

Die Schulungspflicht mag zunächst wie eine weitere Compliance-Aufgabe wirken. Tatsächlich zahlt sie sich aber mehrfach aus:

  • Besseres Risikomanagement: Mitarbeitende erkennen Probleme früher und vermeiden Fehlanwendungen
  • Höhere Produktivität: Wer KI-Tools wirklich versteht, nutzt sie effizienter
  • Vertrauen und Reputation: Transparente Schulungsprogramme signalisieren verantwortungsvollen Umgang – nach innen wie außen
  • Innovationskraft: Mitarbeitende mit KI-Grundverständnis entwickeln neue Ideen für sinnvolle Anwendungsfälle
  • Wettbewerbsvorteil: Gut geschulte Teams können die Chancen von KI besser nutzen und Risiken bessersteuern

Was passiert, wenn Unternehmen die Schulungspflicht ignorieren?

Wer die Schulungspflicht ignoriert, geht mehrere Risiken ein:

  • Regulatorisch: Zwar ist ein Verstoß gegen Art. 4 KI-VO nicht direkt bußgeldbewehrt. Allerdings kann eine fehlende Schulung in diesem Bereich Auswirkungen auf Verstöße in anderen Bereichen haben.
  • Operativ: Falschinterpretierte KI-Ergebnisse führen zu Fehlentscheidungen, Qualitätsproblemen und ineffizienten Prozessen.
  • Datenschutz: Der wohlhäufigste aller Fehler – Ungeschulte Mitarbeitende geben möglicherweise vertrauliche oder personenbezogene Daten in externe KI-Systeme ein.
  • Reputation: Fehlanwendungen von KI, etwa diskriminierende Ergebnisse oder fehlerhafte automatisierte Entscheidungen, können das öffentliche Image eines Unternehmens erheblich schädigen.

AI Literacy gehört auf die HR-Agenda

Die Anforderungen der KI-Verordnung sind kein bürokratisches Detail. Sie spiegeln eine fundamentale Erkenntnis wider: KI entfaltet ihren Mehrwert nur dort, wo Menschen sie verstehen und verantwortungsvoll einsetzen. HR kommt dabei eine Schlüsselrolle zu: bei der Konzeption von Schulungsformaten, der Einbindung aller Mitarbeitergruppen und der Verankerung von KI-Kompetenz als Teil der Lern- und Entwicklungskultur.

Häufig gestellte Fragen

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Über den Autor
Über die Autorin

Clemens Dorner ist Senior Data Privacy Expert und GRC Manager in der Haufe Group. Als Syndikusanwalt unterstützt er intern seine Kolleg:innen bei Fragen zu Datenschutz und Compliance. Clemens hat zuvor als Senior Consultant Unternehmen bei der Umsetzung und Implementierung der Datenschutz-Grundverordnung beraten und setzt dieses Fachwissen nun bei der praktikablen Umsetzung der Vorgaben der KI Verordnung ein.

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