Zusammenfassung
Wertschätzung ist zugleich ein menschliches Grundbedürfnis und eine Haltung, die sich in einer wohlwollenden Lenkung der Aufmerksamkeit auf positive Aspekte des Gegenübers zeigt und sich in Verhalten ausdrückt und zwar insbesondere in der Kommunikation.
Damit ist sie gleichzeitig aktiv – die Aufmerksamkeit wird bewusst gesteuert, das Verhalten entsprechend praktiziert – und passiv konzipiert: Sie kann gegeben und empfangen werden. Sie kann sich in Lob ausdrücken, aber sie ist weit mehr als das. Auch Dank, Interesse an der Person oder das Übertragen wichtiger Aufgaben können Ausdruck von Wertschätzung sein. Wertschätzung ist nie Mittel zum Zweck und damit – anders als Lob – in jedem Fall frei von Manipulationsverdacht.
1 Wertschätzung als Gesundheits- und Produktivitätsfaktor
1.1 Zusammenhänge zwischen Wertschätzung und Gesundheit
Der Zusammenhang zwischen Gesundheit und Wertschätzung wird immer dort besonders deutlich, wo Wertschätzungsdefizite auftreten. Wenn Menschen sich durch Missachtung gekränkt fühlen, steigt ihr Blutdruck, die Muskeln werden angespannt, die Atmung wird oberflächlicher, der Pulsschlag geht nach oben, die Stimmung wird gereizt, das Verhalten aggressiv – der Mensch geht in "Hab-Acht-Stellung".
Im Gegensatz dazu hat Wertschätzung zahlreiche gesundheitsfördernde Effekte: Sie
- reduziert Ängste,
- sorgt für Entspannung und
- steigert das Wohlbefinden durch Freisetzung von Endorphinen und Oxytozin (dem sog. Vertrauenshormon). Zudem wird das Depressionsrisiko reduziert.
Für den betrieblichen Kontext sind darüber hinaus folgende Effekte der Wertschätzung von Bedeutung: Die Arbeitsfähigkeit älterer Beschäftigter wird verbessert, sobald man sich durch den direkten Vorgesetzten wertgeschätzt fühlt. Und sog. Gratifikationskrisen werden vermieden. Darunter versteht man ein Ungleichgewicht zwischen Verausgabung und Belohnung. Wenn also ein Mitarbeiter den Eindruck hat, seine ...