Arbeitszeit: Arbeitszeitgestaltung

Zusammenfassung

 
Überblick

Die flexible Gestaltung der Arbeitszeit soll sowohl die Voraussetzungen für einen produktiveren Einsatz der Arbeitszeit schaffen als auch den Interessen der Arbeitnehmer zur besseren Vereinbarkeit von beruflichen und außerberuflichen Verpflichtungen entgegenkommen. Strategien der betrieblichen Arbeitszeitflexibilisierung zielen dabei vor allem auf die Anpassung von Lage, Dauer und Verteilung individueller Arbeitszeiten an den tatsächlichen Arbeitszeitbedarf des Unternehmens ab – z. B. innerhalb der Woche, des Monats oder des Jahres. Die Bandbreite flexibler Arbeitszeitmodelle ist erheblich. Sie reicht von rein arbeitgeberseitig determinierter Flexibilität im Rahmen der sog. Abrufarbeit oder "KAPOVAZ" (kapazitätsorientierte variable Arbeitszeit) über saisonal variable Verteilung der Arbeitszeit ("Jahresarbeitszeit") bis zur unterschiedlichen Verteilung der Arbeitszeit über die gesamte Arbeitslebensspanne ("Lebensarbeitszeit") oder der eigenverantwortlichen Arbeitszeitgestaltung ohne betriebliche Arbeitszeitkontrolle ("Vertrauensarbeitszeit"). Gesteuert werden derartige Modelle sowohl über die betriebsseitig veranlasste Variation von Lage und Dauer der Arbeitszeit (z. B. An- und Absage von Arbeitszeiten) als auch die eigenverantwortliche Gestaltung der Arbeitszeit durch den Arbeitnehmer (z. B. variable Verteilung der täglichen Arbeitszeit innerhalb eines definierten Arbeitszeitrahmens). Differenzen zwischen der vom Arbeitnehmer tatsächlich geleisteten und der vergüteten Arbeitszeit werden dabei meist auf individuellen Arbeitszeitkonten verbucht, deren Gestaltung und Steuerung deshalb regelmäßig Bestandteil betrieblicher Arbeitszeitregelungen ist.

Die tarifvertraglich und/oder betrieblich geregelten Modelle der Arbeitszeitflexibilisierung müssen sich dabei in den Grenzen des Arbeitszeitgesetzes bewegen.

Dies betrifft sowohl die Verteilung von Arbeitszeiten innerhalb bestimmter Zeiträume als auch die Gewährung von Ruhezeiten und Ruhepausen. Dabei kennt das Arbeitszeitgesetz auch tarifvertragliche Abweichungsoptionen von Grundnormen des Arbeitszeitgesetzes im Interesse der Arbeitnehmer, so etwa die Möglichkeit der Verlängerung von Schichten zur Erhöhung der Zahl freier Sonn- und Feiertage in vollkontinuierlichen Schichtbetrieben (§ 12 Satz 1 Nr. 4 ArbZG). Weitere Flexibilisierungsmöglichkeiten existieren aufgrund behördlicher Bewilligung. So kann etwa die Einführung eines 12-Stunden-Schichtsystems, das regelmäßige Überschreitungen der Grenze werktäglicher Höchstarbeitszeit von 10 Stunden beinhaltet, aufsichtsbehördlich bewilligt werden, wenn dadurch zusätzliche Freischichten erreicht werden (§ 15 Abs. 1 Nr. 1a ArbZG). Weitere Ausnahmen sind zur Bewältigung von Notfällen und außergewöhnlichen Fällen (z. B. Corona-Pandemie) sowohl aufgrund einer Entscheidung des Arbeitgebers als auch im Rahmen behördlicher oder gesetzlicher Regelungen möglich.

Nachstehend wird eine Reihe von Modellen flexibler Arbeitszeitgestaltung vorgestellt. Dabei handelt es sich nur um einen begrenzten Ausschnitt der in der betrieblichen Praxis existierenden Modelle. Das "richtige" Arbeitszeitmodell bedarf stets der genauen Analyse der betrieblichen (und mitarbeiterseitigen) Flexibilisierungsbedarfe und -interessen, um eine den Anforderungen von Kunden, Unternehmen und Mitarbeitern entsprechende Arbeitszeitgestaltung realisieren zu können.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Das Arbeitszeitgesetz (ArbZG) enthält Mindeststandards des Arbeitnehmerschutzes, insbesondere Begrenzungen der maximal zulässigen Arbeitszeit, Vorgaben für Ruhepausen und Ruhezeiten und Beschäftigungsverbote an Sonn- und Feiertagen. Für besondere Arbeitnehmergruppen bestehen spezielle Schutzregelungen, etwa für Jugendliche, werdende und stillende Mütter, Fahrpersonal und Schwerbehinderte.

1 Formen flexibler Arbeitszeitgestaltung

In der Praxis hat sich eine Vielfalt von Modellen zur flexibleren Gestaltung der Arbeitszeit entwickelt. Hierzu gehören unter anderem:

Vom Sonderfall der flexiblen Gestaltung der regelmäßigen Arbeitszeit abzugrenzen sind Langzeit- und Lebensarbeitszeitkonten, die als Zeitwertkonten oder sog. Wertguthabenkonten gem. § 7 Abs. 1a SGB IV mit dem Ziel längerfristiger Freistellung gebildet werden und grundsätzlich in Geld zu führen sind. Diese Konten werden in der Regel zur Realisierung individueller Zeitbedürfnisse geführt, etwa der Ermöglichung längerer bezahlter Freistellungen innerhalb des Arbeitslebens ("Sabbatjahr"), der Unterstützung von Teilzeit-, Pflegezeit- und Elternzeitmodellen oder des gleitenden Übergangs in den Ruhestand.

1.1 Gleitende Arbeitszeit

Gleitende Arbeitszeit überlässt es dem Arbeitnehmer, Beginn und Ende der täglichen individuellen Arbeitszeit innerhalb eines vorgegebenen Rahmens selbst zu regeln (Gleitzeit) und verpflichtet ihn nur zur Einhaltung einer bestimmten festen Zeit (Kernzeit). In der Praxis hat sich die Gleitzeit sowohl unter Gesichtspunkten der Kundenorientierung (eingeschränkte Erreichbark...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge