Steuerkanzlei kaufen - das sollten Sie beachten

Auf dem Weg in die Selbstständigkeit entscheiden sich viele Steuerberater dazu, eine Kanzlei zu kaufen. Der Blogbeitrag erläutert, was Sie beim Kauf beachten müssen.  

Der Weg zur eigenen Steuerkanzlei: einsteigen, gründen oder kaufen?

Immer weniger Steuerberaterinnen und Steuerberater arbeiten auf eigene Rechnung. Waren es 2012 noch 71,1 Prozent, die selbstständig arbeiteten, lag der Anteil 2021 nur noch bei 60,9 Prozent. Dabei sind die Voraussetzungen für junge Steuerberaterinnen und Steuerberater so gut wie nie: In den nächsten Jahren geht fast ein Viertel der deutschen Steuerberaterinnen und Steuerberater in Rente. Die Kanzleiübernahme bietet Jungtalenten einen sicheren Einstieg in die Selbstständigkeit, beispielsweise durch Neugründung, den Einstieg als Junior Partner oder Partnerin oder den Kauf einer bestehenden Kanzlei. 

Der Einstieg in eine bestehende Steuerkanzlei ist wohl der einfachste Schritt Richtung Selbstständigkeit. Gerade junge Steuerberaterinnen und Steuerberater bekommen in einer Partnerschaft die Möglichkeit, von der Erfahrung und der Expertise der Partnerinnen und Partner der Kanzlei zu profitieren. Sie müssen sich keinen eigenen Mandantenstamm aufbauen, sondern bedienen bequem die bestehenden Mandate.

Die Gründung einer eigenen Steuerkanzlei birgt zahlreiche bürokratische Hürden und unternehmerische Herausforderungen. Neben einem fundierten Finanzplan sollten Gründerinnen und Gründer einen Businessplan erstellen, der sich auf Markt- und Wettbewerbsanalysen stützt: In welchem Themenbereich soll die neue Steuerkanzlei beispielsweise Beratung anbieten? Ist dieser Themenbereich gefragt am Markt? Wie steht es um die Konkurrenz? Neue Steuerkanzleien müssen sich zudem einen neuen Mandantenstamm aufbauen und den Ruf der eigenen Kanzlei über Jahre erst etablieren. Das kann gerade in den ersten Jahren herausfordernd sein.

Sie möchten Ihre eigene Steuerkanzlei gründen? Auf der Themenseite „Kanzleigründung“ finden Sie wertvolle Tipps zum Thema.  

Deutlich weniger risikobehaftet ist der Kauf einer bestehenden Kanzlei als so genannter „Management-Buy-In“. Dabei übernimmt beispielsweise eine externe Steuerberaterin eine bereits aufgebaute Kanzlei, inklusive Personal und Mandantenstamm.

„Nachfolger gesucht“: Die Vorteile beim Kauf einer Steuerkanzlei

Beim Kauf einer bestehenden Steuerkanzlei ergeben sich für die übernehmende Partei zahlreiche Vorteile. Der wohl größte Asset liegt im Mandantenstamm der Steuerkanzlei. Dieser ist wertvollstes Gut und maßgeblich für den Erfolg der Kanzlei verantwortlich. Übernehmen Sie eine Steuerkanzlei mit gutem Mandantenstamm, profitieren Sie von Tag eins an von den oft über Jahre gepflegten Beziehungen zu den Mandantinnen und Mandanten und müssen nicht mühselig selbst neue Mandate akquirieren. Bestehende Steuerkanzleien verfügen außerdem bereits über eine gewisse Reputation, von denen Sie als übernehmende Partei profitieren. Sie erwirtschaften dadurch vom Tag der Übernahme an Umsatz.

Ein weiterer Vorteil eines Kanzleikaufs liegt in den vorhandenen Räumlichkeiten und dem Personal, das über Jahre bereits in die Materie eingearbeitet wurde und sich bestens auskennt. So müssen Sie nicht mühselig am Markt auf Fachkräftesuche gehen und diese einarbeiten, sondern können direkt mit der Arbeit beginnen.

Je nach Ablauf der Übernahme profitieren Sie besonders von der Übergangszeit, wenn der vorherige Kanzleiinhaber oder die Kanzleiinhaberin noch mit an Bord sind. Durch ihren Input können Sie wertvolles Insider-Wissen „abgreifen“ und schneller vorankommen.

Welche Risiken birgt der Kauf einer Steuerkanzlei?

Selbstverständlich birgt ein Kauf einer Steuerkanzlei nicht nur Vorteile, sondern auch diverse Risiken. Sind die Organisationsstrukturen der Kanzlei beispielsweise veraltet, kann sich das negativ auf den Umsatz auswirken, wenn nicht das volle Performancepotenzial ausgeschöpft werden kann. Ähnliches gilt für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kanzlei: Haben die Strukturen beispielsweise regelmäßige Weiterbildungen vorgesehen, sind die Kenntnisse des Personals auf dem neuesten Stand und die Arbeit wird dementsprechend professionell und effizient erledigt. Ist dem nicht so, muss der oder die neue Inhaberin erst einmal in die Entwicklung des Personals investieren, um die Effizienz und damit den Umsatz der Kanzlei zu sichern und perspektivisch zu steigern. In diesem Zusammenhang dürfen Sie nicht vergessen, dass nicht jeder Mitarbeiter oder jede Mitarbeiterin gleich positiv mit Veränderung umgeht. Eine Übernahme erfordert Empathie und Feingefühl den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber und eine kontinuierlich transparente Kommunikation. Weiterer Risikofaktor ist der Digitalisierungsgrad der Kanzlei. Ist dieser ebenfalls veraltet, muss der oder die neue Inhaberin eventuell eine neue Kanzleisoftware einführen und diese oft teuer bezahlen.

Steuerkanzlei kaufen: Welcher Preis ist angemessen?

Um einen Kaufpreis einer Steuerkanzlei festzulegen, muss in einem ersten Schritt ihr Wert ermittelt werden. Ein externes Gutachten, das sich auf folgende Kennzahlen stützt, dient als Ermittlungsgrundlage:

Mandate

Die wohl wichtigste, wenn auch immaterielle, Bewertungsgröße einer Steuerkanzlei ist deren Mandantenstamm. Dieser gibt Aufschluss über das gegenwärtige und zukünftige Honorarvolumen der Kanzlei und ist damit maßgeblich verantwortlich für den Geschäftserfolg. Beim Mandantenstamm gilt allerdings: Qualität vor Quantität. Viele Mandate bedeuten nicht sofort viel Umsatz. Eine ABC-Analyse teilt die Mandate einer Steuerkanzlei in A, B und C Mandate ein und misst dadurch die Qualität des Mandantenstamms. A-Mandate generieren beispielsweise einen hohen Umsatz in regelmäßigen Abständen. C-Mandate hingegen beauftragen die Steuerkanzlei nur sporadisch und sind nicht sonderlich umsetzungsstark. Bei der Ermittlung des Werts des Mandantenstamms spielt auch die Altersstruktur eine wichtige Rolle. Stehen viele Mandanten kurz vor dem Ruhestand, bedeutet das für den neuen Inhaber, in naher Zukunft neue Mandate akquirieren zu müssen.

Personal

Mit dem Kauf einer Steuerkanzlei übernimmt der neue Inhaber meist auch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Je nachdem, wie die Belegschaft aufgestellt ist, wirkt sich das direkt auf den Wert der Steuerkanzlei aus: Wie viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind angestellt? Welche Personalkosten sind damit verbunden? In welchem Verhältnis stehen Personalkosten zu den Mandaten? Diese Rechnungen geben Auskunft über die gegenwärtige, aber auch zukünftige Wirtschaftlichkeit der Kanzlei.

Digitalisierungsgrad

Noch immer zu oft unbeachtete, aber sehr wichtige Bewertungsgröße einer Steuerkanzlei ist deren Digitalisierungsgrad. Ist eine Steuerkanzlei kaum oder nur wenig digitalisiert, wirkt sich das negativ auf ihre zukünftige Leistungsfähigkeit aus. In Zeiten der Digitalisierung müssen auch Steuerkanzleien mitziehen und ihre Strukturen digital und damit effizienter aufstellen. Um den Grad der Digitalisierung zu messen, fragen Gutachter beispielsweise danach, ob, und wenn ja welche, Software-Lösungen bei der Mandantenkommunikation oder der Bearbeitung von Anträgen zum Einsatz kommen.

Wie sich die digitalen Strukturen einer Steuerkanzlei auf Umsatz und Mitarbeiter:innen auswirkt, lesen Sie hier im Trendbericht.  

Ertragssituation

Die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen einer Steuerkanzlei geben Aufschluss über ihre gegenwärtige Ertragssituation. Wie steht es beispielsweise um die Bilanzen und Gewinnermittlungen der Kanzlei? Wo lag der durchschnittliche Umsatz der letzten drei Jahre? Wie sind die Kosten- und Personalstrukturen aufgestellt? Gibt es laufende Verträge, die mit bestimmten Ausgaben verbunden sind? Gibt es weitere Verbindlichkeiten, die sich auf die Ertragssituation der Kanzlei auswirken?  Auch Standortfaktoren und Räumlichkeiten der Kanzlei bestimmen die Ertragssituation. Steht beispielsweise ein Umzug in größere Räumlichkeiten an, ist das mit hohen Kosten verbunden.

Sie wollen mehr wissen? Im Trendbericht gibt Fachjournalist Karsten Zunke detailliertere Einblicke in die Wertfindung einer Steuerkanzlei – und verrät, welche Rolle Transformationsprozesse dabei spielen.

Für den Verkauf einer Steuerkanzlei beauftragen bestehende Inhaber oft Fachanwälte für Gesellschaftsrecht. Das bedeutet für den Käufer, dass sowohl die Wertermittlung als auch die Verkaufsgespräche oft über die Kolleginnen und Kollegen der Wirtschaftskanzleien laufen. Alternativ inserieren „Alt-Inhaber“ ihre Steuerkanzlei aber auch selbst über gängige Plattformen und Portale wie DATEV oder nwb, über die Kaufinteressenten mit ihnen in Kontakt treten können.

Wo findet man Angebote für Steuerkanzleien am Kanzleimarkt?

Auf so genannten „Kanzleibörsen“ finden Kaufinteressenten zum Verkauf angebotene Steuerkanzleien in ihrer Region und können über die Plattform die Anbieter direkt kontaktieren.

Erstes Beispiel ist die DATEV Kanzleibörse. Dort inserieren Verkäuferinnen und Verkäufer ihre Steuerkanzleien. Käufer können die Inhaber der für sie interessanten Angebote direkt über die Plattform kontaktieren. Dank der Datenlage unterstützt DATEV auch bei der Wertermittlung, indem der IT-Dienstleister Wettbewerber und deren aktuelle Stellung am Markt miteinander vergleicht. Mitglieder der DATEV-Kanzleibörse nutzen die Services der Plattform kostenlos.  

Zweites Beispiel ist der nwb Verlag. Steuerberater auf der Suche nach einer eigenen Kanzlei werden hier sowohl online in der nwb Kanzleibörse als auch analog in der Fachzeitschrift des Verlages für Steuer- und Wirtschaftsrecht fündig. Über die Onlineplattform kontaktieren Sie Verkäufer direkt und unkompliziert.

Der Schritt in die Selbstständigkeit: Kauf und Übernahme sorgfältig planen

Aufgrund des demografischen Wandels sind die Einstiegschancen in die Selbstständigkeit für junge Steuerberaterinnen und Steuerberater gut. Der digitale Wandel begünstigt die Übernahme und bietet neuen Inhabern die Chance, auf bestehende Strukturen zurückzugreifen, vom Tag der Übernahme an Umsatz zu generieren und die Steuerkanzlei gleichzeitig nach den eigenen Vorstellungen zu entwickeln. Doch der Kauf will gut überlegt und geplant sein. Ziehen Sie im Zweifelsfall einen externen Berater hinzu.

Steuerberater Andreas Pfister hat selbst erst kürzlich den Mehrheitsanteil einer bestehenden Steuerberatungsgesellschaft im Herzen von Nürnberg übernommen. Im Interview berichtet er von seinen Erfahrungen. 

Schlagworte zum Thema:  Kanzleimanagement, Kanzleiorganisation, Strategie