Hartz/Meeßen/Wolf, ABC-Führer Lohnsteuer, Berufssportler
 

Rz. 1

Stand: EL 108 – ET: 01/2016

Bei Mannschaftssportarten sind Vergütungen häufig Einkünfte iSv § 19 EStG. So sind Lizenzspieler der Fußballbundesliga > Arbeitnehmer iSd § 19 EStG (> Fußballspieler); ebenso die Profispieler beim Eishockey; ebenso Berufsringer (Catcher), Ringrichter und Turnierleiter (BFH 126, 457 = BStBl 1979 II, 182). Gewerbliche Einkünfte erzielt hingegen ein Berufsboxer, dessen Vergütung vom Ausgang des Wettkampfes abhängig ist und der deshalb ein höheres unternehmerisches Risiko trägt (BFH 60, 257 = BStBl 1955 III, 100; BFH 78, 543 = BStBl 1964 III, 207); ebenso Berufsradrennfahrer einschließlich der Sechstagefahrer (BFH vom 08.02.1957 VI 13/54, DB 1958, 1086); ebenso Motorsportler (BFH 172, 183 = BStBl 1993 II, 810). Gewerbliche Einkünfte hat auch ein international tätiger Berater von Berufsfußballspielern (BFH 187, 500 = BStBl 1999 II, 167); ebenso ein Tischtennisschiedsrichter (EFG 2005, 766). Wegen der Rennreiter und Trabrennfahrer > Rennvereine.

 

Rz. 2

Stand: EL 108 – ET: 01/2016

Einnahmen eines Berufssportlers aus der Werbung, Autogrammstunden oder Presseberichten usw sind gewerbliche Einkünfte (BFH 137, 183 = BStBl 1983 II, 182; BFH 146, 115 = BStBl 1986 II, 424; BFH 236, 464 = BStBl 2012 II, 511; vgl auch EFG 2006, 1177; 2010, 1426 sowie BGH vom 07.11.2006, BFH/NV-Beilage 2007, 461). Geldpreise und ähnliche Prämien, die Angestellte eines Autoherstellers bei Automobilrennen gewonnen haben, sind Arbeitslohn, auch wenn sie der Firma zustehen, diese sie aber dem Rennfahrer überlässt (RFH, RStBl 1931, 894). Anders, wenn Preise nur Andenken- oder Liebhaberwert haben, wie das bei Sachgeschenken der Fall sein kann (> Preisgelder). Zu den Einnahmen gehören auch Leistungen iRd > VIP-Sponsoring.

 

Rz. 3

Stand: EL 108 – ET: 01/2016

Zum stpfl Arbeitslohn von Berufssportlern – besonders von Fußball- und Eishockeyspielern – gehört bei Zufluss ein bereits im Anstellungsvertrag zugesicherter Anteil an der Ablösesumme. Bei mehrjährigen Vertragsverhältnissen kommt dafür eine Tarifermäßigung nach § 34 Abs 1 iVm Abs 2 Nr 4 EStG in Betracht (> Außerordentliche Einkünfte Rz 85 ff). Entsprechendes gilt für sog "Handgelder", die der aufnehmende Verein an den Spieler zahlt (vgl auch BGH vom 07.11.2006, HaufeIndex 1641450). Auch die von Dritten an ArbN gezahlten Prämien oder gewährten geldwerten Vorteile unterliegen ggf dem LSt-Abzug (§ 38 Abs 1 Satz 3 EStG; > Lohnzahlung durch Dritte Rz 5 ff; zu einer Ausnahme vgl EFG 2015, 989 – Rev, BFH VI R 26/15 zum DHB; ergänzend > Berufsrennfahrer Rz 2; > Preisgelder Rz 3/1). Werden Berufssportlern von Dritten – als Sponsor kommt zB die Industrie in Betracht (vgl EFG 2005, 1865) – Kfz-Leasingverträge zu besonders günstigen Konditionen eingeräumt, kann der entstehende geldwerte Vorteil abweichend von § 8 Abs 2 Satz 1 EStG nur aus Vereinfachungsgründen mit dem Nutzungswert der > Kraftfahrzeuggestellung analog der sog 1-%-Regelung bewertet werden.

 

Rz. 4

Stand: EL 108 – ET: 01/2016

Im Ausland ansässige Berufssportler sind mit ihren > Inländische Einkünfte (> Rz 6) beschränkt steuerpflichtig. Ob ein Berufssportler nicht auch im Inland ansässig ist, hängt davon ab, ob er hier einen > Wohnsitz oder seinen gewöhnlichen > Aufenthalt hat. Eine Wohnung setzt geeignete möblierte Räumlichkeiten voraus. Dies können auch Baracken oder Ferienwohnungen sein, wenn sie zentrale Anlaufstelle für den Sportler sind. Eine Betriebsstätte unterhält ein Sportler dort, wo er trainiert und die Wettkämpfe plant (EFG 2006, 1677).

Arbeitslohn unterliegt dem LSt-Abzug durch den inländischen ArbG (§ 38 Abs 1 EStG; > R 39.4 Abs 4 LStR; > Ausländische Arbeitnehmer im Inland Rz 4 ff, > Beschränkte Steuerpflicht Rz 21 ff). Ist kein > Inländischer Arbeitgeber vorhanden, der zum LSt-Abzug verpflichtet ist, muss der Vergütungsschuldner den Steuerabzug nach § 50a EStG vornehmen (> Rz 5).

 

Rz. 5

Stand: EL 108 – ET: 01/2016

Bei Berufssportlern, deren Vergütungen im Inland nicht dem LSt-Abzug unterliegen, muss der Schuldner der Vergütung die ESt durch den Steuerabzug nach § 50a Abs 1 Nr 1 EStG (zu Einzelheiten vgl BMF vom 25.11.2010, BStBl 2010 I, 1350; ergänzend > Beschränkte Steuerpflicht Rz 75 ff) erheben. Das gilt unabhängig von zwischenstaatlichen Vereinbarungen (DBA), solange keine > Freistellungsbescheinigung vorliegt.

 

Rz. 6

Stand: EL 108 – ET: 01/2016

Den Steuerabzug nach § 50a EStG muss ein Vergütungsschuldner (Veranstalter) vornehmen, wenn im Ausland ansässige Berufssportler im Inland tätig werden oder sie hier ihre sportliche Tätigkeit verwerten, sie also Einkünfte iSv § 49 EStG erzielen (> Inländische Einkünfte). Die Einkunftserzielungsabsicht muss bei beschränkt Stpfl nach den gleichen Kriterien wie bei unbeschränkt Stpfl beurteilt werden (BFH 197, 287 = BStBl 2002 II, 861). Das gilt unabhängig von der Einkunftsart nicht nur für Einzelsportler, die zB bei internationalen Leichtathletik-Wettkämpfen teilnehmen, sondern auch für Mannschaftssportarten wie Eishockey und Fußball, bei denen die Spieler und Begleitpe...

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