Krankengeld (Berechnung und Zahlung)

Zusammenfassung

 

Begriff

Krankengeld ersetzt das wegen einer Arbeitsunfähigkeit ausgefallene Arbeitsentgelt und Arbeitseinkommen (Entgeltersatzfunktion). Es wird aus den entsprechenden Einnahmen berechnet, die unmittelbar vor der Arbeitsunfähigkeit erzielt wurden. Krankengeld wird maximal in Höhe des zuletzt erzielten laufenden Nettoarbeitsentgelts gezahlt. Der Anspruch richtet sich auf einen kalendertäglichen Betrag. Krankengeld wird für Kalendertage gezahlt.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Sozialversicherung: Die Rechtsgrundlagen für die Berechnung und die Zahlung des Krankengeldes enthält § 47 SGB V. Die Spitzenorganisationen der Kranken- und Unfallversicherung erläutern die Vorschrift in einem Gemeinsamen Rundschreiben (GR v. 18.6.2019-II). Besonderheiten bei Grenzgängern ergeben sich aus der EG-Verordnung 883/04, Anhang XI.

1 Regelentgelt

1.1 Berechnung

Das Krankengeld wird aus dem Regelentgelt berechnet. Das Regelentgelt ist ein kalendertäglicher Wert, der aus dem regelmäßig erzielten Arbeitsentgelt und Arbeitseinkommen ermittelt wird. Dabei ist zu unterscheiden zwischen

  • Arbeitnehmern, deren Arbeitsentgelt nach Stunden oder Monaten bemessen ist,
  • Arbeitnehmern, deren Arbeitsentgelt sich aus anderen Gründen einer Stundenzahl nicht zuordnen lässt und
  • Versicherten, die nicht Arbeitnehmer sind.

Das Regelentgelt wird aus dem Arbeitsentgelt oder dem Arbeitseinkommen berechnet, das im Bemessungszeitraum erzielt wurde. Es wird auf das Höchstregelentgelt begrenzt (2020 = 156,25 EUR).

 

Hinweis

Einmalig gezahltes Arbeitsentgelt

Das Regelentgelt wird zunächst aus dem laufenden Arbeitsentgelt berechnet. Einmalig gezahltes Arbeitsentgelt wird in einem weiteren Rechenschritt berücksichtigt. Das Ergebnis ist ein kumuliertes Regelentgelt.

1.2 Änderung der Beitragsbemessungsgrenze

Das Regelentgelt bleibt für die Dauer des Leistungsanspruchs unverändert. Das gilt auch, wenn sich die Beitragsbemessungsgrenze (Höchstregelentgelt) zum Jahreswechsel ändert. Die Bemessungsgrundlage für die Berechnung der Beiträge vom Krankengeld ist dagegen an veränderte Beitragsbemessungsgrenzen anzupassen.

2 Bemessungszeitraum

2.1 Arbeitsentgelt

Bemessungszeitraum ist der letzte vor dem Beginn der Arbeitsunfähigkeit abgerechnete Entgeltabrechnungszeitraum. Dieser umfasst mindestens 4 Wochen. Der Entgeltabrechnungszeitraum muss betriebsüblich abgerechnet sein. Es kommt nicht darauf an, dass der Versicherte für den gesamten Zeitraum Arbeitsentgelt beanspruchen kann. Es genügt, wenn für einen Teil des Entgeltabrechnungszeitraums Arbeitsentgelt abgerechnet wird. Dabei kann es sich auch um Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall oder Urlaubsentgelt handeln. Fehlzeiten infolge Arbeitsunfähigkeit, unbezahlten Urlaubs usw. sind deshalb hinsichtlich des Bemessungszeitraums unschädlich.

2.2 Arbeitseinkommen

Für Versicherte, die nicht Arbeitnehmer sind, gilt als Regelentgelt der kalendertägliche Betrag, der zuletzt vor dem Beginn der Arbeitsunfähigkeit für die Beitragsbemessung aus dem Arbeitseinkommen maßgebend war. Bemessungszeitraum ist der letzte Kalendertag vor dem Beginn der Arbeitsunfähigkeit.

 

Praxis-Tipp

Bemessungszeitraum

Die Praxis greift auch auf den letzten Kalendermonat vor dem Beginn der Arbeitsunfähigkeit zurück.

2.3 Änderungen im Inhalt des Arbeitsverhältnisses

Änderungen im Inhalt des Arbeitsverhältnisses nach dem Ende des Bemessungszeitraums werden nur berücksichtigt, wenn diese vor dem Beginn der Arbeitsunfähigkeit eintreten.

 

Praxis-Beispiel

Änderungen im Inhalt des Arbeitsverhältnisses

  • Ein seit Jahren bei demselben Arbeitgeber versicherungspflichtig beschäftigter Arbeitnehmer wechselt zum 1.1. von Vollzeitarbeit in Teilzeitarbeit. Der Arbeitnehmer ist seit dem 2.2. arbeitsunfähig krank und hat einen Anspruch auf Krankengeld. Bemessungszeitraum ist der Monat Dezember des Vorjahres. Da der Statuswechsel vor dem Beginn der Arbeitsunfähigkeit eingetreten ist, ist bei der Berechnung des Regelentgelts das Entgelt aus der Teilzeitarbeit zu berücksichtigen.
  • Ein Arbeitnehmer wechselt zum 1.8. vom Ausbildungs- in ein Angestelltenverhältnis. Der Arbeitnehmer ist seit dem 15.7. arbeitsunfähig krank und hat einen Anspruch auf Krankengeld. Bemessungszeitraum ist der Monat Juni. Da der Statuswechsel nach dem Beginn der Arbeitsunfähigkeit eingetreten ist, ist bei der Berechnung des Regelentgelts das Entgelt aus dem Ausbildungsverhältnis zu berücksichtigen.

2.4 Kontinuität der Bemessungsgrundlage

Es ist ein abweichender Entgeltabrechnungszeitraum heranzuziehen, wenn sich der Bezug von Krankengeld an Versorgungskranken-, Verletzten- oder Übergangsgeld anschließt. In diesen Fällen ist für die Regelentgeltberechnung auf den Bemessungszeitraum zurückzugreifen, welcher der Berechnung der vorhergehenden Entgeltersatzleistung zugrunde liegt.

 

Praxis-Beispiel

Kontinuität der Bemessungsgrundlage

Ein Versicherter nimmt in der Zeit vom 4.2.2020 bis zum 17.3.2020 an einer Maßnahme zur medizinischen Rehabilitation teil. Der Rentenversicherungsträger zahlt für den 17.3.2020 Übergangsgeld, das aus dem Bemessungszeitraum Januar 2020 berechnet wird. Der Versicherte wird arbeitsunfähig krank aus der Maßnahme entlassen und erhält bis auf weiteres Krankengeld. Bemessungszeitraum für die Berechnung des Regelentgel...

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