Praxis-Beispiele: Teilzeitbeschäftigung

1 Übergangsbereich

 

Sachverhalt

Eine Mitarbeiterin arbeitet 2020 an 15 Stunden in der Woche und erhält dafür 1.000 EUR brutto pro Monat. Sie hat Steuerklasse V, keine Kinderfreibeträge, keine Kirchensteuer und ist in einer gesetzlichen Krankenkasse (individueller Zusatzbeitrag 0,9 %) versichert. Ein weiteres sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis liegt nicht vor.

Wie werden für Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Beiträge zur Sozialversicherung ermittelt?

Lösung

Das Arbeitsentgelt wird sozialversicherungsrechtlich nach den Regeln des Übergangsbereichs behandelt. Dabei wird für die Berechnung des Arbeitnehmeranteils zur Sozialversicherung ein ermäßigtes Arbeitsentgelt zugrunde gelegt. Der Arbeitgeberanteil wird auf das normale Entgelt ermittelt. Steuerrechtlich ergeben sich keine Besonderheiten.

Der Faktor für den Übergangsbereich für 2020 lautet: 0,7547.

Die Gleitzonenformel für Bruttoentgelte zwischen 450,01 und 1.300 EUR lautet:

F x 450 + [{1.300/(1.300-450)} – {450/(1.300-450)} x F] x (Arbeitsentgelt – 450).

0,7547 x 450 + [1,5294 – 0,5294 x 0,7547] x (1.000 – 450) =

339,615 + 1,12986182 x 550 = 961,04 EUR

 
Beiträge zur Sozialversicherung
  Gesamtbeitrag Arbeitgeberanteil Arbeitnehmeranteil
Krankenversicherung

148,96 EUR

(961,04 EUR x 7,75 % = 74,48 EUR;

74,48 EUR x 2)

77,50 EUR

(1.000 EUR x 7,75 %)

71,46 EUR

(148,96 EUR – 77,50 EUR)
Rentenversicherung

178,76 EUR

(961,04 EUR x 9,3 % = 89,38 EUR;

89,38 EUR x 2)

93,00 EUR

(1.000 EUR x 9,3 %)

85,76 EUR

(178,76 EUR – 93,00 EUR)
Arbeitslosenversicherung

23,06 EUR

(961,04 EUR x 1,2 % = 11,53 EUR;

11,53 EUR x 2)

12,50 EUR

(1.000 EUR x 1,2 %)

11,06 EUR

(23,06 EUR – 12,00 EUR)
Pflegeversicherung (inkl. Zuschlag für Kinderlose)

31,72 EUR

(961,04 EUR x 1,525 % = 14,66 EUR;

14,66 EUR x 2 + 961,04 EUR x 0,25 %)

15,25 EUR

(1.000 EUR x 1,525 %)

16,47 EUR

(31,72 EUR – 15,25 EUR)
 
Abrechnung    
Bruttolohn   1.000,00 EUR
Lohnsteuer (Stkl. V) 100,66 EUR  
Solidaritätszuschlag 3,93 EUR  
Kirchensteuer 0,00 EUR - 104,59 EUR
Krankenversicherung 71,46 EUR  
Rentenversicherung 85,76 EUR  
Arbeitslosenversicherung 11,06 EUR  
Pflegeversicherung 16,47 EUR - 184,75 EUR
Nettolohn   710,66 EUR

Die Arbeitnehmerin ist bei einem Verdienst von über 450 EUR monatlich versicherungspflichtig in allen Zweigen der Sozialversicherung. Der Beitragsgruppenschlüssel lautet 1 1 1 1 (wie bei anderen versicherungspflichtigen Arbeitnehmern). In der Meldung zur Sozialversicherung wird das volle Bruttoentgelt in Höhe von 1.000 EUR gemeldet und nicht das ermäßigte Entgelt.

Praxis-Tipp:

In der Pflegeversicherung ist ein Zuschlag von 0,25 % für die kinderlose Arbeitnehmerin anzusetzen. In Steuerklasse V werden keine Kinderfreibeträge ausgewiesen: Falls die Arbeitnehmerin mindestens ein Kind hat, muss sich der Arbeitgeber ein geeignetes Dokument (Geburtsurkunde) vorlegen lassen, das die Elterneigenschaft der Arbeitnehmerin nachweist, und im Lohnkonto als Kopie aufbewahren.

2 Urlaubs- und Gehaltsanspruch

 

Sachverhalt

In einem Unternehmen ist als regelmäßige Arbeitszeit die 39-Stunden-Woche festgelegt. Ein neuer Mitarbeiter soll als Teilzeitkraft eingestellt werden. Er soll 21 Stunden wöchentlich arbeiten: montags, mittwochs und freitags jeweils 7 Stunden. Das Gehalt für eine Vollzeitstelle beträgt monatlich 1.950 EUR, der jährliche Urlaub 24 Arbeitstage, im Juni werden 50 % Urlaubsgeld gezahlt.

Wie hoch ist das Gehalt des Teilzeitmitarbeiters und wie viele Urlaubstage stehen ihm zu?

Lösung

Berechnung Gehalt

Das Gehalt wird anteilig entsprechend der im Arbeitsvertrag vereinbarten Stunden berechnet:

1.950 EUR / 39 Stunden x 21 Stunden = 1.050 EUR

Das Gehalt des Mitarbeiters beträgt bei einer wöchentlichen Arbeitszeit von 21 Stunden 1.050 EUR pro Monat.

Berechnung Urlaubstage

Der Urlaubsanspruch wird entsprechend der vereinbarten Arbeitszeit ermittelt:

24 Arbeitstage / 5 Tage x 3 Tage = 14,4 Tage; hier dürfen Sie auf 14 Tage abrunden

Der Mitarbeiter hat Anspruch auf 14 Tage Urlaub.

Hinweis

Sind die 21 Stunden Arbeitszeit auf die ganze Woche (5 Arbeitstage pro Woche) verteilt, stehen dem Arbeitnehmer auch volle 24 Tage Urlaub zu.

3 Überstunden

 

Sachverhalt

In einem Unternehmen ist als regelmäßige Arbeitszeit die 39-Stunden-Woche festgelegt. Ein neuer Mitarbeiter soll als Teilzeitkraft eingestellt werden. Er soll 21 Stunden wöchentlich arbeiten: montags, mittwochs und freitags jeweils 7 Stunden. Das Gehalt für eine Vollzeitstelle beträgt monatlich 1.950 EUR, der Urlaub 24 Arbeitstage jährlich, im Juni werden 50 % Urlaubsgeld gezahlt.

Nach einiger Zeit stellt sich heraus, dass der Arbeitnehmer gelegentlich mehr als 21 Wochenstunden arbeiten muss. Der Arbeitnehmer ist nach gemeinsamer Absprache bereit, entsprechend mehr zu arbeiten.

Wie müssen die Überstunden bezahlt werden, müssen ihm dafür Überstundenzuschläge gezahlt werden und wie wirkt sich das auf seinen Urlaub aus?

Lösung

Das Gehalt wird anteilig entsprechend der im Arbeitsvertrag vereinbarten Stunden berechnet:

1.950 EUR : 39 Stunden = 50 EUR × 21 Stunden = 1.050 EUR.

Überstunden sind regelmäßig vergütungspflichtig, sofern sie angeordnet wurden. Sie ...

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