Abschreibungsregeln für Software

Computeranlagen setzen sich i. d. R. zusammen aus der Hardware, die ein körperliches Wirtschaftsgut ist, und der Software, die als immaterielles Wirtschaftsgut beurteilt wird, sofern es sich um ein eigenständiges Wirtschaftsgut handelt. Ein einheitliches materielles Wirtschaftsgut wird angenommen, wenn die Software als unselbstständiger Bestandteil in das Gerät fest eingebaut und die Software auf das Gerät zugeschnitten ist oder wenn die Software zusammen mit der Hardware ohne gesonderte Berechnung und ohne Aufteilbarkeit des Entgelts zur Verfügung gestellt wird.

Wird Software zusammen mit der Hardware angeboten und dafür kein gesonderter Preis auf der Rechnung ausgewiesen, bildet beides eine Einheit und ist einheitlich auf die Nutzungsdauer abzuschreiben. Die Nutzungsdauer für PCs, Notebooks und Laptops sowie für Peripheriegeräte beträgt nach der "AfA-Tabelle für allgemein verwendbare Anlagegüter" 3 Jahre. Bei separater Anschaffung der Software kann diese unabhängig von der Hardware abgeschrieben werden. Dies wirft in der Praxis Probleme auf.

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Gesetzlich geregelt ist die Abschreibung in § 7 EStG. Abschreibungsvorschriften für geringwertige Wirtschaftsgüter sind die § 6 Abs. 2 und 2a EStG. Verwaltungsseitige Erläuterungen finden sich u. a. in R 5.5 EStR 2012.

1 Software

1.1 Begriff

Eine Computeranlage kann in 3 Gruppen unterteilt werden:

  • Bestandteile des Computers, z. B. Rechner, Festplatte, Laufwerke, Arbeitsspeicher, Grafikkarte, Schnittstellen,
  • externe Peripheriegeräte, z. B. Monitor, Drucker, Scanner, Modem, externe Laufwerke und
  • Software, z. B. Betriebssystem wie Windows 10, Anwenderprogramme.

Unter Software sind alle diejenigen Teile einer EDV-Anlage zu verstehen, die nicht zu den physischen Bestandteilen eines Computers gehören und somit nicht zur Hardware zählen. Zu unterscheiden ist zwischen der rein maschinenorientierten Systemsoftware und der Anwendersoftware, bei der wiederum zwischen Individual- und Standard-Anwender-Software unterschieden wird. Die Standard-Anwender-Software dient einem größeren, nicht weiter individualisierten Benutzerkreis zur Bewältigung gleichartiger Probleme, während die Individual-Anwender-Software für einen konkreten Problemfall und/oder einen bestimmten Anwender hergestellt wird.

1.2 Immaterielles Wirtschaftsgut

Wer separat ein Computerprogramm "käuflich" erwirbt und für diesen Erwerb ein Entgelt bezahlt, hat damit prinzipiell kein materielles, sondern ein immaterielles Wirtschaftsgut angeschafft. Die Aufwendungen sind keine Anschaffungskosten für ein bewegliches Wirtschaftsgut (Sache), sondern Anschaffungskosten für ein immaterielles Wirtschaftsgut, nämlich das Programm. Der BFH hat entschieden, dass Software regelmäßig ein immaterielles Wirtschaftsgut ist, auch dann, wenn es sich um Standardsoftware handelt, die auf einem Datenträger gespeichert ist.

2 Abschreibungsdauer

Abnutzbare Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens sind mit den Anschaffungs- oder Herstellungskosten vermindert um die AfA nach § 7 EStG anzusetzen. Bei Wirtschaftsgütern, deren Verwendung oder Nutzung durch den Steuerpflichtigen zur Erzielung von Einkünften sich erfahrungsgemäß auf einen Zeitraum von mehr als 1 Jahr erstreckt, ist jeweils für ein Jahr der Teil der Anschaffungskosten abzusetzen, der bei gleichmäßiger Verteilung dieser Kosten auf die Gesamtdauer der Verwendung oder Nutzung auf 1 Jahr entfällt (lineare AfA nach § 7 Abs. 1 Satz 1 EStG). Die AfA bemisst sich hierbei nach der betriebsgewöhnlichen Nutzungsdauer.

Die Abschreibungsdauer von Standard-Software muss sich i. d. R. an der für Hardware orientieren, d. h. sie ist prinzipiell über eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von 3 Jahren abzuschreiben. Für ERP-Software (Enterprise-Resource-Planning) schreibt die Finanzverwaltung eine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer von 5 Jahren vor.

3 Trivialprogramme

Bei Computerprogrammen wird bilanzsteuerrechtlich unterschieden zwischen immateriellen Wirtschaftsgütern und Trivialprogrammen. Um ein Trivialprogramm handelt es sich u. a., wenn ein Computerprogramm lediglich Datenbestände oder allgemein zugängliche Daten speichert. Bei Trivialprogrammen handelt es sich um Software, die in einer günstigen Preislage angeboten wird und im Handel von jedermann erworben werden kann. Trivialprogramme sind nach Meinung der Finanzverwaltung keine immateriellen, sondern abnutzbare bewegliche und selbstständig nutzbare Wirtschaftsgüter.

Hinweis

Computerprogramme mit Anschaffungskosten bis 410 EUR sind wie Trivialprogramme zu behandeln

Die Finanzverwaltung hat angeordnet, dass Computerprogramme, deren Anschaffungskosten nicht mehr als 410 EUR betragen, wie Trivialprogramme zu behandeln sind. Dem war der BFH gefolgt. Computerprogramme mit Anschaffungskosten bis 410 EUR sind danach abnutzbare bewegliche und selbstständig nutzbare Wirtschaftsgüter.

Der BFH hat offen gelassen, ob er im Interesse der Vereinfachung und Typisierung der Auffassung der Finanzverwaltung folgen könnte, dass Trivialprogramme...

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