Gleitzone: Beitragsberechnung bei Mehrfachbeschäftigung

Zusammenfassung

 

Überblick

Bei Mehrfachbeschäftigten ist die Beurteilung der Frage, ob die besonderen beitragsrechtlichen Regelungen der Gleitzone angewendet werden, nur von allen Arbeitgebern gemeinsam zu klären. Deshalb ist es erforderlich, dass die für die versicherungs- und beitragsrechtliche Beurteilung relevanten Daten allen Arbeitgebern bekannt sind. Der Beschäftigte ist verpflichtet, seinen Arbeitgeber über die Aufnahme einer weiteren Beschäftigung zu informieren. Trotz Mehrfachbeschäftigung kann die Anwendung der Gleitzone aber ausgeschlossen sein. Ob, in welchen Fällen und in welcher Weise die Gleitzonenregelungen anzuwenden sind, erläutert dieser Beitrag.

 

Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Sozialversicherung: Die Spitzenorganisationen der Sozialversicherung haben "Gemeinsame Grundsätze zur Beitragsberechnung nach § 22 Abs. 2 SGB IV bei Arbeitnehmern mit mehreren versicherungspflichtigen Beschäftigungen" verfasst (GR v. 9.12.2014).

Sozialversicherung

1 Mehrfachbeschäftigte

Übt der Arbeitnehmer mehrere Beschäftigungsverhältnisse aus[1], sind die Arbeitsentgelte aus diesen Beschäftigungen zu addieren, um festzustellen, ob das regelmäßige monatliche Arbeitsentgelt innerhalb der Gleitzone liegt.

Mehrfachbeschäftigte in diesem Sinne sind jedoch nur Arbeitnehmer, die mehrere Beschäftigungen ausüben, die mindestens in einem Sozialversicherungszweig Versicherungspflicht begründen. Daher können nur Arbeitsentgelte aus versicherungspflichtigen Beschäftigungen addiert werden.

2 Mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen

Hat ein Arbeitnehmer, der keiner versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung nachgeht, mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen bei verschiedenen Arbeitgebern, sind die Arbeitsentgelte aus diesen Beschäftigungen zu addieren. Die Gleitzonenregelungen werden nur dann angewendet, wenn die Addition der Entgelte zu einem über der Geringfügigkeitsgrenze liegenden Gesamtbetrag und damit zur Sozialversicherungspflicht führt. Arbeitsentgelte aus kurzfristigen Beschäftigungen werden bei der Ermittlung des Gesamtentgelts nie berücksichtigt. Einnahmen aus einer selbstständigen Tätigkeit[1] werden nicht berücksichtigt.

 

Praxis-Beispiel

Addition mehrerer geringfügig entlohnter Beschäftigungen

  • Beschäftigung A: mtl. Arbeitsentgelt 350 EUR
  • Beschäftigung B: mtl. Arbeitsentgelt 300 EUR

Durch die Addition der beiden für sich allein betrachtet geringfügig entlohnten Beschäftigungen entsteht in jeder Beschäftigung Versicherungspflicht. Das addierte Arbeitsentgelt beider Beschäftigungen liegt innerhalb der Gleitzone.

3 Mehrere versicherungspflichtige Beschäftigungen

Nur wenn mehrere – unter Umständen auch nur in einem Versicherungszweig – versicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse ausgeübt werden, werden die Gleitzonenregelungen angewendet. Dies aber nur dann, wenn das regelmäßige Arbeitsentgelt aus diesen Beschäftigungen in der Summe innerhalb der Gleitzone liegt.

 

Praxis-Beispiel

Addition mehrerer versicherungspflichtiger Beschäftigungen

  • Beschäftigung A: mtl. Arbeitsentgelt 460 EUR
  • Beschäftigung B: mtl. Arbeitsentgelt 500 EUR

Jedes Beschäftigungsverhältnis ist versicherungspflichtig, und jedes Arbeitsentgelt liegt innerhalb der Gleitzone. Die Summe der monatlichen Arbeitsentgelte von 960 EUR übersteigt die monatliche Gleitzonengrenze von 850 EUR. Deshalb sind die Beiträge in beiden Beschäftigungsverhältnissen nach den allgemeinen Grundsätzen zu berechnen und in der Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung jeweils vom Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zur Hälfte zu tragen.

Bei der Zusammenrechnung der Arbeitsentgelte aus mehreren Beschäftigungen ist zu beachten, dass eine "erste" geringfügige Beschäftigung versicherungsfrei bleibt[1], wenn sie neben einer versicherungspflichtigen (Haupt-)Beschäftigung ausgeübt wird.[2] Aufgrund des fortbestehenden Charakters der "ersten" Nebenbeschäftigung als geringfügige Beschäftigung ist diese nicht bei der Addition zu berücksichtigen.

4 Versicherungspflichtige und geringfügig entlohnte Beschäftigung

Bei der Addition von Arbeitsentgelten aus mehr als 2 Beschäftigungen ist zu beachten, dass die "erste" geringfügige Beschäftigung versicherungsfrei bleibt. Für die weitere Beschäftigung ist zu berücksichtigen, dass beim Bestehen einer versicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung eine Addition mehrerer Beschäftigungsverhältnisse in der Arbeitslosenversicherung dauerhaft ausgeschlossen ist.[1]

5 Versicherungspflichtige und mehrere geringfügig entlohnte Beschäftigungen

Arbeitnehmer, die bereits eine versicherungspflichtige Hauptbeschäftigung ausüben, können daneben nur eine geringfügig entlohnte Beschäftigung ausüben. Der zweite und jede weitere Minijob wird mit der Hauptbeschäftigung zusammengerechnet und ist in der Regel versicherungspflichtig in der Kranken-, Pflege- und Rentenversicherung.

 

Praxis-Beispiel

Addition einer versicherungspflichtigen mit mehreren geringfügig entlohnten Beschäftigungen

  • Beschäftigung A: mtl. Arbeitsentgelt 500 EUR
  • Beschäftigung B: mtl. Arbeitsentgelt 220 EUR (ab 1...

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