Frotscher/Geurts, EStG § 13... / 9.1.2 Gewinnerzielungsabsicht

Die Absicht der Gewinnerzielung (Rz. 36) zeigt sich in dem Bestreben, während des Bestehens des land- und forstwirtschaftlichen Betriebs, d. h. von seiner Gründung bis zu seiner Beendigung durch Veräußerung, Aufgabe oder Liquidation, einen Totalgewinn (Rz. 385ff.) zu erzielen. Ob die land- und forstwirtschaftliche Tätigkeit auf einer derartigen Absicht beruht, lässt sich als innere Tatsache nicht anhand von Erklärungen des Land- und Forstwirts, sondern nur aufgrund objektiver Umstände feststellen.

Rz. 376

Für die Bestimmung des Totalgewinns ist abzustellen auf den steuerlichen Gewinn bzw. steuerlichen Verlust. Der für die Prüfung der Gewinnerzielungsabsicht (Rz. 36) maßgeblich erzielbare Totalgewinn setzt sich aus den in der Vergangenheit und zukünftig zu erwartenden laufenden Gewinnen und Verlusten und dem sich bei der Betriebsbeendigung voraussichtlichen Veräußerungs- oder Aufgabegewinn bzw. Veräußerungs- oder Aufgabeverlust zusammen. Stille Reserven sind bei der Ermittlung des Totalgewinns also zu berücksichtigen. Steuerfreie Einnahmen bleiben außer Ansatz. Keine Berücksichtigung finden inflationsbedingte Wertzuwächse, außergewöhnliche Verluste und Erträge sowie Sonderabschreibungen. Anzusetzen im Rahmen der Prognoserechnung ist die normale AfA. Irrelevant für die Beurteilung sind nach betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten ermittelte Periodenergebnisse.

Rz. 378

Maßgebend für die Bestimmung des Totalgewinns (Rz. 385ff.) ist auch ein nach Durchschnittssätzen ermittelter Gewinn. Dies gilt auch dann, wenn die Gewinnermittlung nach Durchschnittssätzen ausnahmsweise zu einem Verlust führt. Ein Land- oder Forstwirt, der seinen Gewinn nicht nach § 4 Abs. 1 oder 3 EStG, sondern nach Durchschnittssätzen ermittelt, kann sich mangels nachgewiesener Verluste nicht auf eine steuerlich unbeachtliche Liebhaberei berufen.

Rz. 379

Der Größe des land- und forstwirtschaftlichen Betriebs kann Indizwirkung für das Vorliegen bzw. Nichtvorliegen der Gewinnerzielungsabsicht zukommen.

Rz. 380

Voraussetzung für das Bestehen eines landwirtschaftlichen Betriebs ist nicht eine gewisse Mindestgröße oder voller landwirtschaftlicher Besatz. Aus Gründen der Verwaltungsvereinfachung ist aber davon auszugehen, dass mangels Gewinnerzielungsabsicht kein landwirtschaftlicher Betrieb vorliegt, wenn die bewirtschaftete Fläche nicht größer als 3.000 qm ist. Dies gilt nicht, wenn die entsprechenden Flächen intensiv genutzt werden, z. B. für Sonderkulturen, Gemüse-, Blumen- oder Zierpflanzenbau. Bei der Grenze von 3.000 qm handelt es sich nicht um eine starre Grenze. Weder kann zwingend bei einem Unterschreiten von fehlender Gewinnerzielungsabsicht noch bei einem Überschreiten von bestehender Gewinnerzielungsabsicht ausgegangen werden. Maßgebend sind vielmehr die Verhältnisse im Einzelfall. Beurteilungskriterien sind neben der Flächengröße ihre konkrete Bewirtschaftung sowie deren Lage und Aufteilung. Von daher stellt die 3.000 qm-Regelung nur eine widerlegbare Vermutung zur Abgrenzung des landwirtschaftlichen Betriebs von der Liebhaberei dar.

Rz. 381

Auch im Rahmen der Tierzucht und Tierhaltung ist davon auszugehen, dass kleinere Tierbestände wegen des höheren Fixkostenanteils regelmäßig keine Gewinne abwerfen mit der Folge des Fehlens der Gewinnerzielungsabsicht. Maßgebend sind aber auch hier die jeweiligen Verhältnisse im Einzelfall.

Rz. 382

Für die Annahme eines forstwirtschaftlichen Betriebs ist eine Mindestgröße der bewirtschafteten Fläche erforderlich. Eine allgemeingültige Festlegung der Mindestgröße ist nicht möglich. Sie hängt ab von der Art des Nutzholzes, der Bodenqualität sowie von Lage und Zuschnitt der Fläche. Nach Auffassung der Finanzverwaltung können im Allgemeinen Flächen unter 1 ha für sich allein keinen Erwerbsbetrieb begründen, soweit nicht außergewöhnliche Umstände, z. B. außergewöhnlich wüchsige und wertvolle Holzbestände, eine andere Beurteilung rechtfertigen. Bei Flächen über 5 ha ist regelmäßig von einem Erwerbsbetrieb auszugehen. Auf die Prüfung der Gewinnerzielungsabsicht kann verzichtet werden. Demgegenüber ist bei Flächen zwischen 1 ha und 5 ha im Rahmen einer Einzelfallprüfung zu entscheiden, ob ein Erwerbsbetrieb vorliegt oder nicht. Dabei ist sowohl die Flächengröße als auch die auf die Umtriebszeit verteilte Gewinnerwartung zu berücksichtigen. Auch bei dieser Regelung handelt es sich nur um eine widerlegbare Vermutung zur Abgrenzung des forstwirtschaftlichen Betriebs von der Liebhaberei. Letztlich entscheidend für das Vorliegen der Gewinnerzielungsabsicht ist, ob ein Totalgewinn bezogen auf die Umtriebszeit erzielt werden kann oder nicht. Zwar hatte der BFH bei forstwirtschaftlichen Betrieben Zweifel an der Gewinnerzielungsabsicht bei einem Einkommen von weniger als 500 EUR geäußert. An dieser Auffassung hält er jedoch nicht mehr fest.

Rz. 383

Das Bestehen der Gewinnerzielungsabsicht ist nicht einheitlich für den gesamten land- und forstwirtschaftlichen Betrieb zu prüfen. Vielmehr gelten die zur Liebhaberei entwickelten...

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