Zusammenfassung

 
Begriff

Das sog. Sabbatical – früher auch "Sabbatjahr" – ist kein fest definierter Rechtsbegriff. In diesem Beitrag wird hierunter eine längere, meist mehrmonatige Unterbrechung des Arbeitslebens verstanden. Der Arbeitnehmer erhält während dieser befristeten Auszeit monatlich ein Arbeitsentgelt, das er durch Vor- bzw. Nacharbeit erwirtschaftet hat. Liegt der befristeten Freistellung eine schriftliche Wertguthabenvereinbarung zwischen dem Arbeitnehmer und Arbeitgeber zugrunde, ist der Arbeitnehmer bei längerfristigen Freistellungen während der gesamten Zeit sozialversicherungsrechtlich abgesichert.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

Arbeitsrecht: Arbeitsrechtlich sind Vorschriften des Arbeitszeitgesetzes zu beachten. Daneben hat der Betriebsrat bei der Einführung entsprechender Regelungen ein Mitbestimmungsrecht.

Lohnsteuer: Lohnsteuerlich sind die allgemeinen Grundsätze zum Lohnzufluss (§ 38 EStG) und zur Lohnsteuererhebung (§ 39b EStG) zu beachten.

Sozialversicherung: § 7 Abs. 1a SGB IV regelt die versicherungsrechtlichen, § 23b SGB IV die beitragsrechtlichen Auswirkungen eines Sabbatjahres im Rahmen flexibler Arbeitszeitregelungen.

Die Spitzenorganisationen der Sozialversicherung haben die versicherungs-, beitrags- und melderechtlichen Auswirkungen der flexiblen Arbeitszeitmodelle in einem Gemeinsamen Rundschreiben dargestellt (GR v. 31.3.2009).

 
Kurzübersicht
 
Entgelt LSt SV
Weiter gezahlter Arbeitslohn aus Zeitwertguthaben pflichtig pflichtig

Arbeitsrecht

1 Kein genereller Anspruch auf Auszeit

Auszeiten können auf unterschiedliche Weise durchgeführt werden. So kommen zum einen die Gewährung von unbezahltem Sonderurlaub und zum anderen das Ansparen und der spätere Ausgleich von Arbeitszeitguthaben in Betracht. Letzteres ist unter dem Begriff "Sabbatical" bekannt. Der Arbeitnehmer spart dabei – ähnlich dem Blockmodell bei der Altersteilzeit – über einen gewissen Zeitraum hinweg auf einem Langzeitkonto Arbeitszeit an. Das angesparte Arbeitszeitguthaben kann der Arbeitnehmer schließlich für eine längere Freistellung von der Arbeitspflicht aufwenden. Die Arbeitszeitguthaben sind grundsätzlich in Arbeitsentgelt umzurechnen.[1]

In der Privatwirtschaft gibt es regelmäßig keinen generellen Anspruch auf Gewährung eines Sabbaticals. Jedenfalls ist ein solcher Anspruch gesetzlich nicht verankert. Es kann aber tarifliche oder betriebliche Regelungen hierzu geben.

 
Hinweis

Sabbatical in Form einer Brückenteilzeit

Darüber hinaus gibt es seit 1.1.2019 einen Anspruch auf sog. Brückenteilzeit.[2] Hiernach kann ein ein Arbeitnehmer einen Antrag auf Reduzierung seiner Arbeitszeit für einen begrenzten Zeitraum stellen; z. B. für 1 Jahr die Arbeitszeit um 50 % zu reduzieren. Parallel dazu kann er bzgl. der Lage der Arbeitszeit beantragen, verblockt zunächst zu 100 % weiterzuarbeiten und anschließend ein halbes Jahr nicht zu arbeiten. Der Arbeitgeber muss diesem Antrag zustimmen, sofern nicht betriebliche Gründe gegen diese Brückenteilzeit sprechen. Auch wenn oftmals betriebliche Gründe gegen eine solch verblockte Verteilung der Arbeitszeit vorliegen werden, kann dies in Einzelfällen zu einem gesetzlichen Anspruch eines Arbeitnehmers auf ein Sabbatical führen.

Schließlich sollte ein Arbeitgeber beachten, dass er auch durch Aufstellung abstrakter Prinzipien bei der Gewährung von Sabbaticals bei einzelnen Arbeitnehmern aufgrund des allgemeinen Gleichheitsgrundsatzes an diese Prinzipen zukünftig gebunden ist. Weiteren Arbeitnehmern kann er ein solches Sabbatical dann ggf. nur noch verwehren, wenn es einen sachlichen Grund für diese Ungleichbehandlung gibt.

Üblicherweise enthält der Arbeitsvertrag selbst keine vorweggenommene allgemeine Regelung zur Befreiung von der Arbeitspflicht. Dann bedarf es einer gesonderten Vereinbarung im konkreten Fall.

[2] § 9a TzBfG,

Eine Vorausstzung ist jedoch u. a., dass der Arbeitgeber in der Regel mehr als 45 Arbeitnehmer beschäftigt.

1.1 Vorteile

Eine begrenzte Freistellung von Mitarbeitern in Zeiten mangelnder Aufträge kann den Arbeitgeber entlasten und er kann trotzdem seine Mitarbeiter und das damit verbundene Know-how im Unternehmen halten.

Sabbaticals helfen den Mitarbeitern zudem, vorübergehend Abstand zu gewinnen und neue Erfahrungen zu sammeln. Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird erleichtert und das Unternehmen im Wettstreit um Nachwuchskräfte gestärkt. Bei der Auswahl des Arbeitgebers achten diese zunehmend auf das Thema "Work-Life-Balance", das gerade auch innovative Arbeitszeitmodelle umfasst.

1.2 Art der Vereinbarung

Die Vereinbarung sollte schon aus Nachweisgründen in jedem Fall schriftlich getroffen werden und alle wesentlichen Punkte enthalten, wie etwa

  • die Durchführung der Arbeitszeitansparung,
  • die mögliche Dauer des Sabbaticals,
  • Regelungen zur Vergütung,
  • Regelungen zur Urlaubsentstehung während des Sabbaticals,
  • Versicherungen,
  • betriebliche Altersversorgung,
  • und anderen Sonderleistungen des Arbeitgebers sowie
  • gerade aus Arbeitnehmersicht – die Aufgabe und Position des Arbeitnehmers nach seiner Rückkehr.

Teilweise wird in einer solchen V...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Haufe Personal Office Platin. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Haufe Personal Office Platin 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge