1 Systematische Einordnung
Für die Beschreibung der funktionalen und organisatorischen Wertschöpfung wird in der Verrechnungspreispraxis eine sog. Funktions- und Risikoanalyse durchgeführt. Die Funktions- und Risikoanalyse dient der Bestimmung der ausgeübten Tätigkeiten und Verantwortlichkeiten auf Ebene der einzelnen Unternehmen und deren relativen Bedeutung hinsichtlich der transaktionsbezogenen Wertschöpfung der Unternehmensgruppe. Die Funktions- und Risikoanalyse ist ein Kernbereich jeder Verrechnungspreisdokumentation. Mithilfe der Funktions- und Risikoanalyse kann festgestellt werden, ob die gewählten Verrechnungspreismethoden richtig sind, ob Routine- oder Nichtroutinefunktionen vorliegen bzw. Routine- oder Nichtroutinerisiken bestehen und bei welchen Konzerngesellschaften letztlich der residuale Gewinn bzw. Verlust aus der Einzeltransaktion bzw. aus der Gesamtzahl der Transaktionen zu verbleiben hat.
2 Inhalt
Seitens der OECD wurde ein sog. six-step-approach eingeführt (OECD-Transferpricingguideline, OECD-TPG, Tz. 1.60), der eine Leitlinie im Rahmen des Fremdvergleichsgrundsatzes vorgibt, Risiken zu identifizieren, darzustellen und zuzuordnen. Im nationalen Recht wird in § 1 Abs. 3 S. 2 AStG die Funktions- und Risikoanalyse an zentraler Stelle im deutschen Außensteuerrecht geregelt. Weitere Ausführungen enthalten § 1 Abs. 3 GAufZV und die Tz. 3.5 – 3.8. Verwaltungsgrundsätze Verrechnungspreise 2024.
Den Kern der Funktions- und Risikoanalyse bildet der risk-control-approach, wonach eine Zuordnung von Risiken auf Grundlage von (Personal-)Funktionen zur Steuerung der Risiken sowie den finanziellen Mitteln zur Übernahme dieser Risiken abhängt. Kontrolle ist dabei grundsätzlich definiert als die Fähigkeit darüber zu entscheiden, Risiken einzugehen und Risiken zu managen, und diese Entscheidungsfunktio...