Zusammenfassung

Qualitätszirkel (Quality Circles) sind in deutschen Unternehmen eine anerkannte und in der Praxis bewährte Methode der Gruppenarbeit. Es handelt sich um eine partizipative Form der Gruppenarbeit, die einerseits auf der Sachebene für eine Verbesserung von Produkten und Abläufen und andererseits auf der Beziehungsebene für ein besseres Kommunikationsverhalten sorgen soll. Aus der Sicht des Gesamtunternehmens gehören Qualitätszirkel zur umfassenden Managementphilosophie des Total Quality Management (TQM).

1 Begriff

Ein Qualitätszirkel besteht aus einer kleinen Gruppe von Mitarbeitern eines Unternehmensbereichs, die sich freiwillig zusammenfindet und durch einen Moderator geleitet wird. In regelmäßigen Sitzungen werden während der Arbeitszeit selbstgewählte Probleme und Schwachstellen aus dem eigenen Arbeitsbereich analysiert, Verbesserungsvorschläge und Problemlösungen erarbeitet und die erzielten Ergebnisse kontrolliert. Ziel ist es, für den Einzelnen bessere Arbeitsbedingungen als bisher zu schaffen.

2 Ziele

Qualitätszirkel sind auf zwei Ziele ausgerichtet:

Qualitätsverbesserung bei Produkten und Abläufen als kurzfristiger wirtschaftlicher Nutzen:

  • Auffinden, Analysieren und Beseitigen von Schwachstellen im Arbeitsprozess und
  • exaktere Kontrolle der Qualität.

Personalentwicklung als langfristiger Nutzen:

  • Mitarbeit im Qualitätszirkel als Maßnahme der Personalentwicklung,
  • Verbesserung des Kommunikationsverhaltens und der zwischenmenschlichen Beziehungen im Unternehmen und
  • stärkere Identifizierung mit der eigenen Arbeit und dem Gesamtunternehmen.

3 Geschichte der Qualitätszirkel

Die Idee der Qualitätssicherung in Kleingruppen wurde zuerst in Japan auf breiter Basis in die Unternehmen eingeführt. Die Qualitätszirkel-Bewegung erreichte Deutschland Anfang der achtziger Jahre. 1986 wurde die "Deutsche Quality Circle Gesellschaft" gegründet. Von der Produktion weitete sich die Anwendung inzwischen auf die Unternehmensbereiche Verwaltung, Vertrieb und Forschung und Entwicklung aus.

Schließlich fand die Idee sogar Eingang in öffentliche Verwaltungen und soziale Einrichtungen. Als Folge der allgemeinen wirtschaftlichen Dynamik stieg die Qualitätssicherung zu einem strategischen Unternehmensziel auf. Heute sind Qualitätszirkel ein Baustein in einer umfassenden Philosophie des Total Quality Management.

4 Vorbereitung, Durchführung und Ergebnisse

4.1 Vorbereitung

Zunächst bestimmt die Geschäftsleitung eine aus mehreren Führungskräften bestehende Steuerungsgruppe. Die Steuerungsgruppe erarbeitet ein Gesamtkonzept, wählt Koordinatoren zur Unterstützung aus, kontrolliert die Arbeiten und wertet die Ergebnisse der Zirkel aus.

Das erfolgreiche Arbeiten mit Qualitätszirkeln setzt voraus, dass die Geschäftsleitung bereits während der Vorbereitungsphase alle betroffenen Mitarbeiter informiert und aktiv in die Gestaltung miteinbezieht. Die Mitarbeiter müssen von den Vorzügen der Gruppenarbeit überzeugt werden. Der Qualitätszirkel scheitert, wenn er lediglich von oben "verordnet" wird.

4.2 Durchführung

Der Qualitätszirkel wird durch einen Moderator geleitet. In der Regel wird hierzu ein Vorgesetzter oder ein anerkannter, fähiger Mitarbeiter bestimmt. Der Moderator hat die Aufgabe, zur engagierten Mitarbeit bei der Problemlösung anzuregen, die entstehenden Diskussionen zu leiten und die Ergebnisse vorzutragen. Die ideale Gruppengröße liegt zwischen vier und acht Mitgliedern.

Ein Qualitätszirkel soll helfen, betriebliche Sachprobleme zu bewältigen und bestimmt in eigener Verantwortung, welche betrieblichen Probleme er behandelt. Diese Grundregel motiviert die Teilnehmer, auch ganz alltägliche Ärgernisse offen auszusprechen. Für das methodische Vorgehen sind folgende Problemlösungstechniken geeignet:

  • Brainstorming,
  • Brainwriting,
  • Datensammlung,
  • Ursache-Wirkungs-Diagramm,
  • Diskussion und Workshop.

4.3 Ergebnisse

Der Moderator hat die Pflicht, von jeder Sitzung ein Ergebnisprotokoll zu erstellen. Meist führt die Kompetenz der Gruppe zu praktikablen Lösungsvorschlägen. Das Ergebnis bzw. die erfolgreiche Lösung eines Problems sollte natürlich auch in geeigneter Weise im Unternehmen veröffentlicht und präsentiert werden.

5 Abgrenzung zu ähnlichen Methoden

  • Qualitätskontrolle: technisch orientiert, setzt zeitlich nach der Produktion ein, während der Qualitätszirkel den gesamten Produktionsprozess betrachtet;
  • Wertanalyse: die Wertanalyse beschäftigt sich mit deutlich komplexeren Aufgabenstellungen. Dabei geht es unter anderem um die Analyse der Folge einer Maßnahme im Hinblick auf ihre Kosten;
  • Betriebliches Vorschlagswesen: eher spontane Lösungsvorschläge durch einzelne Mitarbeiter;
  • Personalentwicklung: hier steht stärker die systematische Qualifizierung des einzelnen Mitarbeiters im Mittelpunkt;
  • Organisationsentwicklung: die Organisationsentwicklung konzentriert sich mehr auf übergeordnete organisatorische Aspekte. Hierzu werden auch externe Berater herangezogen;
  • Lernstatt: die Lernstatt ist ein Instrument der Personalentwicklung. Ziel ist ein gemeinsames Lernen am Arbeitsplatz.

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