Potenzialentfaltung: Was Steuerberater von Pinguinen lernen können

Analyse 22.07.2020 Learning & Development

Neues Personal macht sich rar und die Aufgaben türmen und wandeln sich zunehmend. Das verschärft die Personalnot. Erleichterung können sich Kanzleien mit der Potenzialentwicklung verschaffen. Um Sie darauf einzustimmen, werfen Sie doch mal einen Blick auf Pinguine.

Potenzialentwicklung in Steuerkanzleien

Es ist ein Drama mit den Pinguinen. Ihr Watschelgang erlaubt nur Schneckentempo. Sie kommen kaum vom Fleck. Rennen? Fehlanzeige. Und vom Hürdenlauf oder Hochsprung wollen wir gar nicht erst anfangen, oder? 

Kommt Ihnen dieser Gedanke auch mal, wenn Sie an Ihre Kanzlei denken? Sie brauchen mehr Tempo, aber schon der Normalbetrieb geht zu langsam? Gerade jetzt – wo so viele neue Tätigkeiten in der Steuerberatung gefragt sind: Vertrieb, um die richtigen Mandanten anzuziehen. IT Kenntnisse, um mit der technischen Entwicklung Schritt zu halten. Und Geschick beim Aufbau einer Arbeitgebermarke, um langfristig im Wettstreit um Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mithalten zu können. So viele neue Aufgaben. Wie soll das gehen?

Ein Plädoyer für Potenzialentfaltung

Die gute Nachricht: Höchstwahrscheinlich haben Sie diese gefragten Kräfte bereits im Team. Stichwort Potenzialentfaltung.

Vielleicht hilft Wasser. Bei den Pinguinen jedenfalls macht es den Unterschied. Im Wasser sind Pinguine pfeilschnell, wendig und energieeffizient. An Land bestenfalls drollige Fußgänger, aber im Wasser exzellente Schwimmer. Was für ein Unterschied es doch macht, wenn jemand in seinem Element ist!

Vielleicht ist es mit Ihren Mitarbeitern ja ganz ähnlich? Im Arbeitsleben langsam und beladen mit Aufgaben, die der stressreiche Alltag in einer Kanzlei so auftürmt, flott und leichtfüßig bewältigen sie hingegen Aufgaben, bei denen sie in ihrem Element sind. 

Oft zeigen sich solche Fähigkeiten in der Freizeit: Eine Mitarbeiterin organisiert locker eine Jugendmannschaft, weiß deren Eigenarten zu nehmen, hält ihre Freude am Sport wach, leitet Turniere und Auslandsfahrten. Ein anderer Mitarbeiter wirbt Sponsoren fürs Stadtteilfest, rührt die Social-Media-Werbetrommel und bringt das Fest in die Lokalpresse. Und wieder eine andere Mitarbeiterin versteht sich sehr erfolgreich darauf, die eigene Ferienwohnung per Internet zu vermarkten.

Es liegt auf der Hand, dass die erste Mitarbeiterin gut für die Betreuung der Azubis wäre, der zweite eine Idealbesetzung für die Themen Werbung und Arbeitgebermarketing und die dritte für Vertrieb und Internetmarketing. Ob sie diese Stärken auch in der Kanzlei einbringen können?

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Eine Anleitung zur Potenzialentfaltung

Zugegeben, ob Sie tatsächlich solche Talente in der Kanzlei haben, lässt sich aus der Entfernung nicht sagen. Aus Erfahrung lässt sich aber sagen, dass Aufgaben und Talente in der Kanzlei oft nicht deckungsgleich verteilt sind. Und mal angenommen, man wollte Talente und Aufgaben besser übereinbringen. Was wäre zu tun? 

  1. Legen Sie Ihre Ziele den Mitarbeitern offen. Sie möchten als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen werden und stärker auf Social Media präsent sein? Sprechen Sie es aus. Genau wie etwaige andere Ziele. Ihre Mitarbeiter müssen Ihre Ziele kennen, um zu erkennen, wo vielleicht ihre geheimen Stärken gefragt sein könnten.
  2. Potentiale finden und fördern. Sie müssen nicht warten, Sie können auch das Wort direkt an einzelne Angestellte richten. Jahresgespräche sind dazu eine gute Gelegenheit: Fragen wie „Was machen Sie eigentlich gern“ oder „Wo sehen Sie – unabhängig von der Kanzlei – Ihre Stärken?“ bringen Sie auf die richtige Spur.
  3. Fokussieren Sie sich und auch die Gespräche auf die Stärken des individuellen Mitarbeiters. Dort werden Sie mehr Offenheit und Entgegenkommen, mehr Potential und Fortschritt finden … als wenn Sie einem Pinguin unbedingt Hürdenlauf beibringen wollen.
  4. Jetzt ist es an Ihnen. Es gilt, die Selbstauskünfte der Mitarbeiter auch zu würdigen. Sie können jetzt in Übereinstimmung mit Ihrem Mitarbeiter Talent und Aufgaben besser zuordnen – geben Sie den richtigen Mitarbeitern die richtigen Aufgaben.
  5. Das kann bedeuten, Mitarbeitern Entlastung von Routineaufgaben zu gewähren und diese neu zu vergeben. 
  6. Sorgen Sie für Verbindlichkeit. Lassen Sie Ihre Mitarbeiter die Wünsche nach einer veränderten Aufgabenverteilung formulieren und halten Sie das gemeinsame Ergebnis fest. So haben Sie ein gemeinsames Ziel.

Aus der Zusammenarbeit mit Kanzleien sind mir zwei ehemalige Duale Studenten in Erinnerung, die heute die Digitalisierungsbeauftragten in ihrer Kanzlei sind. Beide Kanzleien haben den jungen Leuten einen Job um ihre Talente herum gebaut, welcher sich auch mit den Kanzleizielen ergänzt. Die Motivation und das Engagement dieser beiden ist seit dem Zeitpunkt an nochmal stark gewachsen.

Die Aufgaben in der Steuerberatung haben sich erweitert. Und der Personalmangel entwickelt sich zunehmend zum Flaschenhals des Wachstums. Die Potentialentwicklung in der eigenen Belegschaft kann dem entgegenwirken. Und falls Sie sich fragen, warum die Pinguine als Einstiegsbeispiel gewählt wurden: Eckart von Hirschhausen hat das sehr amüsant in diesem Video erklärt.


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