Auslandskinder / 5.2 Kinder- und Bedarfsfreibetrag

Auch für Kinder, die ihren Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland haben, sind grundsätzlich die Freibeträge in der nach § 32 Abs. 6 Sätze 1 bis 3 EStG maßgebenden Höhe abzuziehen:

 
Kinderfreibetrag: EUR (Jahresbetrag)

2016

2017

2018

2019

2020

2.304/4.608

2.358/4.716

2.394/4.788

2.490/4.980

2.586/5.172
Bedarfsfreibetrag: EUR (Jahresbetrag)
seit 2010 1.320/2.640

Die Freibeträge für Kinder werden grundsätzlich nicht unter den elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen (ELStAM) des Arbeitnehmers erfasst. Nur in den Fällen, in denen die Eltern weder Anspruch auf inländisches Kindergeld noch auf vergleichbare andere Leistungen i. S. d. § 65 EStG (z. B. ausländische Familienleistungen) haben, werden Kinderfreibetrag und Bedarfsfreibetrag als Freibetrag bei den elektronischen Lohnsteuerabzugsmerkmalen berücksichtigt.[1]

Ein Steuerpflichtiger erhält den vollen Kinderfreibetrag und den vollen Bedarfsfreibetrag, wenn der andere Elternteil seinen Wohnsitz im Ausland hat und daher nicht unbeschränkt steuerpflichtig ist.

Sowohl der Kinderfreibetrag als auch der Bedarfsfreibetrag ermäßigen sich für jeden Kalendermonat, in dem die Voraussetzungen für diese Freibeträge nicht an mindestens einem Kalendertag vorliegen, um je 1/12 des Jahresbetrags.[2]

Der Kinderfreibetrag und der Bedarfsfreibetrag ermäßigen sich bei Auslandskindern nach den Grundsätzen der Ländergruppeneinteilung[3] auf 3/4, 1/2 oder 1/4.[4]

Nach den Ländergruppeneinteilungen für VZ 2014 bis 2016[5] sowie ab VZ 2017[6] sind die folgenden EU-Staaten nicht in Ländergruppe 1 (= 4/4) zugeordnet:

 
  Ländergruppeneinteilung
 

2014 bis 2016

Gruppe

ab 2017

Gruppe
Bulgarien 3 3
Estland 2 2
Griechenland 2 2
Kroatien 2 3
Lettland 3 2
Litauen 3 2
Malta 2 2
Polen 3 3
Portugal 2 2
Rumänien 3 3
Slowakische Republik 2 2
Slowenien 2 2
Tschechische Republik 2 2
Ungarn 2 3
Zypern 1 2

Ländergruppe

2 = 3/4-Anteil

3 = 1/2-Anteil

4 = 1/4-Anteil

 
Praxis-Beispiel

Höhe der Beträge für ausgewählte Staaten

Für Kinder mit Wohnsitz in folgenden beispielhaft ausgewählten Staaten ist im VZ 2020 der Jahresbetrag des vollen (für beide Elternteile) Kinderfreibetrags und des vollen Bedarfsfreibetrags nach den Grundsätzen der Ländergruppeneinteilung in der aufgeführten Höhe anzusetzen:

 
Wohnsitzstaat des Kindes

Höhe des Kinder­freibetrags

EUR

Höhe des Bedarfs­freibetrags

EUR
Kanada 5.172 (1/1) 2.640 (1/1)
Norwegen 5.172 (1/1) 2.640 (1/1)
Schweiz 5.172 (1/1) 2.640 (1/1)
Slowenien 3.879 (3/4) 1.980 (3/4)
Marokko 1.293 (1/4) 660 (1/4)
Polen 2.586 (1/2) 1.320 (1/2)
Tschechische Republik 3.879 (3/4) 1.980 (3/4)
Türkei 2.586 (1/2) 1.320 (1/2)
 
Praxis-Beispiel

Kind lebt dauerhaft in den USA

Elvis P. und Tina T. sind deutsche Staatsangehörige, verheiratet und haben ihren Wohnsitz in Jena. Die 17-jährige Tochter Chelsea lebt auf Dauer bei der Großmutter in Atlanta (USA). Die Eltern bestreiten ihren Unterhalt.

Inwieweit sind für Chelsea in 2020 ein Kinderfreibetrag und ein Bedarfsfreibetrag zu berücksichtigen?

Lösung:

Chelsea ist als leibliches Kind der Eheleute nach § 32 Abs. 1 Nr. 1 EStG i. V. m. § 32 Abs. 3 EStG zu berücksichtigen. Der Kinderfreibetrag beträgt 5.172 EUR, der Bedarfsfreibetrag 2.640 EUR.

Anspruch auf Kindergeld besteht nicht, da die Eltern zwar Anspruchsberechtigte i. S. d. § 62 Abs. 1 Nr. 1 EStG sind. Da das Kind jedoch seinen Wohnsitz weder in einem EU-/EWR-Staat bzw. der Schweiz noch in einem Abkommensstaat hat, erfüllt es nicht die Voraussetzungen von § 63 Abs. 1 EStG.

Soweit die Großmutter in den USA eine kindergeldähnliche Leistung für ihr Enkelkind erhält, ist diese Leistung bei Abzug des Kinderfreibetrags im Rahmen der ESt-Veranlagung der Eltern der tariflichen Einkommensteuer hinzuzurechnen.

Berechnung der Zuschlagsteuern

Bei der Ermittlung der Bemessungsgrundlage für die Zuschlagsteuern (Solidaritätszuschlag, Kirchensteuer) ist jeweils der höchste Monatsbetrag auf einen Jahresbetrag hochzurechnen[7]; dies bedeutet, jeweils den höchsten Jahresbetrag des Kinderfreibetrags und des Bedarfsfreibetrags anzusetzen. Dieser Fall tritt ein, wenn der Wohnsitz des Kindes im Laufe des VZ zwischen Staaten mit unterschiedlicher Einstufung nach der Ländergruppeneinteilung wechselt (z. B. von der Türkei nach Deutschland oder umgekehrt).

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Deutsches Anwalt Office Premium. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Deutsches Anwalt Office Premium 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge