Flexirentengesetz: Beschäft... / 2.1 Prüfung des Hinzuverdienstes bei Altersrenten

Im ersten Schritt wird der Hinzuverdienst innerhalb eines Kalenderjahres neben der Altersrente betrachtet und geprüft, ob dieser Hinzuverdienst die kalenderjährliche Hinzuverdienstgrenze von 6.300 EUR (brutto) übersteigt. Ist dies nicht der Fall, besteht in dem jeweiligen Kalenderjahr Anspruch auf Altersvollrente. Wird die Hinzuverdienstgrenze von 6.300 EUR überschritten, ist der übersteigende Betrag festzustellen und – um ihn auf Monatsbasis umzurechnen – durch 12 zu teilen. Von diesem Betrag werden 40 % auf die Vollrente angerechnet. Verbleibt nach der Anrechnung ein Restbetrag, ist dies die stufenlose Teilrente im Kalenderjahr. Verbleibt kein Restbetrag, besteht kein Rentenanspruch.

Im zweiten Schritt ist der sog. Hinzuverdienstdeckel zu prüfen. Übersteigt die verbliebene Teilrente nach dem ersten Schritt (40 % Anrechnung) zusammen mit 1/12 des kalenderjährlichen Hinzuverdienstes den Hinzuverdienstdeckel, kommt es zu einer weiteren Anrechnung. In diesem Fall mindert sich die – nach dem ersten Schritt festgestellte – Teilrente weiter. Verbleibt ein Restbetrag, ist dies die finale Teilrente im Kalenderjahr. Verbleibt kein Restbetrag, besteht kein Rentenanspruch.

 
Achtung

Höhere Hinzuverdienstgrenze und keine Anwendung des Hinzuverdienstdeckels bei vorgezogenen Altersrenten im Jahr 2020

An die Stelle der kalenderjährlichen Hinzuverdienstgrenze von 6.300 EUR tritt im Jahr 2020 eine kalenderjährliche Hinzuverdienstgrenze von 44.590 EUR. Zur Anrechnung auf die Rente und somit zu einer Teilrente kommt es erst, wenn der Hinzuverdienst neben der Rente diesen Betrag überschreitet. Auch der Hinzuverdienstdeckel ist für das Jahr 2020 nicht zu prüfen.

Im folgenden Kalenderjahr 2021 soll wieder eine Hinzuverdienstgrenze von 6.300 EUR gelten und auch der Hinzuverdienstdeckel ist wieder zu prüfen.

Die höhere Hinzuverdienstgrenze und das Aussetzen der Anwendung des Hinzuverdienstdeckels für das Jahr 2020 gelten nur für vorgezogene Altersrenten, nicht hingegen für Erwerbsminderungsrenten.

2.1.1 Hinzuverdienstgrenze von 44.590 EUR im Jahr 2020

Bei der Hinzuverdienstgrenze in Höhe von 44.590 EUR (brutto) handelt es sich um eine Jahresgrenze. Sie gilt auch, wenn

  • eine Altersrente nicht zu Jahresanfang beginnt,
  • Hinzuverdienst erst im Laufe des Kalenderjahres hinzutritt oder
  • Hinzuverdienst bis zum Monat des Erreichens der Regelaltersgrenze zu berücksichtigen ist.
 
Praxis-Beispiel

Hinzuverdienstprüfung – Jahresbetrachtung

Rentenbeginn nach Vollendung des 63. Lebensjahres am 1.2.2019: Der Versicherte beabsichtigt neben der Altersrente hinzuzuverdienen und erkundigt sich nach dem maximal möglichen Hinzuverdienst für eine Vollrente.

Ergebnis: Der maximal mögliche Hinzuverdienst beträgt 44.590 EUR (brutto). Es spielt keine Rolle, wie sich dieser Hinzuverdienst ab 1.2.2020 bis 31.12.2020 verteilt.

Teilrentenzahlung in Monaten ohne Hinzuverdienst

Durch die Kalenderjahresbetrachtung kann auch in den Monaten eine Teilrente zu zahlen sein, in denen kein Hinzuverdienst erzielt wurde.

 
Praxis-Beispiel

Hinzuverdienstprüfung – Jahresbetrachtung

Rentenbeginn nach Vollendung des 63. Lebensjahres am 1.2.2020: Ab 1.4.2020 wird eine Beschäftigung mit einem Brutto-Verdienst von 6.000 EUR/Monat aufgenommen (für 9 Monate: 54.000 EUR). Die Bruttorente beträgt 1.700 EUR.

Ergebnis: Der Hinzuverdienst im Kalenderjahr 2020 überschreitet die Hinzuverdienstgrenze für die Vollrente jeweils um 9.410 EUR (54.000 EUR – 44.590 EUR). Der überschießende Betrag ist auf Monatsbasis umzurechnen, indem er durch 12 geteilt wird: Ergebnis 784,17 EUR (9.410 EUR : 12). Davon werden 40 % auf die Vollrente angerechnet, d. h. 313,67 EUR (784,17 EUR x 40 %). Das Ergebnis ist eine Teilrente von 1.386,33 EUR (1.700 EUR – 313,67 EUR). Diese Teilrente gilt bereits ab 1.2.2020 und – da keine Monatsbetrachtung mehr erfolgt – nicht erst ab 1.4.2020. Dass auch für die Zeit, in der noch keine Beschäftigung ausgeübt wurde, also vom 1.2.2020 bis 31.3.2020, nur Anspruch auf die Teilrente besteht, wird der Rentenversicherungsträger bei der Spitzabrechnung[1] feststellen und den überzahlten Rentenbetrag von 627,34 EUR (313,67 EUR x 2 Monate) zurückfordern.

Zur Rentenanpassung am 1.7.2020 wird sich die Altersrente in Folge der Rentenanpassung erhöhen. Der Anrechnungsbetrag von 313,67 EUR bleibt unverändert.

2.1.2 Hinzuverdienstdeckel

 
Wichtig

Hinzuverdienstdeckel ist für das Jahr 2020 nicht zu prüfen

Der Hinzuverdienstdeckel ist bei Altersrenten für das Jahr 2020 nicht zu prüfen. Gleichwohl enthält dieser Abschnitt Ausführungen zum Hinzuverdienstdeckel, um dessen Funktionsweise zu erläutern. Nach gegenwärtigem Recht soll der Hinzuverdienstdeckel ab Jahr 2021 wieder Anwendung finden. Bei Erwerbsminderungsrente ist der Hinzuverdienstdeckel auch im Jahr 2020 zu prüfen.[1]

Der Hinzuverdienstdeckel ist ein Monatswert. Er bestimmt sich individuell, indem die höchsten Entgeltpunkte eines Kalenderjahres – innerhalb eines Betrachtungszeitraums von 15 Jahren vor dem Rentenbeginn – mit der monatlichen Bezugsgröße vervielfältigt werden. Für die Berechnung des Hinzuverdienstdeckels ...

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