Rz. 56

Um anhand des Unternehmenswerts genaue Investitionsentscheidungen treffen zu können, sollen die vom ISSB zu entwickelnden Vorgaben als umfassende und globale Grundlage dienen und so dem Bedarf an transparenten und einheitlichen Nachhaltigkeitsinformationen nachkommen. Durch einen einheitlichen und globalen Basisansatz ist es möglich, eine weltweite Vergleichbarkeit unter Unternehmen zu schaffen, die für Anleger von entscheidender Bedeutung ist. In diesem Licht ist genau zu beobachten, inwiefern die Standards des ISSB mit denen anderer Initiativen, z. B. den ESRS der EFRAG auf europäischer Ebene (§ 9A), korrespondieren werden. Denn Ziel aller Standards ist die Schaffung von Vergleichbarkeit und Transparenz; und dies kann nur dann gelingen, wenn die Unternehmen sich nicht in einem Konglomerat verschiedenster divergierender Standards verlieren.

 

Rz. 57

Aktuell sind die Finanzberichterstattung und die Offenlegung von Klima- und Nachhaltigkeitsinformationen noch nicht offiziell miteinander verbunden. Dies soll künftig geändert werden.[1] Da in der Finanzberichterstattung die Vorgaben zu spezifischen Daten und deren Qualität deutlich standardisierter sind und bereits mehr als 140 Länder von den Unternehmen verlangen, nach den IFRS-Rechnungslegungsstandards zu berichten, sollen auch Nachhaltigkeitsinformationen mit der gleichen Stringenz und globalen Vergleichbarkeit erstellt werden wie Finanzinformationen. Diese sollen sich gegenseitig ergänzen und so zu einer vollständigen Berichterstattung führen.

 

Rz. 58

Die Technical Readiness Working Group (TRWG) setzt sich aus Vertretern

  • des ehemaligen Climate Disclosure Standards Board (CDSB),
  • der Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD),
  • des World Economic Forum (WEF),
  • der ehemaligen Value Reporting Foundation (VRF) und
  • des International Accounting Standards Board (IASB)

zusammen und wird von der International Organization of Securities Commissions (IOSCO) und ihrer Technical Expert Group der Wertpapieraufsichtsbehörde unterstützt.

 

Rz. 59

Das ISSB hat im März 2022 eine Konsultation zu seinen ersten beiden vorgeschlagenen Standards eingeleitet. Der Exposure Draft IFRS S1 General Requirements for Disclosure of Sustainability-related Financial Information sieht allgemeine Anforderungen an ein Unternehmen vor, nachhaltigkeitsbezogene Finanzinformationen über seine wesentlichen nachhaltigkeitsbezogenen Risiken und Chancen offenzulegen. Der zweite Standardentwurf IFRS S2 bezieht sich auf die Offenlegung von klimabezogenen Angaben.[2] Die vorgeschlagenen Standards sollen nach ihrer Fertigstellung eine umfassende globale Grundlage für nachhaltigkeitsbezogene Angaben bilden.

 
Governance und Struktur des ISSB Das ISSB wird neben dem IASB tätig sein und von den Treuhändern beaufsichtigt werden. Die Arbeit des ISSB wird nach dem Konsultationsprozess der IFRS-Stiftung erfolgen. Die fachliche Beratung des ISSB erfolgt durch einen neuen beratenden Ausschuss für Nachhaltigkeit, die strategische Beratung durch den IFRS-Beirat, dessen Aufgabenbereich entsprechend erweitert werden wird.
Auftrag Der ISSB wird globale Standards und Angabevorschriften entwickeln, um eine konsistente und vergleichbare Berichterstattung von Unternehmen in verschiedenen Rechtskreisen zu erleichtern und so dazu beizutragen, Kapital in langfristige, widerstandsfähige Unternehmen im Übergang zu einer kohlenstoffarmen Wirtschaft zu lenken.
Bezeichnung der Standards Der Name der vom ISSB zu entwickelnden Standards wird "IFRS Sustainability Disclosure Standards" lauten.
Zusammensetzung Der ISSB besteht i. d. R. aus 14 Mitgliedern, von denen einige auch Teilzeitmitglieder sein können. Die wichtigsten Voraussetzungen für die Mitgliedschaft im ISSB sind fachliche Kompetenz und einschlägige Berufserfahrung.
Vorsitzende Das Board des ISSB ist international besetzt. Vorsitzender mit Wirkung zum 1.1.2022 ist Emmanuel Faber.[3]
Organisationssitz Die Standorte der Büros des ISSB sind weltweit zu finden und erstrecken sich von Nord- und Südamerika, Asien, Europa, dem Nahen Osten bis nach Afrika. Es gibt einige Städte mit Büros, welchen eine spezielle Aufgabe zugeteilt worden ist. Seit Anfang 2022 dient das Büro in Frankfurt am Main als Sitz des Verwaltungsrats und Büro des Vorsitzenden, während das Büro in Montreal für wichtige Funktionen zur Unterstützung des neuen Verwaltungsrats und zur Vertiefung der Zusammenarbeit mit regionalen Interessengruppen zuständig ist. Die Büros in San Francisco und London liefern technische Unterstützung und sind Plattformen für eine engere Zusammenarbeit mit regionalen Interessengruppen.[4]

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