29.10.2013
Top-Thema Rechnungen richtig fakturieren

Folgen falscher Rechnungen

Kapitel
Folgen falscher Rechnungen
Rechnungskorrekturen absprechen
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Fehler in Rechnungen sind ärgerlich, dürfen aber in den meisten Fällen korrigiert werden. Voraussetzung ist, dass der Aussteller die Rechnung berichtigt. Es ist daher erforderlich, dass sich beide Unternehmer absprechen, um einheitlich vorzugehen.

Andernfalls riskiert der Leistungsempfänger den Vorsteuerabzug und der leistende Unternehmer bleibt auf den Steuern „sitzen“.

Zu hoher oder zu niedriger Steuerausweis

Die häufigsten Fehler bei Rechnungen sind ein zu hoher oder ein zu niedriger Steuerausweis. Eine zu hoch ausgewiesene Steuer wird zwar vom leistenden Unternehmer in voller Höhe geschuldet, der Leistungsempfänger kann diese Steuer aber nicht als Vorsteuer abziehen. Bei einem zu niedrigen Umsatzsteuerausweis, z. B. Berechnung des ermäßigten Steuersatzes von 7 % für eine Leistung, die dem normalen Steuersatz von 19 % unterliegt, schuldet der Rechnungsaussteller zunächst nur den ausgewiesenen, niedrigeren USt-Betrag, allerdings kann der Rechnungsempfänger auch nur einen 7-prozentigen Vorsteuerabzug geltend machen.

In beiden Fällen kann die Rechnung berichtigt werden, wenn

  • der Rechnungsaussteller die Berichtigung beim Finanzamt des Umsatzsteuerzahlers unter Nennung des Rechnungsempfängers beantragt,
  • der Rechnungsempfänger keine Vorsteuer geltend gemacht hat bzw. diese seinem Finanzamt wieder zurückerstattet hat und
  • das Finanzamt des Umsatzsteuerzahlers seine Zustimmung erteilt hat bei Umsatzsteuerkürzung. 

Hinweis: In manchen Fällen erheben Unternehmer irrtümlicherweise auch Umsatzsteuer auf steuerfreie, nicht steuerbare oder nicht steuerpflichtige Leistungen, z.B. Ausfuhrlieferungen.

Unberechtigter Steuerausweis

Weist ein Kleinunternehmer Steuern aus, obwohl er dies nicht darf, schuldet er die ausgewiesene Umsatzsteuer gegenüber dem Finanzamt.

Als unberechtigter Steuerausweis gelten auch Rechnungen von Unternehmern, die in ihrer Rechnung die Leistung absichtlich oder irrtümlich falsch bezeichnen, wie z. B.

  • Es wird eine Büromaschine berechnet, obwohl ein Fernsehgerät geliefert wurde.
  • Es werden „Malerarbeiten in Büroräumen“ in Rechnung gestellt, jedoch wurden die Privaträume gestrichen.

In beiden Fällen müssen hier jeweils zwei Rechnungen versteuert werden.

Scheinrechnungen

Von Scheinrechnungen spricht man, wenn eine Rechnung ausgestellt wurde, obwohl keine Lieferung ausgeführt bzw. keine Leistung erbracht wurde. Dasselbe gilt, wenn der Rechnungsaussteller kein Unternehmer ist. In diesen Fällen bleibt dem Rechnungsempfänger grundsätzlich der Vorsteuerabzug verwehrt.

Fehlende Pflichtangaben

Fehlt in der Rechnung eine notwendige Angabe, z. B. das Ausstellungsdatum oder die Rechnungsnummer, ist ein Vorsteuerabzug daraus so lange nicht möglich, bis die Rechnung vom Aussteller berichtigt wurde.

Wichtig: Ungenauigkeiten, z. B. Schreibfehler, die nicht sinnentstellend sind, verwehren nicht den Vorsteuerabzug. Der leistende Unternehmer muss aber eindeutig identifizierbar sein.

Hinweis: Strittig ist, wann die Vorsteuer in einem solchen Fall abgezogen werden darf. Laut EuGH (Urteil vom 15.7.2010, Az.: Rs C-368/09) wirkt die Berichtigung einer unvollständigen Rechnung auf den Zeitpunkt der ursprünglichen Lieferung zurück und ist damit im Voranmeldungszeitraum der Lieferung abziehbar. Der BFH (Urteil vom 2.9.2010, Az.: V R 55/09) hat die Frage ausdrücklich offengelassen. Die Finanzgerichte Rheinland-Pfalz und Berlin-Brandenburg haben jedoch eine Rückwirkung strikt abgelehnt. In diesem Fall entstünden Nachforderungszinsen. Eine höchstrichterliche Interpretation des EuGH-Urteils durch den BFH steht daher noch aus.

Tipp: Rechnungen gründlich prüfen

Wenn Sie als Rechnungsempfänger alle Maßnahmen getroffen haben, die vernünftigerweise von Ihnen verlangt werden können, genießen Sie einen Vertrauensschutz für „vollständige“ Rechnungen. Im Klartext: Ist die Rechnung nach einer eingehenden Prüfung der Identität des Rechnungsausstellers sowie der Pflichtangaben ordnungsgemäß, dürfen Sie auf die Rechtmäßigkeit dieser Umsätze vertrauen, auch wenn Sie unwissentlich in einen Betrugsfall des Verkäufers einbezogen werden. Dies gilt für Papierrechnungen ebenso wie für elektronische Rechnungen.

Rechnung, Pflichtangaben, Umsatz