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Was sind Finanzberichte? Aufbau und Bedeutung für Unternehmen

Redakteurin Anja Merklin-Wendle

Anja Merklin-Wendle

Online-Redakteurin

Lesedauer unter

5

Minuten

In Kürze zusammengefasst

Finanzberichte sind mehr als trockene Zahlenwerke – sie sind der Spiegel der Unternehmensgesundheit. Wer versteht, wie Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung sowie Kapitalflussrechnung zusammenspielen, hat einen entscheidenden Vorteil bei Investitionsentscheidungen, Kreditverhandlungen und strategischer Planung. Erfahren Sie in diesem Beitrag, welche Informationen Finanzberichte enthalten und wie Sie diese richtig lesen.

Bestandteile

Finanzberichte bestehen aus Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) und Kapitalflussrechnung und zeigen die finanzielle Lage des Unternehmens.

Erstellung

Die Erstellung erfolgt regelmäßig, meist jährlich, und wird durch digitale Finanzberichte zunehmend automatisiert.

Risiken bei Fehlern

Fehlerhafte oder unvollständige Berichte können zu erheblichen Risiken, Kosten und Vertrauensverlust führen.

Definition: Was ist ein Finanzbericht?

Ein Finanzbericht ist ein zentrales Dokument, das die finanzielle Lage, den Erfolg und die Liquidität eines Unternehmens für einen bestimmten Zeitraum dokumentiert. Er dient dazu, die internen und externen Stakeholder über die wirtschaftliche Situation und über die Entwicklung eines Unternehmens zu informieren. Der Finanzbericht dient auch als Grundlage für wirtschaftliche Entscheidungen und gesetzliche Nachweise.

Welche Aufgaben und Ziele hat ein Finanzbericht?

Finanzberichte machen die wirtschaftliche Lage eines Unternehmens transparent und nachvollziehbar. Sie informieren über Vermögenswerte, Schulden, Erträge und Liquidität und bilden so die Grundlage für unternehmerische Entscheidungen. Darüber hinaus dienen Finanzberichte als Steuerungsinstrument: Das Management nutzt sie, um vergangene Geschäftsergebnisse zu analysieren und künftige Strategien anzupassen. Externe Stakeholder wie Banken, Investoren und Behörden erhalten durch Finanzberichte detaillierte Einblicke in den wirtschaftlichen Erfolg eines Unternehmens.

Wer benötigt Finanzberichte und wofür?

Finanzberichte sind für verschiedene Adressaten unverzichtbar:

  • Management und Gesellschafter nutzen sie als Entscheidungsgrundlage für die strategische Planung und Investitionsentscheidungen. Durch den Vergleich mit früheren Perioden erkennen sie Trends und können gezielt gegensteuern.
  • Investoren und Banken beurteilen anhand der Berichte die wirtschaftliche Situation und Rentabilität eines Unternehmens, was für Kreditvergaben oder Kapitalbeteiligungen entscheidend ist.
  • Behörden prüfen, ob Unternehmen die gesetzlich vorgeschriebenen Berichtspflichten und Rechnungslegungsstandards erfüllen und nutzen die Berichte auch als Grundlage für Steuerfestsetzungen und -prüfungen.

Wichtig: Finanzberichte unterscheiden sich klar von internen Controlling-Reports, die stärker auf interne Zwecke, wie Planabweichungen und operative Steuerung ausgerichtet sind und kurzfristige, operative Kennzahlen ausschließlich für das Management liefern.

Was steht in einem Finanzbericht?

Ein vollständiger Finanzbericht setzt sich in der Regel aus den drei zentralen Elementen Bilanz, Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) und Anhang zusammen. Weitere mögliche Bestandteile eines Finanzberichts können z. B. ein Lagebericht und eine Kapitalflussrechnung sein, die aber häufig nicht verpflichtend sind.

Bilanz

Die Bilanz gibt Auskunft über das Verhältnis der Vermögens- und Finanzlage zu einem bestimmten Bilanzstichtag. Auf der Aktivseite stehen Vermögenswerte wie Maschinen, Immobilien oder Forderungen. Auf der Passivseite werden Eigenkapital und Verbindlichkeiten dargestellt.

Gewinn- und Verlustrechnung (GuV)

Die GuV fasst Erträge und Aufwendungen eines Geschäftsjahres zusammen, um das Unternehmensergebnis zu ermitteln. Die GuV beantwortet die Kernfrage: Arbeitet das Unternehmen profitabel? Sie zeigt, wie sich Umsätze, Erträge und betriebliche Aufwendungen auf den Jahresüberschuss oder -fehlbetrag auswirken.

Anhang

Der Anhang ist ein verpflichtender Bestandteil des Jahresabschlusses für Kapitalgesellschaften (außer Kleinstkapitalgesellschaften) und erläutert die Zahlen der Bilanz und GuV. Er enthält unter anderem Angaben zu Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, zu einzelnen Posten der Bilanz und GuV sowie zu wesentlichen Ereignissen nach dem Bilanzstichtag. Damit soll er die Zahlen nachvollziehbarer und transparenter machen.

Lagebericht

Der Lagebericht ist ein eigenständiges, ergänzendes Berichtsinstrument, das die wirtschaftliche Lage, die Chancen und Risiken des Unternehmens im Markt sowie Prognosen darstellt. Der Lagebericht kann auch einen Forschungs- und Entwicklungsbericht, Angaben zu Zweigniederlassungen, einen Nachhaltigkeitsbericht und weitere spezifische Berichte enthalten und wird als Nebeneffekt häufig auch als Marketinginstrument genutzt, indem er die Stärken des Unternehmens sowie die Kompetenz des Managements hervorhebt.

Kapitalflussrechnung

Die Zahlungsströme eines Unternehmens zeigt die Kapitalflussrechnung. Sie gibt Auskunft über die Liquiditätslage innerhalb einer Berichtsperiode und ist insbesondere bei kapitalmarktorientierten Unternehmen und großen Gesellschaften verpflichtend. Die Kapitalflussrechnung gliedert sich in die Bereiche laufende Geschäftstätigkeit, Investitionstätigkeit und Finanzierungstätigkeit und zeigt, wie sich die liquiden Mittel durch Ein- und Auszahlungen verändert haben. Analysten erkennen damit schnell, ob ein Unternehmen aus eigener Kraft zahlungsfähig bleibt oder auf Fremdfinanzierung angewiesen ist.

Wie liest man einen Finanzbericht?

Einen Finanzbericht richtig zu lesen bedeutet, seine Bestandteile gezielt zu analysieren, um die wirtschaftliche Situation und Leistungsfähigkeit eines Unternehmens zu verstehen. Diese Schritte sind dafür nötig:

  1. Bilanz prüfen: Hier verschafft man sich einen Überblick über die Vermögenswerte (Aktiva) und die Kapitalstruktur (Passiva). Wichtige Kennzahlen sind z. B. die Eigenkapitalquote, die die finanzielle Stabilität anzeigt, und die Liquiditätsgrade, die Auskunft über die kurzfristige Zahlungsfähigkeit geben.
  2. Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) analysieren: Damit werden Erträge, Aufwendungen und das Ergebnis pro Periode bewertet, um die Rentabilität zu verstehen. Die GuV zeigt, ob das Unternehmen profitabel arbeitet und wie sich Umsätze und Kosten entwickelt haben.
  3. Kapitalflussrechnung beachten: Wichtig dabei ist es, die Zahlungsströme aus der laufenden Geschäftstätigkeit, Investitionen und Finanzierung richtig zu interpretieren. Denn diese Zahlen geben Einblick in die tatsächliche Liquidität und Zahlungsfähigkeit, unabhängig vom Gewinn oder Verlust.
  4. Anhang und Lagebericht lesen: Darin finden sich ergänzende Informationen zu Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden, wesentlichen Ereignissen sowie Chancen und Risiken eines Unternehmens. Diese helfen, die Zahlen im Kontext richtig einzuordnen.
  5. Kennzahlen und Zeitvergleiche heranziehen: Hier sind Mehrjahresvergleiche und Branchenbenchmarks nützlich, um Trends zu erkennen und fundierte Entscheidungen zu treffen.

Wie funktioniert der Digitale Finanzbericht (DiFin)?

Seit 2018 können Unternehmen dank des digitalen Finanzberichts (DiFin) ihre Jahresabschlüsse bundesweit elektronisch nachstandardisierten Vorgaben an Banken und Sparkassen übermitteln. Das Verfahren arbeitet medienbruchfrei, d. h. ohne Papier oder manuelle Zwischenschritte und gewährleistet einen elektronischen Datenaustausch zwischen Unternehmern, Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern und Kreditinstituten.

Der Digitale Finanzbericht verspricht, die Kommunikation zwischen Unternehmen und Banken zu vereinfachen und sicherer zu gestalten, denn die Übertragung erfolgt verschlüsselt nach einer Identitätsprüfung. Dank der elektronischen Daten können Banken die eingereichten Abschlüsse schnellerauswerten und Kreditentscheidungen auf einer besseren Datenbasis treffen. Die digitale Übermittlung ist vergleichbar mit der Offenlegung von Jahresabschlüssen beim elektronischen Unternehmensregister. Die Nutzung von DiFin ist jedoch nicht gesetzlich vorgeschrieben.

FAQ zu Finanzberichten

Was ist der Unterschied zwischen einem Finanzbericht und einem Jahresabschluss?

Der Jahresabschluss ist Teil eines Finanzberichts. Während der Jahresabschluss nur Bilanz, GuV und ggf. Anhang enthält, kann ein Finanzbericht weiterführende Informationen beinhalten, etwa Lageberichte oder Kapitalflussrechnungen.

Sind Finanzberichte öffentlich zugänglich?

Ja, bei bestimmten Rechtsformen. Kapitalgesellschaften in Deutschland sind verpflichtet, ihre Jahresabschlüsse im Unternehmensregister zu veröffentlichen. Kleine Personengesellschaften müssen ihre Berichte hingegen häufig nicht offenlegen.

Wie oft werden Finanzberichte veröffentlicht?

Das hängt von der Rechtsform ab. Kapitalgesellschaften veröffentlichen in der Regel jährlich einen Finanzbericht. Größere börsennotierte Firmen berichten zusätzlich quartalsweise.

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