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In Kürze zusammengefasst
Eine fehlerfreie Bilanz ist kein Zufallsprodukt – sie entsteht durch methodisches Vorgehen und präzise Bewertungen. Richtig aufgestellt, liefert sie mehr als nur Zahlenkolonnen: Sie zeigt die finanzielle Lage eines Unternehmens und bildet die Basis für strategische Entscheidungen. Erfahren Sie hier, wie eine Bilanz erstellt wird, was es mit Aktiva und Passiva auf sich hat und welche typischen Fehler Sie vermeiden sollten.
Woran erkannt man, ob ein Unternehmen finanziell auf sicherem Fundament steht? Die Antwort liefert die Bilanz. Als zentraler Bestandteil des Jahresabschlusses zeigt sie, welche Vermögenswerte (Aktiva) zu einem bestimmten Stichtag vorhanden sind und wie diese finanziert wurden (Passiva). Doch die Bilanz ist weit mehr als eine Momentaufnahme: Sie macht sichtbar, wie viel Kapital von Eigentümern eingebracht wurde und welcher Teil des Gewinns im Unternehmen bleibt. Gleichzeitig gibt sie Aufschluss über Rückstellungen und Verbindlichkeiten sowie die Bewertung von Vermögensgegenständen und Schulden. Damit wird sie zu einem aussagekräftigen Indikator für die Stabilität, Leistungsfähigkeit und Risikostruktur eines Unternehmens.
Eine präzise Bilanz erfüllt zentrale Aufgaben, die für Unternehmen jeder Größe entscheidend sind. Diese lassen sich in vier Schlüsselpunkte gliedern:
Kurzgefasst: Warum ist eine Bilanz also für Unternehmen so wichtig?
Die Bilanz zeigt, welche Vermögenswerte vorhanden sind, wie hoch die Schulden ausfallen und gibt Hinweise, ob ein Unternehmen zahlungsfähig ist. Auf Basis dieser Informationen werden wichtige interne Entscheidungen getroffen– zum Beispiel bei Investitionen, der Rückhaltung von Verbindlichkeiten oder der Planung einer nachhaltigen Finanzstrategie.
Auch für externe Stakeholder ist die Bilanz wichtig, um das Unternehmen und seine finanzielle Lage bewerten zu können. So prüfen Banken beispielsweise anhand der Bilanzen die Kreditwürdigkeit, während Investoren anhand der Bilanz Risiken und Potenziale einer Investition besser einschätzen können.
Bei einer Bilanzaufstellung werden alle Vermögenswerte und Schulden eines Unternehmens systematisch erfasst, in Aktiva und Passiva unterteilt und gegenübergestellt.
Aktiva zeigen, wie das vorhandene Vermögen im Unternehmen verwendet wurde. Simpel gesagt beantwortet die Aktivseite die Frage: „Wofür wurde das Geld ausgegeben?“. Sie setzt sich aus dem Anlage-und dem Umlaufvermögen zusammen. Während das Anlagevermögen langfristige Werte wie Maschinen oder Patente umschließt, setzt sich das Umlaufvermögen aus kurzfristigen Werten wie Warenbeständen oder dem Bankguthaben zusammen.
Passiva hingegen geben an, woher das Kapital stammt, über das ein Unternehmen verfügt. Hier wird ersichtlich, ob es sich um Eigen-oder Fremdkapital handelt. Die Passiva beantworten demnach die Frage: „Woher stammt das Geld?“.

Die Aufteilung in Passiv- und Aktivseite ist das Herzstück der Bilanz. Dieses Prinzip ist so zentral, da es das sogenannte Bilanzgleichgewicht sicherstellt: Die Summe der Aktiva muss immer gleich der Summe der Passiva sein. Erklären lässt sich dieser Grundsatz damit, dass jede Investition auch eine Finanzierungsquelle hat.
Beispiel:
Ein Unternehmen kauft eine Maschine, die 10.000 € kostet. Diese Maschine bezahlt der Eigentümer bzw. die Eigentümerin des Unternehmens aus dem Eigenkapital. Daraus ergibt sich folgende Aufstellung:

Die Aufteilung in Aktiva und Passiva ist leichter gesagt als getan. Um eine fehlerfreie Bilanz zu erstellen, müssen mehrere Schritte durchlaufen werden.
1. Geschäftsvorfälle sammeln und abschließen: Bis zum Bilanzstichtag müssen sämtliche Geschäftsvorfälle abgeschlossen sein. Im Anschluss werden die Bestandskonten abgeschlossen, indem die Endbestände für jede Position ermittelt werden.
2. Inventur durchführen: Zum Stichtag wird eine vollständige Inventur durchgeführt. Alle Vermögenswerte und Verbindlichkeiten des Unternehmens werden erfasst. Dazu zählen u. a.:
3. Aktiva und Passiva bewerten: Alle Positionen müssen gemäß den Grundsätzen ordnungsgemäßer Buchführung (GoB)bewertet werden – insbesondere nach dem Vorsichtsprinzip (§ 252 HGB): Verluste sind zu berücksichtigen, sobald sie erkennbar sind, Gewinne erst bei Realisierung. Je nach Art des Vermögens gelten andere Bewertungsmethoden.
4. Abstimmung und Abgleich mit Inventur: Nach der Bewertung erfolgt ein Abgleich zwischen den Ergebnissen der Inventur und den buchhalterischen Aufzeichnungen, um mögliche Differenzen aufzudecken. Treten Unstimmigkeiten auf, werden Nachprüfungen angestellt und ggf. Korrekturen vorgenommen.
5. Rückstellungen bilden: Rückstellungen erfassen zukünftige Verpflichtungen, deren genaue Höhe oder Fälligkeit am Bilanzstichtag noch nicht feststeht. Typische Beispiele sind Prozesskostenrückstellungen bei Gerichtsverfahren oder Pensionsrückstellungen für Mitarbeitende. Diese Posten erhöhen die Passivseite.
6. Bilanz aufstellen: Nun folgt die eigentliche Erstellung der Bilanz: Alle erfassten und bewerteten Posten werden auf der Aktiv- oder auf der Passivseite eingetragen und gegenübergestellt.
7. Prüfung und Korrektur: Die Summe der Aktiva und Passiva müssen exakt identisch sein (Bilanzgleichgewicht) –nur dann ist die Bilanz korrekt aufgestellt. Ist dies nicht der Fall, müssen Nachprüfungen angestellt und Fehler identifiziert und behoben werden.
Die Bilanz wurde erstellt – und nun? Gemäß den gesetzlichen Vorgaben muss die Bilanz in Deutschland für zehn Jahre aufbewahrt werden (§ 257HGB, § 147 AO). Diese Aufbewahrungsfrist beginnt mit dem Ende des Kalenderjahres, in dem die Bilanz aufgestellt wurde. Das bedeutet: Eine Bilanz, die im Jahr 2025 aufgestellt wurde, darf frühestens Anfang 2036 vernichtet werden. Die Aufbewahrungspflicht dient vor allem dazu, steuerliche Prüfungen zu ermöglichen.
Die größte Herausforderung bei der Bilanzerstellung steckt im Detail. Schon kleine Unachtsamkeiten – von Bewertungsfehlern bis hin zu fehlenden Rückstellungen – können große Auswirkungen haben. Umso wichtiger ist es, typische Fehlerquellen zu kennen. Die folgende Übersicht zeigt, welche Stolperfallenhäufig auftreten:
Bedeutende wirtschaftliche Entwicklungen wie Inflation oder Zinsänderungen wirken sich direkt auf die Bilanz aus. In Zeiten der Inflation steigt das Preisniveau, wodurch oft der reale Wert von bestehendem Vermögen sinkt. Darunter leidet auch die Vergleichbarkeit von Vermögenswerten. Steigende Zinsen führen dazu, dass Kredite und Schulden kostenintensiver werden. So müssen Rückstellungen für zukünftige Zahlungen, beispielsweise Pensionen, neu bewertet werden.
Der Hauptunterschied zwischen der Bilanz nach HGB und IFRS liegt im Ziel der Rechnungslegung. Die Bilanzierung nach HGB verfolgt einen eher konservativen Ansatz und betont vorsichtige Bewertungsmethoden wie Rückstellungspflichten. Damit wird der Schutz von Gläubigern in den Vordergrund gestellt. Die IFRS hingegen sind international ausgerichtet und stärker marktorientiert: Der Fokus liegt darauf, ein möglichst realistisches und transparentes Bild des Unternehmenswerts zu liefern.
Nein, Gewinn und Bilanz sind nicht dasselbe. Gewinn (oder Verlust) ist eine Ergebnisgröße aus der GuV, während die Bilanz die Vermögenswerte (Aktiva) sowie deren Finanzierung (Passiva) zu einem festen Zeitpunkt darstellt. Die Bilanz weist jedoch den Jahresüberschuss oder-fehlbetrag aus der Gewinn- und Verlustrechnung aus.
Die Bilanz zeigt die Vermögenswerte und deren Finanzierung zu einem bestimmten Stichtag, also die langfristige Stabilität eines Unternehmens. Das Cashflow-Statement hingegen betrachtet Zahlungsströme über einen Zeitraum und gibt Auskunft über die kurzfristige Liquidität – also, woher Geld kommt und wofür es verwendet wird. In anderen Worten: Die Bilanz ist bestandsorientiert, während das Cashflow-Statement bewegungsorientiert ist.
Die GuV konzentriert sich auf einen bestimmten Zeitraum und zeigt, ob das Unternehmen in diesem Zeitraum erfolgreich war, sprich: ob es Gewinn oder Verlust erzielt hat.
Die Bilanz hingegen dokumentiert den aktuellen Stand des Vermögens und der Finanzierung an einem Stichtag und gibt darüber Aufschluss, wo das Unternehmen zu diesem Zeitpunkt steht.
Es gibt verschieden Arten von Bilanz, die nach Anlass, Zeitraum und Zielgruppe unterschieden werden. Jede Bilanzart erfüllt unterschiedliche Funktionen im Unternehmen. Die relevantesten Bilanzarten sind die Eröffnungsbilanz, die Schlussbilanz und die Zwischenbilanz. Man unterscheidet zudem zwischen der Handelsbilanz und Steuerbilanz sowie Sonderbilanzen.