Weiterbildung für Steuerberater: Denken Sie neu

Analyse 12.12.2019 Learning & Development

Klassische Weiterbildungsmaßnahmen waren lange Zeit ausreichend, um Steuerberatern Vorteile gegenüber der Konkurrenz zu sichern. Im Zuge der Steuerberatung 4.0 reicht dies allein jedoch nicht mehr aus. Wer langfristig erfolgreich sein will, muss sich zunehmend breiter aufstellen und als Experte mit Allrounder-Fähigkeiten Mandanten und Mitarbeiter überzeugen. Der Schlüssel zum Erfolg: ein Mix aus klassischer Fortbildung für Steuerberater und neuen Ansätzen.

Weiterbildung für Steuerberater neu denken

Wie sich die Weiterbildung für Steuerberater im Zuge der Digitalisierung verändert

Steuerberatung verändert sich – und mit ihr die Bedingungen für erfolgreiche Weiterbildung. Grundsätzlich ist es auch heutzutage notwendig, das eigene steuerrechtliche Fachwissen durch Qualifizierungsmaßnahmen regelmäßig auf den neuesten Stand zu bringen. Grund dafür sind die häufigen Änderungen im Steuerrecht, neue Gesetze und Rechtsvorgaben sowie die zunehmende Globalisierung.

Wichtiger denn je ist es jedoch, als Steuerberater auch Kompetenzen in neuen Geschäftsfeldern zu erwerben, um sich auf dem Markt besser positionieren zu können. Ebenso wichtig ist es, Soft Skills zu entwickeln, die den Steuerberater der Zukunft ausmachen. So erfordern proaktive Beratungsleistungen besonders gute kommunikative Fähigkeiten und digitalisierte Datenanalysen ein vertieftes Verständnis für technische Abläufe, während agile Arbeitsweisen Führungsrollen komplett neu definieren.

Weiterbildung für Steuerberater – von Fachberatertiteln zu Soft-Skill-Kompetenzen


Klassische Weiterbildungsmaßnahmen

Zu den klassischen Weiterbildungsmaßnahmen für Steuerberater zählt z.B. die Weiterbildung zum Fachberater. Diese setzen in der Regel mehrere Jahre Berufserfahrung voraus.

  • Weiterbildung zum Fachberater (BStBK)
    Wer sich im Vergleich zur Konkurrenz besser aufstellen möchte, kann sich bei der Bundessteuerberaterkammer zum Fachberater mit Spezialisierung auf ein bestimmtes Steuerrechtsgebiet weiterbilden. Nach bestandener Prüfung erhält er den „amtlichen“ Titel im jeweiligen Fachgebiet. So kann er sich besser am Markt profilieren.

    Sowohl für die Weiterbildung zum Fachberater für internationales Steuerrecht als auch für die Weiterbildung zum Fachberater für Zölle und Verbrauchssteuern ist eine mindestens dreijährige Tätigkeit als Steuerberater Voraussetzung. Um den jeweiligen Titel zu erlangen, müssen Kandidaten mindestens 120 Stunden Theorieunterricht absolvieren, 30 praktische Fälle bearbeiten und eine schriftliche Prüfung mit drei Klausuren sowie ein Fachgespräch mit der Prüfungskommission erfolgreich bestehen. Die Fachberater verpflichten sich außerdem zur Teilnahme an Fortbildungsveranstaltungen – mindestens zehn Stunden pro Jahr.
  • Weiterbildungen des Deutschen Steuerberaterverbandes
    Der Deutsche Steuerberaterverband biete eine Reihe von weiteren Fachberater-Qualifizierungen für Steuerberater an. Mehrjährige Berufspraxis als Steuerberater sind grundsätzlich notwendig, um die Weiterbildungen zu absolvieren. Folgende Titel können erworben werden:
     
  • Fachberater für internationale Rechnungslegung
  • Fachberater für Rating
  • Fachberater für Unternehmensnachfolge
  • Fachberater für Sanierung und Insolvenzverwaltung
  • Fachberater/-in für Mediation


Weiterbildung in neuen Tätigkeitsfeldern

Mit der Digitalisierung und Globalisierung finden auch neue Geschäftsfelder Einzug in steuerberatende Berufe. Diese bedienen vor allem das Bedürfnis nach ganzheitlichen Beratungsleistungen in einer zunehmend global agierenden Wirtschaft. Hier einige Beispiele:

  • Weiterbildung Unternehmensberatung
    Eine konkrete Weiterbildung, in der Sie die Fähigkeiten eines Unternehmensberaters erlernen, gibt es nicht. Allerdings stehen Steuerberatern vielfältige Möglichkeiten offen, um ihr betriebswissenschaftliches Wissen auf Gebieten wie ganzheitlichen Beratungsleistungen, Wirtschaftsberatung, Existenzgründung oder Insolvenzverwaltung zu erweitern. So vermitteln zahlreiche E-Learning-Angebote ortsunabhängig und oft auch zeitflexibel fachliches Know-how.

    Zum Thema Unternehmensberatung gibt es außerdem hochwertige Fachliteratur vom gedruckten Buch bis zum multimedialen Audio Book. Ebenso bieten sich Workshops mit Gleichgesinnten an. Diese haben den Vorteil, dass sie ein direktes Interagieren mit anderen ermöglichen. Außerdem sind die Treffen eine gute Möglichkeit, das eigene Kontaktnetzwerk zu erweitern. Ist ein Thema sehr komplex oder umfangreich, ist die Teilnahme an einer Weiterbildung sinnvoll. Viele Trainingsorganisationen verknüpfen dafür Präsenztreffen mit E-Learning-Angeboten.
  • Weiterbildung im internationalen Steuerrecht
    Die Zahl der Unternehmen, die global agieren, steigt an. Neben weltweit präsenten IT-Dienstleistern wird auch die Zahl derer größer, die über das Internet neue Märkte erobern. Viele Unternehmen sind daher zunehmend mit Fragen der internationalen Besteuerung konfrontiert und benötigen eine fundierte Hilfestellung. Wer sich auf diesem Gebiet fortbilden möchte, kann durch eine Weiterbildung den Titel Fachberater für Internationales Steuerrecht erwerben.

    Im Lehrgang erlangen die Teilnehmer in Präsenzunterricht und Selbstlernphase praxisorientiertes Know-how, das für eine qualifizierte internationale Steuerberatung notwendig ist wie Fachwissen zu globalen Beratungsleistungen, zum Transaktionssteuerrecht sowie zu internationalen Rechnungslegungsvorschriften. Der Kurs umfasst 120 Stunden plus Prüfungszeiten. Außerdem kann in vielfältigen Fortbildungsseminaren das eigene Wissen im Internationalen Steuerrecht erweitert werden.
  • Weiterbildung grenzübergreifende Steuerberatung
    Bei Kanzleien, die in grenznahen Gebieten tätig sind, bildet die grenzübergreifende Steuerberatung oft einen Beratungsschwerpunkt. Entsprechend geschulte Steuerberater verfügen über Kenntnisse zu den Steuersystemen beider Länder und beherrschen sowohl Mutter- als auch Fremdsprache, sodass ganzheitliche Beratungsleistungen über Ländergrenzen hinweg möglich sind.

    Wer sich auf dem Gebiet der grenzübergreifenden Steuerberatung weiterbilden möchte, sollte um die Ecke denken: Neben dem Erwerb von Fremdsprachenkenntnissen ist die Teilnahme an Weiterbildungsangeboten im Nachbarland ein sinnvoller Ansatz, der zugleich Kniffe und Tücken des Steuersystems aufzeigt. Für einen langfristigen Austausch mit Gleichgesinnten sind sogenannte Communities of Practice geeignet. Die selbstorganisierten Gruppen bieten keine Weiterbildung im eigentlichen Sinne. Teilnehmer können allerdings von den Erfahrungswerten der anderen profitieren.


Persönliche Weiterbildung für Steuerberater

Veränderte Mandantenanforderungen und neue, agile Arbeitsformen erfordern Kompetenzen, die das Berufsbild des Steuerberaters wandeln. So zählen zu den erfolgskritischen Faktoren neben der fachlichen Expertise eine Reihe von Soft Skills und ein versierter Umgang mit digitalen Anwendungen.

  • Aufbau von Soft Skill-Kompetenzen
    In einer digitalisierten Arbeitswelt können starre und hierarchisch organisierte Strukturen nicht länger erfolgreich sein. Statt Top-Down-Management übernimmt die Führungskraft in agilen Prozessen die Rolle eines Coaches, der den gleichwertigen Teammitgliedern beratend zur Seite steht und sie zu neuen Aufgaben befähigt. Um sich auf die veränderten Ansprüche einzustellen, gibt es zahlreiche Weiterbildungsmaßnahmen zum Thema Mitarbeiterführung und New Leadership.

    Auch wenn Sie in der Kanzlei nicht als Führungskraft agieren, gilt es wichtige Soft Skills zu entwickeln, die Ihnen als Steuerberater langfristig den Erfolg sichern. So können Sie dem Wunsch nach proaktiven Beratungsleistungen gerecht werden, wenn Sie lernen, umfassend und umgehend zu kommunizieren, sowohl schriftlich als auch mündlich. Wer nicht von Haus aus über solche Fähigkeiten verfügt, kann in Rhetorik-Seminaren oder Kommunikationstrainings die Grundlagen erwerben und im Austausch mit Kollegen und anderen Steuerberatern einüben.
  • Aufbau von Kenntnissen im Umgang mit der Digitalisierung
    Effizientere Prozesse, bessere Vernetzung und intelligente Datenauswertung: Wer sich als Steuerberater mit digitalen Prozessen auskennt, intelligente Tools zu nutzen weiß und die neuen Medien effizient einsetzt, kann von der Digitalisierung enorm profitieren und sich überzeugende Vorteile gegenüber der Konkurrenz sichern. Seminare oder Workshops zum Umstieg auf digitale Prozesse sind grundlegend sinnvoll und für alle geeignet, die bisher noch gar nicht oder kaum auf Digitalisierung setzen.

    Ein professioneller Internetauftritt und Online-Marketing-Kenntnisse werden im Wettstreit um die Mandanten immer wichtiger. Wer sich auf dem Gebiet auskennt oder weiß, wann Hilfe von außen notwendig ist, sichert sich Vorteile gegenüber der Konkurrenz. Zahlreiche E-Learning-Angebote, Videos und E-Books führen fachlich ins Thema ein. Workshops mit praktischen Anteilen sind eine ideale Ergänzung, um das Wissen zu festigen.
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