Existenzgründungsberatung: So begleiten Steuerberater Gründer in die Selbstständigkeit

Trendbericht 04.03.2020 Strategy

Von Finanzierungsfehlern bis zu Mängeln im Businessplan: Die Gründe, weswegen Existenzgründer scheitern, liegen oft in einem schlechten Start begründet. Kein Wunder: Der Schritt in die Selbstständigkeit ist komplex und birgt so manche Stolperfallen. Umso wichtiger ist professionelle Unterstützung. Wie Steuerberater bei Unternehmensgründungen umfassend Hilfestellung leisten, Potenziale aufzeigen und Risiken minimieren. 

Existenzgründungsberatung durch Steuerberater

Warum die Existenzgründungsberatung ein wichtiges Geschäftsfeld ist 

Mit der Existenzgründerberatung laufen Sie als Steuerberater offene Türen ein: Die Komplexität des Unterfangens ist groß und die Nachfrage bei Gründern hoch. Nicht selten mangelt es am nötigen Gründungs-Know-how. Fehlt es an unternehmerischer Weitsicht, werden Risiken in der Planung nicht ausreichend berücksichtigt. Die Chance, mit der eigenen Geschäftsidee zu scheitern, ist entsprechend groß.

Für Steuerberater ist die Gründungsberatung ein lukratives betriebswirtschaftliches Geschäftsfeld. In der Regel erfordern Existenzgründungen eine längerfristige Beratung und Begleitung des Mandanten auf dem Weg in die Selbstständigkeit. Außerdem genießen die Steuerberaterinnen und Steuerberater neben dem seriösen Branchenruf einen entscheidenden Vorteil gegenüber Unternehmensberatern: In steuerrechtlichen Fragen sind sie bereits sehr gut aufgestellt.

In diesen Fragen der Unternehmensgründung können Steuerberater Hilfestellung leisten 

Von der Strategieberatung bis zur Liquiditätsplanung: Die Leistungen, die Steuerberater in der Gründungsberatung erbringen können, sind vielfältig. Von Hause aus können sie in allen Bereichen beratend tätig werden, die Zahlen, Finanzen und Steuern berühren. Wer sich zusätzlich auf dem Gebiet der betriebswirtschaftlichen Beratung weiterbildet, kann auch in Fragen der strategischen Ausrichtung, der Organisation oder bei Prozessabläufen professionelle Hilfestellung leisten.

Grundlegend ist die Existenzgründungsberatung eine zukunftsorientierte Disziplin, die Antworten darauf findet, wie Chancen bestmöglich genutzt und Risiken minimiert werden können. Für Steuerberater, deren tägliche Arbeit bisher aus Bilanzen und Abschlüssen bestand, durchaus eine Herausforderung.

Schwerpunkte der Existenzgründungsberatung 

Von der Idee bis zum erfolgreichen Unternehmen ist es in der Regel ein langer Weg mit viel Beratungsbedarf. Steuerberater können insbesondere in den folgenden Gebieten der Unternehmensgründung beratend tätig werden. 

Strategieberatung 

Wer aus einer Herzensangelegenheit eine Gründungsidee entwickelt, kann Risiken leicht übersehen. Vielen Gründern fällt es außerdem oft schwer, Potenziale realistisch einzuschätzen. Dann ist der Blick von außen Gold wert. 

Als Steuerberater prüfen Sie beispielsweise, wie durchdacht das Gründungskonzept ist und wie profitabel es sein kann. Wie schätzt der Gründer selbst seine Idee ein? Welche Vorstellungen hat er von seinem künftigen Arbeitsalltag? Oft scheitern Projekte nicht an zu großen Ideen, sondern an der Umsetzbarkeit im Alltag.  Ebenso ist denkbar, dass ein Mandant mit einer ungefähren Geschäftsidee zu Ihnen kommt und Sie gemeinsam daraus eine überzeugende Strategie entwickeln. 

Wichtig ist in jedem Fall, dass die Geschäftsidee auch zur Persönlichkeit der Gründerin oder des Gründers passt, damit ein glaubhaftes und langfristig erfolgreiches Unternehmen entsteht. Verfügt der Gründer außerdem über entsprechende Planungskompetenzen und Managementqualitäten? 

Marktanalyse/Wettbewerbsanalyse 

Ganz klar: Grundlegend muss eine erfolgreiche Geschäftsidee ein Kundenbedürfnis bedienen, bestenfalls innovativ sein und einen ausreichend großen Markt ansprechen. Denn was würde die beste und innovativste Geschäftsidee nützen, wenn nicht ausreichend Personen ein Interesse daran hätten? Zu einer ganzheitlichen Existenzgründerberatung gehört daher auch immer eine Analyse des Zielmarktes. Welche Zielgruppe wird mit der Geschäftsidee angesprochen? Welche Bedürfnisse hat sie? Gibt es für die Geschäftsidee überhaupt einen Markt? Trifft das Produkt oder die Dienstleistung auf eine Nachfrage?  

Rechtsformberatung 

Sehr wahrscheinlich ist, dass bei der Existenzgründung die Frage nach der passenden Rechtsform aufkommt. Ist eine GmbH, KG oder doch eher eine gGmbH von Vorteil? Beraten Sie Ihren Mandanten, welche Anforderungen die unterschiedlichen Rechtsformen mitbringen, wie sich dies juristisch auswirkt und welche Folgen das für Kapital und steuerrechtliche Belange hat. Neben Fragen zu Haftung und Startkapital geht es außerdem darum, eine zur Unternehmensstrategie passende Rechtsform zu wählen. Diese trägt ebenso dazu bei, dass finanzielle und unternehmerische Ziele erreicht werden können.  

Finanzierungsplan und Liquiditätsplanung 

Zu den wichtigsten Ursachen, aus denen Neugründungen scheitern, zählen falsche Vorstellungen zur Finanzierung des Vorhabens bei den Gründern. Oft sind die zu erwartenden Umsätze zu großzügig berechnet, während der Fördermittelbedarf zu gering eingeschätzt wird. Ein besonders wichtiger Bestandteil der Gründungsberatung ist daher die realistische Planung von Kapital und Finanzen. Zeigen Sie den angehenden Gründern mit einem durchdachten Finanzierungsplan den Kapitalbedarf für die Gründungsfinanzierung auf. Wie hoch sind die zur Verfügung stehenden Eigenkapitalleistungen? In welcher Höhe wird Fremdkapital durch Kredite, Geldgeber und Co. benötigt, um eine solide Finanzierung auf die Beine zu stellen? Mit welchen Investitionskosten ist zu rechnen?  

Überzeugen Sie die Unternehmensgründer von der Notwendigkeit, Kredite immer über den tatsächlichen Bedarf hinaus zu planen. So sind Ihre Mandanten auch gegen unvorhersehbare Risiken finanziell abgesichert und erleiden nicht so schnell Schiffbruch. Mit einer durchdachten Existenzgründungsberatung zu Finanzen und Kapital können Sie für Ihre Mandanten weit mehr erreichen als nur einen guten Start. Die Finanzplanung legt den Grundstein für den späteren Erfolg. Ist die Finanzierung nicht ausreichend gesichert, ist es an Ihnen zu prüfen, ob alternative Finanzierungswege beispielsweise über Fördergelder zur Verfügung stehen.  

Businessplan-Erstellung 

Mit dem Businessplan, der alle wichtigen Informationen zur Geschäftsidee, zur Strategie, zu Zielen und zur Finanzierung enthält, tun sich viele Gründer schwer. Kein Wunder, denn er kann nur in sich schlüssig sein, wenn alle Bestandteile zusammenpassen. Ohne ihn geht bei der Existenzgründung daher gar nichts. Dennoch ist er für Gründer im Grunde ein Glücksfall. Denn er zwingt dazu, sich intensiv und kritisch mit Idee und Planung auseinanderzusetzen. Steuerberater, die es schaffen, Mandanten vom nachhaltigen Potenzial des Businessplans zu überzeugen, haben bereits einen wichtigen Schritt in Richtung Erfolg eingeläutet.  

Als Existenzgründungsberater sind Sie ein wichtiger Sparringspartner für angehende Unternehmer. Hinterfragen Sie die Planung und Umsetzung kritisch. Sind Herstellung, Entwicklung und Vertrieb eines Produkts realistisch? Ist der Kundennutzen tatsächlich groß genug? Verfügt der Gründer bzw. das Gründungsteam über ausreichend Wissen und Erfahrung, um die Herausforderung „Existenzgründung“ zu meistern? Es mag banal klingen, allerdings können Sie neben inhaltlichen Fragestellungen auch bei der konkreten Erstellung des Businessplans unterstützen. Denn nicht jeder angehende Gründer ist sich über die Wichtigkeit des Dokuments im Klaren.  

Prozessabläufe 

Wer noch ganz am Anfang steht, macht sich in der Regel kaum Gedanken über die Geschäftsprozesse im Unternehmen. Dies kann mit der Zeit allerdings dazu führen, dass der Überblick über Unternehmensaufgaben verloren geht. Außerdem kann es sinnvoll sein, bestimmte Abläufe von vornherein durch automatisierte bzw. digitalisierte Lösungen zu erledigen, um langfristig Zeit und Kosten zu sparen. Der Beratungsbedarf ist daher hoch.  

Zeigen Sie als Steuerberater die Vorteile eines frühen Prozessmanagements auf. So sind strukturierte Managementprozesse effektiver und günstiger. Zugleich ermöglichen sie, dass Standards besser gehalten und kontrolliert werden können, Aufgaben sind leichter übertragbar. Wenn Sie gemeinsam mit Ihren Mandanten die Kennzahlen für ein erfolgreiches Gelingen definieren und festlegen, wie sie künftig erfasst werden, minimieren Sie das Risiko, mit der Neugründung zu scheitern.  

Personalstrategie/Führungsstrategie 

Ähnlich wie bei der Entwicklung der Prozessmanagement-Strategie verhält es sich mit der Personal- und Führungsstrategie. Als Existenzgründungsberater analysieren Sie anhand von Geschäftsidee und wirtschaftlicher Zielstellung den Personalbedarf. Wie kann eine Strategie aussehen, damit die langfristigen Ziele erreicht werden? In welcher Unternehmensphase sollten Mitarbeiter in Schlüsselpositionen in den Betrieb eintreten und über welche Qualifikationen sollten sie verfügen?  

Was viele Gründer unterschätzen und daher unbedingt in die Gründungsberatung gehört, ist außerdem das Thema Personalführung. Denn gute Personalführung motiviert, erzielt bessere Arbeitsleistungen und kann Unternehmen vor einer hohen Mitarbeiterfluktuation bewahren. Im Umkehrschluss ist schlechte Personalführung oft genug ein K.-o.-Kriterium. 

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