Umsatzsteuer, Gutscheine

Wo die Probleme sind:

  • Das richtige Konto
  • Sachgutschein
  • Wertgutschein
  • Konkrete Leistungsverpflichtung

1 So kontieren Sie richtig!

 

Praxis-Wegweiser:

"Das richtige Konto"

Kontenbezeichnung

Kasse
Eigener Kontenplan SKR 03
  1000
IKR  
2880 SKR 04
  1600
 

Kostenstelle/

Schlüssel
 

Praxis-Wegweiser:

"Das richtige Konto"

Kontenbezeichnung

Verbindlichkeiten aus Gutscheinen
Eigener Kontenplan SKR 03
  1604
IKR  
4401 SKR 04
  3304
 

Kostenstelle/

Schlüssel

So kontieren Sie richtig!

Mit dem Wertgutschein kann der Gutscheininhaber vom Aussteller des Gutscheins eine beliebige Lieferung oder sonstige Leistung verlangen. Die Ausgabe des Wertgutscheins ist daher keine eigenständige Leistung, sodass keine Umsatzsteuer anfällt.

Die Buchung des gezahlten Gutscheinbetrags erfolgt auf das Konto "Kasse" 1000 (SKR 03) bzw. 1600 (SKR 04).

Die Gegenbuchung erfolgt auf das Konto "Verbindlichkeiten aus Gutscheinen" 1604 (SKR 03) bzw. 3304 (SKR 04). Dieses Konto kann individuell angelegt werden.

 

Buchungssatz:

Kasse

an Verbindlichkeiten aus Gutscheinen

2 Praxis-Beispiel für Ihre Buchhaltung: Wertgutschein

Das City-Kaufhaus verkauft an Unternehmer Hans Groß einen Gutschein über 60 EUR. Diesen will er der Ehefrau eines Lieferanten zu deren Geburtstag schenken.

Buchungsvorschlag:

 

Konto

SKR 03 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 03 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
1000 Kasse 60 1604 Verbindlichkeiten aus Gutscheinen 60
 

Konto

SKR 04 Soll
Kontenbezeichnung Betrag

Konto

SKR 04 Haben
Kontenbezeichnung Betrag
1600 Kasse 60 3304 Verbindlichkeiten aus Gutscheinen 60
 

Hinweis

Individuelle Anlage

Das Konto "Verbindlichkeiten aus Gutscheinen" muss individuell angelegt werden.

3 Gutscheine: Es sind 2 Arten zu unterscheiden

Gutscheine sind ideale Geschenke, wenn man nicht wie bei der Schenkung einer Sache das Risiko eingehen will, dass der Beschenkte diese Sache schon besitzt.

Doch bei der umsatzsteuerlichen Behandlung von Gutscheinen sind Wertgutscheine von Sachgutscheinen zu trennen.

3.1 Wertgutschein: Gutschein ersetzt das Geld – er dient der Zahlung

Auf dem Wertgutschein ist ein bestimmter Geldbetrag ausgewiesen. Mit dem Wertgutschein kann der Inhaber eine beliebige Lieferung oder sonstige Leistung von dem Gutschein ausstellenden Unternehmen beziehen und statt mit Geld mit dem Gutschein bezahlen.

Der Kunde tauscht sein Geld in Wertgutscheine gleicher Höhe ein, die aber nur im Geschäft des jeweiligen Händlers, der Händlergruppe oder Handelskette akzeptiert werden. Eine konkrete Leistung ist nicht auf dem Wertgutschein vermerkt. Vielmehr kann dieser frei gegen sämtliche Leistungen in den betreffenden Geschäften eingelöst werden.

3.1.1 Die Ausgabe des Gutscheins ist keine eigenständige Leistung

Die Ausgabe des Wertgutscheins ist keine eigenständige Leistung, da lediglich der Tausch von Bargeld in ein anderes Zahlungsmittel erfolgt. Die ausgegebenen Gutscheine werden nicht geliefert, sondern stellen lediglich eine Beweisurkunde, d. h. eine Quittung über die geleistete Zahlung des Kunden dar.

3.1.2 Kostenlos ausgeführte Leistung gegen Vorlage eines Gutscheins: Kein entgeltlicher Leistungsaustausch

Gibt ein Unternehmer einen Gutschein in Umlauf, der dessen Besitzer berechtigt, eine Leistung des Unternehmers kostenlos in Anspruch zu nehmen, liegt i. d. R. kein entgeltlicher Leistungsaustausch vor. Das entschied der BFH mit Urteil vom 19.11.2014.[1]

Im entschiedenen Fall verteilte ein Spielhallenbetreiber anlässlich der Neueröffnung einer Spielhalle sog. Test Coupons i. H. v. jeweils 100 EUR, wobei täglich lediglich 10 EUR einlösbar waren. Eingelöst wurden die Test Coupons, indem der Betrag von 100 EUR einem auf den Namen des Kunden eingerichteten Konto gutgeschrieben und eine Kundenkarte ausgegeben wurde. Pro Tag und Kunde konnte unter Vorlage der Kundenkarte nur ein Betrag von 10 EUR abgerufen werden. Das vom Kunden gewählte Gerät wurde "freigemünzt", indem ein Mitarbeiter des Spielhallenbetreibers einen entsprechenden Geldbetrag in den Automaten einwarf.

Das Finanzamt und das FG behandelten die auf der Einlösung von Gutscheinen beruhenden Freimünzungsumsätze als steuerpflichtige Umsätze.

Hier entschied der BFH, dass der Betreiber im Rahmen der Freimünzungen keine entgeltlichen Leistungen im Sinne des § 1 Abs. 1 Nr. 1 UStG erbracht hat. Eine Gegenleistung des Kunden liege nicht in dem aufgrund des Test Coupons gutgeschriebenen Betrags, den er "einsetzen" muss, um die Spielmöglichkeit zu erreichen. Der Vorgang erschöpfe sich wirtschaftlich vielmehr darin, dass der Kunde 10-mal für jeweils 10 EUR "umsonst" spielen dürfe.

3.1.3 Keine Umsatzsteuer bei Ausgabe des Wertgutscheins

Im Zeitpunkt der Ausgabe des Wertgutscheins ist kein Umsatz zu versteuern. Auch können die gezahlten Beträge nicht als Anzahlung vor Ausführung der Leistung der Umsatzbesteuerung[1] unterliegen. Denn bei Ausstellung von Wertgutscheinen besteht kein Bezug zu künftigen Leistungen (z. B. Warenlieferung).

Erst bei Ausführung des konkreten Umsatzes entsteht die Umsatzsteuer. Die Hingabe des Warengutscheins bei der Leistungsausführung ist wie die Hingabe eines Zahlungsmittels (z. B. Bargeld) zu beurteilen.

3.1.4 Keine Ausstellung einer Rechnung mit Umsatzsteuer bei Ausgabe

Ein Unternehmer ist zur Ausstellung von Rechnungen verpflichtet, wenn er Leistungen oder Lieferungen gegenüber einem anderen Unternehmer ausführt. Diese Pflicht zur Rechnungsausstellung besteht auch bei Vereinnahmung des Entgelts oder Teilentgelts vor Ausführung der Leistung.[1]

Da der Verkauf eines Wertgutscheins keine Leistung im umsatzsteuerrecht...

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