Finance

Kosten- und Leistungsrechnung

Redakteurin Catrin Birmele

Catrin Birmele

Online-Redakteurin

Lesedauer unter

5

Minuten

Eine Person in einem orangefarbenen Oberteil sitzt an einem Schreibtisch, hält ein Dokument in der Hand und arbeitet an einem Laptop. Im Hintergrund sind große Fenster mit Blick auf eine helle, grüne Landschaft zu sehen.

In Kürze zusammengefasst

Was kostet ein Produkt wirklich – und wie lässt sich wirtschaftlich steuern, was im Unternehmen passiert? Die Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) liefert Antworten. Hier erfahren Sie, wie die KLR funktioniert, welche Aufgaben sie erfüllt und warum sie für fundierte Entscheidungen im Unternehmen unverzichtbar ist. Mit anschaulichem Praxisbeispiel.

Definition: Was ist die Kosten- und Leistungsrechnung?

Die Kosten- und Leistungsrechnung (KLR) ist ein zentrales Element des internen Rechnungswesens. Sie dient der systematischen Erfassung, Verteilung und Auswertung von Kosten und Leistungen innerhalb eines Unternehmens. Im Unterschied zur Finanzbuchhaltung, die gesetzliche Vorgaben erfüllt und externe Adressaten, z. B. Finanzamt und Gesellschafter bedient, richtet sich die KLR an die Unternehmensführung selbst. Ihr Ziel ist es, fundierte Entscheidungen auf Basis interner Wirtschaftlichkeitskennzahlen zu ermöglichen. Sie ist frei gestaltbar und nicht an gesetzliche Anforderungen gebunden.

Aufgaben und Ziele der Kosten- und Leistungsrechnung

Die KLR übernimmt eine Vielzahl betriebswirtschaftlich bedeutsamer Aufgaben.
Ihre Hauptfunktionen lassen sich in drei zentrale Bereiche unterteilen:

  1. Kostenkontrolle und Wirtschaftlichkeit analysieren
    Ein Unternehmen muss jederzeit wissen, wo Kosten entstehen und in welchem Umfang. Nur so lässt sich beurteilen, ob Prozesse wirtschaftlich ablaufen oder ob Optimierungsbedarf besteht. Die KLR stellt sicher, dass alle relevanten Kosten transparent erfasst und regelmäßig überwacht werden. Beispiel: Steigen die Energiekosten in einer Produktionsabteilung überproportional an, kann die KLR diese Entwicklung sichtbar machen – und das Unternehmen hat die Gelegenheit, gegenzusteuern.
  2. Kalkulationsgrundlage für Produkte und Leistungen liefern
    Produkte und Dienstleistungen haben ihren Preis – doch dieser sollte nicht „aus dem Bauch heraus“ bestimmt werden. Die KLR berechnet beispielsweise die tatsächlichen Selbstkosten eines Produkts, also alle Kosten, die von der Herstellung bis zur Auslieferung anfallen. Diese Information ist essenziell für eine realistische und wettbewerbsfähige Preisgestaltung.
  3. Fundierte Entscheidungsunterstützung bieten
    Welche Produkte sind profitabel? Welche Unternehmensbereiche arbeiten rentabel? Wo lohnt sich eine Investition, wo eher nicht? Die KLR liefert entscheidungsrelevante Informationen, die über den Unternehmenserfolg mitentscheiden. Besonders im Controlling ist sie ein zentrales Steuerungsinstrument.

Wie funktioniert die Kosten- und Leistungsrechnung?

Die KLR folgt einer klaren innerbetrieblichen Systematik. Sie ist in drei zentrale Teilbereiche gegliedert, die gemeinsam ein umfassendes Bild der betrieblichen Kostenstruktur ergeben.

Kostenartenrechnung: Welche Kosten sind angefallen?

Zunächst werden sämtliche Kostenarten systematisch erfasst. Dies geschieht meist anhand von Belegen, Rechnungen oder internen Buchungen. Diese erste Stufe bildet die Basis – sie zeigt auf, welche Kosten in welcher Höhe überhaupt im Unternehmen anfallen.

Kostenstellenrechnung: Wo sind die Kosten entstanden?

In der zweiten Stufe werden die erfassten Kosten innerhalb des Unternehmens weiter verrechnet, genauer gesagt: den einzelnen Kostenstellen zugeordnet. Eine Kostenstelle ist ein organisatorischer Bereich, in dem Kostenanfallen – z. B. Produktion, Vertrieb, Forschung und Entwicklung oder Verwaltung. Durch diese Zuordnung wird sichtbar, welche Abteilungen oder Bereiche besonders kostenintensiv sind und wo gegebenenfalls Steuerungsmaßnahmen nötig sind.

Kostenträgerrechnung: Wofür sind die Kosten entstanden?

Im letzten Schritt wird ermittelt, welches Produkt, Projekt oder welche Dienstleistung die jeweiligen Kosten letztlich verursacht hat. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten:

  • Personalkosten: Gehälter, Löhne, Sozialabgaben
  • Materialkosten: Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe
  • Abschreibungen: Wertminderungen von Anlagen
  • Fremdleistungen: Eingekaufte Services Dritter
  • Energiekosten: Strom, Heizung, Kraftstoffe
  • Kostenträgerstückrechnung, z. B. zur Ermittlung der Kosten je Produkt
  • Kostenträgerzeitrechnung z. B. zur Auswertung pro Monat oder Quartal.

So lässt sich analysieren, wie wirtschaftlich einzelne Angebote wirklich sind – eine essenzielle Grundlage für Produktentscheidungen, Preiskalkulation und Vertriebssteuerung.

Ergänzende Elemente der KLR

Je nach Unternehmensgröße und Informationsbedarf kann die KLR durch zusätzliche Verfahren erweitert werden:

  • Leistungsrechnung: Erfasst die betrieblichen Leistungen (Output) – z. B. produzierte Stückzahlen oder geleistete Arbeitsstunden.
  • Plankostenrechnung: Dient dem Vergleich von geplanten und tatsächlichen Kosten. Hilfreich zur Früherkennung von Abweichungen.
  • Deckungsbeitragsrechnung: Zeigt, wie viel ein Produkt nach Abzug der variablen Kosten zum Unternehmensgewinn beiträgt – besonders wichtig für Vertriebsentscheidungen.

Bedeutung für Unternehmen: Warum ist die KLR so relevant?

Eine präzise KLR ist weit mehr als nur Zahlenwerk. Sie ist die Grundlage für fundiertes unternehmerisches Handeln. Besonders in dynamischen Märkten mit steigendem Wettbewerbsdruck müssen Unternehmen in der Lage sein, ihre Kostenstrukturen detailliert zu verstehen und darauf zu reagieren.

Durch die KLR lassen sich u. a.:

  • Unrentable Produkte erkennen und gezielt hinterfragen oder aussteuern,
  • Investitionsentscheidungen faktenbasiert vorbereiten,
  • Produktionsprozesse effizienter gestalten, indem Kostentreiber identifiziert werden,
  • transparente Preise kalkulieren, die sowohl marktfähig als auch wirtschaftlich sind,
  • Abteilungen vergleichen, um Synergien und Ineffizienzen aufzudecken.

Kurz: Die KLR schafft die Voraussetzung für langfristig erfolgreiche Unternehmenssteuerung.

Praxisbeispiel: KLR in einem mittelständischen Unternehmen

Ein Maschinenbauunternehmen stellt drei Produkttypen her. In der Kostenartenrechnung werden monatlich alle Aufwendungen wie Löhne, Material und Energiekosten erfasst. Über die Kostenstellenrechnung wird zugeordnet, welche Abteilung welche Kosten verursacht, z. B. Produktion, Entwicklung oder Vertrieb. In der Kostenträgerrechnung wird schließlich ermittelt, wie viel Produkt A, B und C jeweils „verschlingen“.
Ergebnis: Produkt B ist deutlich teurer in der Herstellung – verursacht durch hohe Rüstzeiten. Das Unternehmen entscheidet, die Produktionsabläufe anzupassen und Produkt B selektiver am Markt zu platzieren.

Häufige Fragen (FAQ) zur Kosten- und Leistungsrechnung

Für welche Unternehmen ist die KLR sinnvoll?

Grundsätzlich ist es für alle Unternehmen sinnvoll, eine KLR zu erstellen – vom kleinen Handwerksbetrieb bis zum Großkonzern. Umfang und Tiefe lassen sich nach Bedarf individuell anpassen.

Wie oft wird die KLR durchgeführt?

In den meisten Unternehmen wird die KLR monatlich erstellt, teils auch quartalsweise oder täglich, z.B. in der Industrie mit automatisierter Erfassung. Die Frequenz hängt von der Systemunterstützung und dem Informationsbedarf ab.

Wer nutzt die KLR im Unternehmen?

Hauptsächlich arbeiten Controlling-Teams, Geschäftsführung und Produktverantwortliche mit der KLR. Teilweise auch Vertrieb und Einkauf, wenn es um Preise oder Margen geht.

Ist die KLR gesetzlich vorgeschrieben?

Nein. Unternehmen sind nicht verpflichtet, eine KLR zuführen. Dennoch ist sie in der Praxis unverzichtbar, sobald ein gewisses Maß an Komplexität erreicht ist – z. B. bei mehreren Produkten, Standorten oder Abteilungen.

Was unterscheidet die KLR von der Finanzbuchhaltung?

Die Finanzbuchhaltung bildet buchhalterisch Geschäftsvorfälle ab, z.B. Forderungen, Verbindlichkeiten und Umsatzsteuer, für externe Zwecke. Die KLR konzentriert sich ausschließlich auf die betriebsbezogenen Vorgänge – also auf das, was tatsächlich mit der Leistungserbringung zu tun hat.

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