Frotscher/Geurts, EStG § 13... / 2.11 Einkünfte aus Jagd (§ 13 Abs. 1 Nr. 3 EStG)
 

Rz. 180

Zu den Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft gehören nach § 13 Abs. 1 Nr. 3 EStG auch die Einkünfte aus der Jagd, sofern diese mit dem Betrieb der Land- und Forstwirtschaft im Zusammenhang steht. Hierunter fallen auch die Erlöse, die nach der Jagd anfallen, wie z. B. Erlöse aus dem Wildbret- oder dem Trophäenverkauf.

 

Rz. 181

Wer Land- und Forstwirtschaft betreibt, muss dafür sorgen, dass seine Kulturen durch das Wild möglichst geringen Schaden erleiden. Deshalb ist für den Land- und Forstwirt eine waidgerechte Jagd erforderlich. Damit gehört die Jagd zum Betätigungsfeld des Land- und Forstwirts, soweit sie mit seinem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb im Zusammenhang steht. Das Jagdrecht ist nach § 1 Abs. 1 BJagdG die ausschließliche Befugnis, auf einem bestimmten Gebiet wildlebende Tiere, die dem Jagdrecht unterliegen, zu hegen, auf sie die Jagd auszuüben und sie sich anzueignen. Die Jagdausübung erstreckt sich nach § 1 Abs. 4 BJagdG auf das Aufsuchen, Nachstellen, Erlegen und Fangen von Wild.

 

Rz. 182

Die Jagd kann für sich allein keine land- und forstwirtschaftliche Betätigung sein. Denn die Einkünfte aus der Jagd gehören nach § 13 Abs. 1 Nr. 3 EStG nur dann zu den Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft, wenn sie mit dem Betrieb der Land- und Forstwirtschaft im Zusammenhang stehen. Steht die Jagd nicht in diesem Zusammenhang, handelt es sich regelmäßig um eine einkommensteuerlich unbeachtliche Tätigkeit, also um Liebhaberei (Rz. 37). Eine gewerbliche Tätigkeit kann vorliegen, wenn Gewinnerzielungsabsicht und -möglichkeit bestehen. Besteht ein hinreichender Zusammenhang zwischen der Jagd und dem eigenen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb, ist die Ausübung der Jagd auch dann keine aus dem Betrieb auszugliedernde Liebhaberei, wenn sie laufend Verluste erbringt, da Einkünfte und damit auch Verluste aus einer Jagd nach § 13 Abs. 1 Nr. 3 EStG zu den Einkünften aus Land- und Forstwirtschaft gehören. Dieser im Gesetz nicht näher dargelegte Zusammenhang ist gegeben, wenn die Jagd des Land- und Forstwirts dem eigenen land- und forstwirtschaftlichen Betrieb dergestalt dient, dass sie den land- und forstwirtschaftlich genutzten Grundflächen des Betriebs zugutekommt.[1] Sie muss somit Teil der ordnungsgemäßen Bodenbewirtschaftung sein.[2] Dabei muss der land- und forstwirtschaftliche Betrieb mehr als 50 % der bejagten Fläche ausmachen. Anderenfalls ist kein ausreichender Zusammenhang i. S. v. § 13 Abs. 1 Nr. 3 EStG anzuerkennen.[3] Fehlt der notwendige Zusammenhang für einen Teil der bejagten Fläche, sind die Aufwendungen und Erträge aufzuteilen.

 

Rz. 183

Keine Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft hat ein Jagdpächter, der weder Land- noch Forstwirt ist.

 

Rz. 184

Der nach § 13 Abs. 1 Nr. 3 EStG notwendige Zusammenhang der Jagd mit der Land- und Forstwirtschaft wird unwiderlegbar vermutet, wenn ein Land- und Forstwirt Eigentümer zusammenhängender land- und forstwirtschaftlich genutzter Ländereien ist, die einen Eigenjagdbezirk bilden.[4] Das gilt aber auch dann, wenn die Jagd aufgrund eines Jagdpachtvertrags auf Flächen ausgeübt wird, die der Land- und Forstwirt als wirtschaftlicher Eigentümer in einem Umfang nutzt, der den Eigentumsflächen entspricht, die geeignet wären, einen Eigenjagdbezirk zu begründen.[5] Verpachtet der Eigenjagdinhaber das ihm zustehende Jagdausübungsrecht, erzielt er insoweit Einkünfte nach § 13 Abs. 1 Nr. 1 EStG. Die Verpachtung des Jagdrechts ist keine Jagdausübung und damit keine Jagd i. S. v. § 13 Abs. 1 Nr. 3 EStG. Entsprechendes gilt in den Fällen der gleichzeitigen Verpachtung von Jagdausübungsrecht und land- und forstwirtschaftlich genutzter Fläche, wenn von der Möglichkeit des Wahlrechts zur Betriebsaufgabe kein Gebrauch gemacht wird.[6]

 

Rz. 185

Von den Einkünften aus einer auf eigenen oder hinzugepachteten Fläche betriebenen Jagd ist die zusätzlich hinzugepachtete Jagd zu unterscheiden. Diese steht nur dann in ausreichendem Zusammenhang mit dem land- oder forstwirtschaftlichen Betrieb, wenn die Zupachtung aus zwingenden öffentlich-rechtlichen Gründen erfolgt oder zur ordnungsgemäßen Bewirtschaftung des land- oder forstwirtschaftlichen Betriebs erforderlich ist oder wenn die zu gepachteten Jagdflächen überwiegend eigenbetrieblich genutzt werden.[7] Zwingende öffentlich-rechtliche Gründe liegen z. B. vor, wenn dem Eigenjagdbesitzer durch behördlichen Akt fremde Jagdflächen zur Bejagung zugewiesen werden. In den Fällen der Zupachtungen sind diese von der Eigenjagd getrennt zu beurteilen. Folglich liegt im Regelfall nur hinsichtlich der Eigenjagd der erforderliche Zusammenhang mit dem land- und forstwirtschaftlichen Betrieb vor, nicht dagegen hinsichtlich der Zupachtungen.

 

Rz. 186

Land- und forstwirtschaftlich genutzte Areale, die keinen Eigenjagdbezirk nach § 7 BJagdG bilden, vor allem also die Grundflächen der Land- und Forstwirte mit Streubesitz, intensiven Nutzungen oder kleineren landwirtschaftlichen Betrieben und die Grundstücke der Gemeinden, werden nach § 8 BJagdG ...

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