Einführung

Gesellschafter einer GmbH dürfen nicht, wie etwa die Mitunternehmer einer Personengesellschaft oder eines Einzelunternehmens, einfach Gewinne der GmbH entnehmen. Um als Gesellschafter über den Gewinn der GmbH verfügen zu können, bedarf es eines wirksamen Ausschüttungsbeschlusses. Wann ein Ausschüttungsbeschluss wirksam ist, richtet sich nach den gesetzlichen Regelungen, dem Gesellschaftsvertrag und der wirtschaftlichen Situation der GmbH. So dürfen Gewinne nicht ausgeschüttet werden, wenn dadurch das Stammkapital der GmbH angegriffen würde.

Die 3 häufigsten Fallen

Die Gewinnausschüttung wird in der Ein-Personen-GmbH nicht wirksam beschlossen

Der Gesellschafter einer Ein-Personen-GmbH versäumt es, Gewinnausschüttung wirksam zu beschließen. Denn Allein-Gesellschafter, die zumeist auch die alleinigen Geschäftsführer der GmbH sind, haben häufig den Eindruck, dass das Vermögen der GmbH ohnehin ihnen gehöre. Dies ist rechtlich falsch: Denn bei der GmbH handelt es sich um eine vom Allein-Gesellschafter losgelöste juristische Person; das Vermögen der GmbH darf nicht mit dem Vermögen des Gesellschafters vermengt werden. Entnimmt der Gesellschafter ohne wirksamen Ausschüttungsbeschluss Vermögen aus der GmbH, kann dies Rückforderungsansprüche der GmbH gegen den Gesellschafter auslösen. Dies wird dann praktisch bedeutsam, wenn die GmbH in eine Krise gerät. Ein solcher Anspruch kann ggf. von einem Gläubiger gepfändet werden. Gerät die GmbH in Insolvenz, kann der Insolvenzverwalter eine solche Forderung für die GmbH gegen den Gesellschafter geltend machen. Ein wirksamer Verwendungsbeschluss setzt die wirksame Aufstellung des Jahresabschluss durch die Geschäftsführung sowie die wirksame Feststellung des Jahresabschlusses durch die Gesellschafter voraus.
→ Kap. 2

Der Gewinnverwendungsbeschluss unterbleibt aus Nachlässigkeit

Gerade in der Aufbauphase sind die Gesellschafter einer GmbH besonders sparsam und wollen häufig den gesamten Gewinn in der GmbH belassen. Dies kann sinnvoll sein, insbesondere, wenn hohe Investitionen geplant sind oder sich die GmbH das Vertrauen von Lieferanten oder Banken erarbeiten möchte. Oft wird die Frage, wie der Gewinn eines Wirtschaftsjahres verwendet werden soll, gar nicht gestellt. Denn häufig herrscht die Auffassung vor, dass nicht entnommene Gewinne jederzeit entnommen werden können. Das ist aber nicht der Fall.
→ Kap. 3

Die Beschränkungen der Mini-GmbH werden unterschätzt

So attraktiv die sog. Unternehmergesellschafter (haftungsbeschränkt) oder auch Mini-GmbH bei der Gründung ist, so unattraktiv kann sie sein, wenn es um die Beteiligung der Gesellschafter an den Gewinnen der GmbH geht. Denn bei der Mini-GmbH dürfen höchstens 3/4 der Gewinne ausgeschüttet werden, und zwar auch dann, wenn die GmbH Gewinne in Millionenhöhe erzielt. Mit anderen Worten: 25 % der Gewinne müssen in der GmbH verbleiben. Vermeidbar ist das nur, wenn die GmbH ihr Stammkapital auf mindestens 25.000 EUR erhöht und der Status der Mini-GmbH dadurch beendet wird.
→ Kap. 2

1 Vorüberlegungen: Wann ist eine Gewinnausschüttung wirtschaftlich sinnvoll?

Bevor Sie über eine Gewinnausschüttung nachdenken, sollten Sie die wirtschaftlichen Folgen für Ihre Firma bedenken. Durch eine Ausschüttung wird der GmbH Liquidität entzogen. Dies ist insbesondere für verschiedene Adressaten und Situationen von Bedeutung:

  • Gläubiger: Wenn es darum geht, ohne Vorkasse oder Sicherheiten Leistungen gegenüber der GmbH zu erbringen, werden sich die Gläubiger auch für Gewinnausschüttungen in der GmbH interessieren.
  • Bank bzw. Kreditaufnahme: Wenn Sie Fremdkapital aufnehmen möchten, sollten Sie dies bei der Frage, ob eine Rücklage bzw. ein aktuell erwirtschafteter Gewinn ausgeschüttet werden soll, berücksichtigen. Denn auch die Höhe der Gewinnrücklage hat Einfluss auf die Vergabe und die Konditionen eines Kredites, etwa die Höhe der dafür zu zahlenden Kreditzinsen.
  • GmbH-Finanzen: Zu berücksichtigen ist aber auch, dass eine Gewinnrücklage in späteren Jahren nicht ohne Weiteres ausgeschüttet werden kann, wenn die GmbH in den Folgejahren Verluste erwirtschaftet. Das bedeutet: Werden Gewinne in die Gewinnrücklage eingestellt, muss der Gesellschafter einkalkulieren, dass in späteren Jahren eine Ausschüttung nicht mehr zulässig ist, wenn die GmbH in den Folgenjahren Verluste erwirtschaftet.

2 Gesellschaftsrechtliche Voraussetzungen: Wann dürfen Sie Gewinne ausschütten?

Erwirtschaftet eine GmbH in einem Wirtschaftsjahr einen Gewinn, müssen Sie zunächst Verluste der Vorjahre ausgleichen. Die Verwendung des darüber hinausgehenden Gewinns liegt grundsätzlich in der Hand der Gesellschaft. Sie hat, wenn nicht etwas anderes im Gesellschaftsvertrag oder durch Gesetz vorgeschrieben ist, folgende Möglichkeiten:

  • Der Gewinn wird an die Gesellschafter ausgeschüttet.
  • Der Gewinn wird vorgetragen.
  • Der Gewinn wird in eine Gewinnrücklage eingestellt.

Die 3 Handlungsmöglichkeiten können auch miteinander kombiniert werden. In der Praxis wird meist ein Teil des Gewinns ausgeschüttet, ein anderer Teil – meist ein glatter Betrag – in eine Gewinnrücklage eingestellt, z. B. um eine bestimmte Investition vorzubereiten, und der Restbetrag als Gewinn v...

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