Forscher plädieren für höhere Baudichte
Die Maßnahmen zur Verringerung des Flächenverbrauchs in Deutschland reichen bisher nicht aus. Zu dieser Einschätzung kamen Experten in einem Fachgespräch im Parlamentarischen Beirat für nachhaltige Entwicklung und Zukunftsfragen am 20. Mai.
Das politische Ziel von maximal 30 Hektar pro Tag werde deutlich verfehlt.
Wohnungsbau vs. Flächenverbrauch
Der tägliche Zuwachs an Siedlungs- und Verkehrsflächen habe noch Anfang 2026 bei mehr als 50 Hektar gelegen, sagte Inga Glander, Projektleiterin Baukulturbericht bei der Bundesstiftung Baukultur.
Professor Martin Behnisch, Leiter des Forschungsbereiches Raumbezogene Information und Modellierung beim Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung, hält das 2030er-Ziel der Bundesregierung für grundsätzlich erreichbar, "aber nur mit deutlich schärferen politischen Eingriffen".
Bis 2050 sei ansonsten weiterhin ein erheblicher Verlust an Freiraumflächen zu erwarten, unter anderem durch den Wohnungsbau. Der anhaltende Anstieg der Versiegelungsfläche, so Behnisch und auch Expertin Glander, stehe auch im Widerspruch zu dem geringen Wachstum beziehungsweise zu dem erwarteten Schrumpfen der Bevölkerungszahlen.
Als besonders problematisch bewertete Behnisch die Entwicklung in ländlichen Räumen und Pendlerregionen. Dort würden Wohn- und Mischflächen voraussichtlich doppelt so stark wachsen wie in den Großstädten. Gleichzeitig bleibe der Neubau ein zentraler Treiber des Flächenverbrauchs.
Maßnahmen gegen Flächenverbrauch
Forscher Behnisch sprach sich für einen Vorrang der Innenentwicklung in Kommunen statt dem Neubau auf der "grünen Wiese" aus und plädierte gleichzeitig für höhere Baudichten und mehr Mehrfamilienhäuser. Höhere Baudichten könnten aus seiner Sicht den Flächenverbrauch um zirka vier Hektar pro Tag senken, mehr Innenentwicklung sogar um rund sieben Hektar pro Tag.
Die Sachverständige Glander kritisierte den bisherigen Umgang mit Wohnungsbau und Siedlungsentwicklung. Während an den Ortsrändern neue Baugebiete entstünden, verlören Ortskerne an Funktion und Attraktivität. Deutschland baue gleichzeitig "zu wenig und zu viel". Während in Wachstumsregionen Wohnraum fehle, würden andernorts unnötig neue Flächen erschlossen.
Beide Experten sprachen sich für eine stärkere Nutzung des Gebäudebestandes aus – der könne saniert und umgebaut werden. Gleichzeitig gelte es, Ortskerne zu verdichten und zu revitalisieren.
Flächenverbrauch: Politische Ziele
Das Zwischenziel 2030 mit der Neuinanspruchnahme von Flächen bis maximal 30 Hektar pro Tag hatte die Vorgängerregierung am 6.9.2024 in einem Transformationsbericht bereits benannt, ebenso wie ein Net-Zero-Ziel. Wörtlich heißt es: "Bis 2050 wird eine Flächenkreislaufwirtschaft angestrebt, also eine Veränderung der Siedlungs- und Verkehrsfläche von Netto-Null."
Auch die Ampel-Koalition priorisierte dafür "Umbau vor Neubau", "Innenentwicklung vor Außenentwicklung" und die Mehrfachnutzung von Flächen für mehr bezahlbare Wohnungen, um den Ressourcenverbrauch zu reduzieren.
Transformationsbericht zum Bereich Nachhaltiges Bauen und Verkehrswende
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