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In Kürze zusammengefasst
Wie schafft man Vertrauen in einer globalisierten Wirtschaft? Internationale Rechnungslegungsstandards wie die IFRS bieten Unternehmen eine gemeinsame Grundlage, um ihre Finanzlage transparent darzustellen – egal ob der Sitz in Tokio, München oder New York ist. Doch welche Auswirkungen hat die Einführung von IFRS konkret auf deutsche Unternehmen? Und wie wirken sich die globalen Standards auf Transparenz, Wettbewerbsvorteile und bürokratischen Aufwand aus?
Inhaltsverzeichnis
Definition: Was ist die internationale Rechnungslegung?Warum benötigt man eine internationale Rechnungslegung?Vorteile und Herausforderungen internationaler RechnungslegungIAS vs. IFRS: Entwicklung, Unterschiede und GemeinsamkeitenSchritt für Schritt zur Internationalen Rechnungslegung am Beispiel IFRSRelevanz für Unternehmen in DeutschlandInternationale Rechnungslegung bedeutet Klarheit im Dschungel unterschiedlicher nationaler Rechnungslegungsvorschriften. Siebeschreibt die einheitliche Erstellung und Darstellung von Finanzberichten. Dadurch werden diese über Ländergrenzen hinweg vergleichbar – egal, wo in der Welt das Unternehmen seinen Sitz hat. Für die Vergleichbarkeit sorgen dabei international anerkannte Standards wie die International Financial Reporting Standards (IFRS)und früher die International Accounting Standards (IAS).
Stellen Sie sich vor: Ein Investor aus Japan möchte herausfinden, ob er in ein deutsches Unternehmen investieren soll. Ohne standardisierte Regeln müsste er erst einmal nationale Vorschriften studieren, um einschätzen zu können, wie das Unternehmen finanziell aufgestellt ist. Das ist nicht nur zeitaufwendig, sondern auch fehleranfällig.
Internationale Rechnungslegungsstandards lösen dieses Problem:
In anderen Worten: Die internationale Rechnungslegung gibt Unternehmen weltweit eine gemeinsame „Sprache“ für die Finanzkommunikation und macht Finanzberichte verständlich und nachvollziehbar für alle.
Internationale Rechnungslegungsstandards ermöglichen eine einheitliche Darstellung von Finanzinformationen, was Investoren den Vergleich erleichtert und das Vertrauen in Jahresabschlüsse stärkt. Für viele Unternehmen bedeuten sie erhöhte Chancen auf den Zugang zu globalen Märkten – ein klarer Wettbewerbsvorteil. Gleichzeitig erlauben internationale Standards durch ihre flexiblen Vorgaben, die wirtschaftliche Situation eines Unternehmens genauer und realistischer abzubilden.
Allerdings sind diese Vorteile mit einem gewissen Aufwand verbunden: Die Umstellung auf internationale Standards erfordert Zeit, Fachwissen und finanzielle Ressourcen.
Besonders kleinere Unternehmen stehen vor der Aufgabe, komplexe Regelwerke umzusetzen und bestehende Prozesse anzupassen. Ein zusätzlicher Aufwand entsteht insbesondere bei der erstmaligen Anwendung der IFRS im Vergleich zur Rechnungslegung nach dem HGB. Dabei spielt die Ermittlung des Fair Value eine entscheidende Rolle: Im Rahmen der IFRS werden (bestimmte) Vermögenswerte und Schulden zum Bewertungsstichtag zu ihrem geschätzten Preis unter den aktuellen Marktbedingungen angegeben – unabhängig von den ursprünglichen Anschaffungskosten. Diese marktorientierte Bewertung sorgt für eine realistische und objektive Darstellung in der Bilanzierung und erhöht so die Vergleichbarkeit von Abschlüssen. Allerdings kann die Ermittlung des Fair Value zeitaufwendig sein und erfordert in vielen Fällen externe Gutachter, was zusätzliche Kosten verursacht und Ressourcen bindet.
Trotz dieser Herausforderungen liegt der Nutzen internationaler Rechnungslegungen jedoch auf der Hand: Transparenz und internationale Anschlussfähigkeit überwiegen in der Regel langfristig die anfänglichen Hindernisse.
Die International Accounting Standards (IAS) und die International Financial Reporting Standards (IFRS) sind eng miteinander verbunden, unterscheiden sich jedoch in ihrer Entstehung und Weiterentwicklung voneinander. Die IAS wurden bis 2001 vom damaligen International Accounting Standards Committee (IASC) entwickelt und legten den Grundstein für eine einheitliche Rechnungslegung. Mit der Gründung des International Accounting Standards Board (IASB) im Jahr 2001 wurden sie dann durch die IFRS abgelöst.
Durch die geteilte Historie haben die beiden Standard-Regelwerke einige wichtige Gemeinsamkeiten:
Der Hauptunterschied liegt in der Weiterentwicklung: Die IAS sind die Vorgänger der IFRS, die als aktuelles und weiterentwickeltes Regelwerk gelten. Während einige ältere IAS weiterhin gültig sind, wurden viele seit 2001 vom IASB weiterentwickelt und durch neue IFRS ersetzt. Dadurch spiegeln die IFRS moderne Anforderungen besser wider und enthalten oft detailliertere Vorgaben. Trotz der Weiterentwicklung greifen viele Unternehmen auf eine Kombination beider Regelwerke zurück. Das liegt daran, dass je nach Sachverhalt ein älterer IAS-Standard oder eine neuerer IFRS angewandt wird. Bei spezifischen Geschäftsvorfällen bieten meist die IFRS präzisere Leitlinien, die den komplexen internationalen Anforderungen gerecht werden.
Die IFRS haben sich heute – gemeinsam mit einigen weiterhin gültigen IAS – als zentraler Standard etabliert, weil sie Abschlüsse weltweit einheitlich und vergleichbar machen. Sie dienen international agierenden Unternehmen als verlässliche Grundlage. Im Kern bieten sie einen gemeinsamen Rahmen für alle wesentlichen Aspekte eines Jahresabschlusses – von der Bewertung von Vermögenswerten bis hin zur Darstellung von Erträgen und Aufwendungen. Das reduziert Missverständnisse zwischen Ländern mit unterschiedlichen Bilanzierungstraditionen.
Die Stärken der IFRS liegen vor allem in:
Die Einführung der IFRS erfordert eine klare Strategie, da sie tief in die etablierten Abläufe eines Unternehmens eingreifen. Eine beispielhafte Umstellung gliedert sich in folgende Schritte:
Internationale Rechnungslegungsstandards gewinnen für deutsche Unternehmen zunehmend an Bedeutung, insbesondere wenn die Unternehmen global agieren. Die Vorteile liegen vor allem in der praktischen Anwendbarkeit im wirtschaftlichen und rechtlichen Umfeld. Während nationale Standards wie das HGB weiterhin zentral sind, bringen die IFRS darüber hinaus spezifische Vorteile mit sich:
Die Relevanz der IFRS, sowie der IAS, ergibt sich somit nicht nur aus globaler Vergleichbarkeit, sondern auch aus ihrem konkreten Nutzen im deutschen Wirtschaftsumfeld: Sie fördern Effizienz, erfüllen Marktanforderungen und stärken langfristig die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen.
Während die IFRS prinzipienbasiert sind und im Rahmen allgemeiner Grundsätze Flexibilität bei der Interpretation bieten, folgen die US-GAAP einem regelbasierten System mit detaillierten Vorgaben. Das kann zu unterschiedlichen Ergebnissen bei Bewertung und Bilanzierung führen. Wie der Name vermuten lässt, sind die US-GAAP vorrangig in den USA verbreitet, wohingegen die IFRS international weiter verbreitet sind und in über 140 Ländern – darunter beispielsweise die Mitgliedsstaaten der EU, Australien, Neuseeland, Kanada und viele asiatische Länder – angewandt werden.
Die Kosten hängen von der Unternehmensgröße und den bestehenden Prozessen ab. Typische Ausgaben entstehen durch Schulungen, Anpassungen interner Systeme und externe Beratung. Für mittelständische Unternehmen können die Kosten schnell im fünf- bis sechsstelligen Bereich liegen.
In Deutschland sind IFRS für börsennotierte Unternehmen verpflichtend, allerdings nur für den Konzernabschluss. Einzelabschlüsse sind weiterhin nach HGB zu erstellen. Für nicht börsennotierte Unternehmen ist die Anwendung der IFRS freiwillig.